Die deutsche Containerreederei Hapag-Lloyd übernimmt den israelischen Konkurrenten ZIM Integrated Shipping Services. Der Vorstand habe eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet, gab Hapag-Lloyd am späten Montagnachmittag bekannt. Rund 4,2 Milliarden Dollar zahlen die Hamburger demnach für das Unternehmen mit Sitz im Mittelmeerhafen Haifa. Eine israelische Tochtergesellschaft von Hapag-Lloyd soll für die Übernahme mit ZIM verschmolzen werden. Für das Geschäft hat sich die deutsche Reederei mit der israelischen Beteiligungsgesellschaft Fimi zusammengetan.
Durch den Kauf stärkt das Unternehmen seine Position als einer der größten Container-Riesen weltweit. „Das Motto bei uns lautete stets: Gemeinsam ist man besser“, sagt Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Montag. „Wir sind der Meinung, dass wir durch die Übernahme unsere Marktposition verbessern und langfristig sichern können.“ Damit die Transaktion wirklich vollzogen werden kann, muss allerdings auch der Staat Israel zustimmen – und zwar, wie das Unternehmen schreibt, „auf Grundlage seiner in der Satzung von ZIM festgelegten Sonderrechte“. Unter dieser Bedingung werde mit einem Abschluss des Geschäfts bis Ende 2026 gerechnet.
ZIM ist die zehntgrößte Containerreederei weltweit, Hapag-Lloyd die Nummer fünf. Offiziellen Berichten zufolge betreibt ZIM 145 Schiffe, darunter 130 Containerschiffe und 15 Fahrzeugtransporter. Allerdings verfolgt das Unternehmen nach eigenen Angaben einen sogenannten Asset-Light-Ansatz. Das bedeutet: Viele der Schiffe sind geleast und gehören dem Unternehmen nicht selbst. Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen sieht aber ebendiese hohe Quote von geleasten Schiffen als Vorteil an, da man so flexibler agieren könne.
Nach Übernahme hätte die Hamburger Reederei eine Flotte von mehr als 400 Schiffen, eine Kapazität von mehr als drei Millionen Standardcontainern (TEU) und ein jährliches Transportvolumen von mehr als 18 Millionen TEU. Die Übernahme ist deswegen eine Möglichkeit für Hapag-Lloyd, die eigenen Kapazitäten schnell auszubauen – und das, obwohl Werften kurzfristig nicht so viele neue Schiffe liefern könnten.
Auch der Hamburger Hafenexperte Jan Ninnemann schätzt die Übernahme als strategischen Vorteil ein: Größere Flotten ermöglichten eine bessere Auslastung von Containerschiffen, dichtere Fahrpläne sowie effizientere Netzwerke. „Durch die Integration von ZIM würde Hapag-Lloyd seine Transportkapazität deutlich ausweiten und im globalen Ranking näher an die viertplatzierte Cosco heranrücken.“
Der Betriebsrat von ZIM soll zum Streik aufgerufen haben
Die Übernahme kam keineswegs überraschend, schon länger wurde in der Branche darüber spekuliert. Am Sonntag war bei Hapag-Lloyd dann von „fortgeschrittenen Gesprächen“ über einen möglichen Erwerb sämtlicher Anteile an ZIM die Rede – und plötzlich ging es ganz schnell: Nicht mal 24 Stunden später wurde die Vereinbarung unterzeichnet. Hapag-Lloyd war wohl nicht der einzige Interessent. Auch die Reedereien Møller-Mærsk und MSC sollen Medienberichten zufolge Interesse an ZIM angemeldet haben. Hapag-Lloyd zufolge sei man seit Herbst vergangenes Jahres in Verhandlungsgesprächen.
Doch nicht überall löst die Übernahme Freude aus: Bei den Beschäftigten der im Mittelmeerhafen Haifa ansässigen Reederei stießen die Übernahmepläne auf Widerstand, berichtete die israelische Zeitung Globes. Der Betriebsrat habe zum Streik aufgerufen, weil er in die Entscheidung nicht eingebunden worden sei. Von ZIM war zunächst keine Stellungnahme bekannt.
Angesprochen auf den Widerstand, den die Übernahme bei den Beschäftigten in Israel auslöste, sagt Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen in der Pressekonferenz: „Ich kann vollkommen verstehen, dass die Leute besorgt sind, wenn so etwas angekündigt wird.“ Diese Sorgen versucht er augenscheinlich, aus dem Weg zu räumen. Mehrmals betont er, dass man in Israel engagiert bleiben und man dort weiterhin eine „bedeutende Präsenz zeigen“ wolle. Sonst würde Hapag-Lloyd nicht „so viel Geld in dieses Unternehmen investieren“. Tatsächlich wird der Übernahmepreis von 4,2 Milliarden Dollar nämlich als relativ hoch eingeschätzt. Allerdings gibt auch Habben Jansen zu: „Wenn wir fünf oder zehn Jahre in die Zukunft blicken, wird die Zahl der Beschäftigten bei Hapag und ZIP zusammen natürlich geringer sein.“
Fraglich ist, wie der Zukauf am Hapag-Lloyd-Stammsitz in Hamburg aufgenommen wird. Die Stadt Hamburg hält ein Aktienpaket von fast 14 Prozent an Hapag-Lloyd. Zuletzt hatte der Einstieg des Reederei-Riesen MSC beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA für viel Aufregung in der Hansestadt gesorgt. Großaktionäre bei Hapag-Lloyd sind mit je 30 Prozent die chilenische Reederei CSAV und der aus Hamburg stammende Milliardär Klaus-Michael Kühne. Kleinere Anteilspakete halten die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien. Auch das ist in Israel umstritten.
