
Über wen reden heute alle?
Über Federica Brignone. „Es wäre schön, wenn ich wieder laufen könnte“, sagte der italienische Skistar nach ihrem furchtbaren Sturz vor zehn Monaten, bei dem sie sich mehrfach das Schien- und Wadenbein brach und das Kreuzband riss. Das mit dem Laufen sollte klappen, und noch ein wenig mehr. Nach Gold im Super-G holte Brignone am Sonntag auch Gold im Riesenslalom. Eine der besten Feel-Good-Geschichten dieser Spiele. Ihr Geheimnis: Sie machte sich keinen Druck. Brignone sagte, sie sei einfach nur froh gewesen, dabei sein zu können. Wenn sie das Gefühl gehabt hätte, Medaillen gewinnen zu müssen, wäre sie ohne nach Hause gegangen. „Vielleicht ist das ein entscheidender Unterschied zum noch viel kurzfristigeren Comeback Lindsey Vonns“, schreibt mein Kollege Nico Horn, der die Rennen beobachtet hat.
Die 35-jährige Brignone ist damit eine der starken italienischen Frauen dieser Spiele. Die machen Italiens derzeitigen sensationellen zweiten Platz im Medaillenspiegel (hinter Norwegen) möglich. Fünf der mittlerweile schon acht Goldmedaillen haben Italiens Frauen gewonnen, zwei gingen an Mixed-Teams, lediglich eine wurde in einer reinen Männerdisziplin errungen. Italiens Frauen erobern Olympia!
Was wird heute wichtig?
Der Monobob. Klingt wie eine höchst eintönige Frisur, ist aber eine der seltsam anmutendsten Disziplinen dieser Winterspiele. Ein Bob, in dem irgendwas zu fehlen scheint, die Mitfahrerinnen nämlich. Die Männer fahren in Vierer- und Zweierbobs, die Frauen in Zweier- und eben Einzelbobs, den Monobobs. Die Argumentation zur Einführung ins olympische Programm vor vier Jahren: Einen Viererbob samt Crew zusammenzustellen, sei zu teuer, das könnten sich nur wenige Länder leisten. So fänden auch andere Nationen Zugang zum Bobsport. Außerdem seien die Monobobs alle baugleich, reichere Länder könnten ihre Materialvorsprünge nicht ausspielen. Da nimmt man auch in Kauf, dass der Einzelbob, weil er so leicht ist, auffällig viel hin- und herschlenkert. Seifenkistenrennen auf Eis. Jedoch: Laura Nolte liegt nach zwei von vier Läufen auf Platz eins, mit 0,22 Sekunden Vorsprung vor zwei US-Amerikanerinnen. Am Montag um 19 Uhr fällt die Entscheidung.
Was machen die Deutschen?
Ich verrate mal ein Geheimnis: Wenn ich für ein paar Minuten mal was Schönes sehen will, schaue ich manchmal auf YouTube die Goldkür 2018 von Aljona Savchenko und Bruno Massot. Das ist wie ein heißes Vollbad, nur wassersparender. Deren Nachfolger, die Paarläufer Minerva Hase und Nikita Volodin, könnten zu einem ähnlichen Erfolg in der Lage sein. Nach dem Kurzprogramm am Samstagabend liegen sie auf Platz eins, mit viereinhalb Punkten Vorsprung. Ab 20 Uhr gilt es, den in der Kür zu behaupten. Vor den Spielen hatten beide meinem Kollegen Christof Siemes erklärt, wie man ein Eiskunstlaufpaar wird. Der Kollege hat neulich übrigens auch mit Aljona Savchenko geredet. „Ich denke, wir haben etwas gebastelt, das vielen Menschen immer noch in Erinnerung ist, das wird für die Ewigkeit sein“, sagte sie.
Etwas Neues gibt es hingegen im Skispringen: Dort steht ab 19 Uhr der Super-Team-Wettbewerb auf der Großschanze an, eine neue Version des alten Mannschaftswettbewerbs. Statt vier Sportler einer Nation sind nur noch zwei dabei. Für die deutschen Männer starten Philipp Raimund und Andreas Wellinger. Zusammen haben sie zarte Medaillenchancen.
