Der Abend von Predazzo, bei dem sich der Wind stark einmischte, verlief für die deutschen Skispringerinnen enttäuschend. Vor diesen Olympischen Spielen waren vor allem Selina Freitag und Agnes Reisch nach starken Vorleistungen als Medaillenkandidatinnen zu den Winterspielen ins Val di Fiemme gereist. Doch auf der Großschanze lief für die deutschen Teilnehmerinnen von Anfang an nichts wie erwartet.
Die Trainingsleistungen gaben schon einen Hinweis darauf, dass keine der vier deutschen Starterinnen wirklich mit der Anlage zurechtkommen würde. Und so war es auch im Wettkampf an diesem Sonntagabend. Vor allem Katharina Schmid, die 29 Jahre alte Veteranin und Pionierin des Skispringens, erwischte es hart.
Heftige Enttäuschung für Schmid, Freytag auf Platz 17.
Am Ende belegte sie Rang 41 von 46 Teilnehmerinnen. Sie verpasste klar das Finale der besten 30 Springerinnen und war danach bitter enttäuscht. „Es tut einfach weh“, sagte sie nach ihrem letzten, verpatzten Flug bei Olympischen Spielen. Die Schanze in Predazzo habe ihr nicht gelegen – „ich habe mich hier von Anfang an schwergetan. Dass es so endet, ist hart. Ich hätte gerne noch einen zweiten Sprung gehabt, um mich hier besser zu verabschieden.“ Es ist Schmids letzter Winter als Skispringerin.
Später war zu sehen, wie sie sich weinend in eine Ecke zurückzog und dabei die Hände vors Gesicht legte. Auch die anderen deutschen Springerinnen blieben beim Sieg der Norwegerin Anna Odine Stroem, die schon im Wettkampf von der Kleinschanze Gold gewonnen hatte, klar unter ihren Möglichkeiten. Reisch war letztlich als Zehnte noch die Beste aus dem Team des Deutschen Skiverbandes (DSV).
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Selina Freitag hatte nach einem vom Wind verwehten und misslungenen ersten Sprung mit ihrem zweiten Versuch immerhin noch einige Plätze gutgemacht. Doch für die Frau, die im Weltcup regelmäßig das Podest erklimmt, reichte es nur zu Rang 17. Auch sie gab an, während der Spiele nie mit dieser Schanze zurechtgekommen zu sein. Überdies hatte sie, ähnlich wie Schmid, mit sehr schlechten Windbedingungen bei ihrem ersten Sprung zu kämpfen.
Juliane Seyfarth, nach dem ersten Durchgang noch Neunte, fiel im Finale auf Platz 23 zurück. Insgesamt hat dieses Ergebnis aus deutscher Sicht die Qualität einer heftigen Packung.
Nach dem Springen wurde angesichts des auch schon misslungenen Kleinschanzen-Wettbewerbs vom vergangenen Sonntag – mit Rang sieben, neun und 16 für Freitag, Reisch und Schmid – über Disharmonien im Teamgefüge gemutmaßt. Bundestrainer Heinz Kuttin räumte das teilweise ein, als er sagte: „Es ist nicht leicht, wenn du schon im ersten Wettkampf eine draufbekommst. Und von der großen Schanze gehörten wir nach den Trainingseindrücken nicht wirklich zu den Favoriten.“
Bei der Anreise sei das Ziel der Gewinn einer Medaille aus drei Wettkämpfen gewesen. Doch auch im Mixed verpassten Reisch und die im ersten Sprung enttäuschende Freitag die nötigen Weiten, es wurde gemeinsam mit Felix Hoffmann und Philipp Raimund am Ende Platz vier – knapp hinter Japan. Kuttin reagierte gleichwohl sehr sachlich auf die Nullnummer von Predazzo: „Wir gewinnen gemeinsam. Und wir bekommen auch gemeinsam eine auf den Deckel.“
Ganz anders war die Stimmung beim Team Norwegen, den großen Gewinnerinnen der Tage von Predazzo. Stroem gewann zwei Goldmedaillen in den Einzeln, dazu Silber im Mixed. An diesem Sonntag kam noch ein zweiter Platz für ihre Teamkollegin Ering Maria Kvandal hinzu. Stroem sagte: „Es ist unglaublich und fantastisch, was mir hier gelungen ist. Zweimal zu gewinnen – das ist großartig. Wir haben uns als Team sehr gepusht, schon im Training.“
Dritte wurde am Sonntagabend die Weltcup-Dominatorin Nika Prevc, die Schwester des neuen Doppelolympiasiegers Domen Prevc. Gemeinsam mit ihrem Bruder gewann sie Gold im Mixed, aber eben nicht von der Kleinschanze, da wurde sie Zweite. Und auch nicht von der großen Anlage. Sie war die Topfavoritin auf dreimal Gold in Predazzo. Nach dem Wettkampf hatte auch sie Tränen in den Augen.
