
Federica Brignone gewinnt bei den Olympischen Spielen den Riesenslalom und holt ihre zweite Goldmedaille. Dabei fragte sich die Italienerin nach einem Horror-Sturz vor zehn Monaten noch, ob je sie wieder richtig laufen könne.
Sara Hector aus Schweden und die Norwegerin Thea Louise Stjernesund gingen auf die Knie und taten das, was man eben so tut, wenn eine Königin vor einem steht: Die Schwedin und die Norwegerin, die bei den Olympischen Spielen im Riesenslalom zeitgleich ins Ziel kamen und Silber gewannen, huldigten ihr. Sie knieten vor Federica Brignone. Die Italienerin siegte mit großem Vorsprung und gewann nach dem Erfolg im Super-G ihre zweite Goldmedaille.
Konzentrierte sich vor den Spielen alles auf Lindsey Vonn, ist es nun Brignone, die in Cortina d‘Ampezzo zum Superstar wird. Vonn trat in der Abfahrt mit einem Kreuzbandriss an und stürzte schwer.
Auch Brignone hat eine dramatische Verletzungshistorie. Im April vergangenen Jahres hatte sich die Mailänderin bei den vergleichsweise unbedeutenden italienischen Meisterschaften schwer am Knie verletzt. Sie erlitt bei ihrem Sturz in Val di Fassa eine mehrfache Fraktur des Schienbeinplateaus und des Wadenbeinkopfes sowie einen Kreuzbandriss – eine Horror-Diagnose und eigentlich das Olympia-Aus, womöglich sogar das Karriereende.
„Ich wusste nicht, ob ich überhaupt wieder richtig laufen kann. Ich konnte keinen Druck auf das Bein geben“, sagte Brignone und fragte sich: „Wie soll ich eines Tages wieder mit mehr als 100 km/h eine Skipiste runterfahren?“
Comeback erst einen Monat vor Olympia
Doch Brignone fand eine Antwort und kämpfte für ihre vierte Teilnahme an den Olympischen Spielen. Nur 237 Tage nach der schlimmen Verletzung stand sie wieder auf Skiern. „Es ist mein Traum, dort zu sein“, hatte sie mehrfach über einen möglichen Olympia-Start gesagt. Erst Mitte Januar kehrte sie in den Weltcup zurück und fuhr im Riesenslalom am Kronplatz auf den sechsten Platz.
Gleich ihr erster Start bei Olympia wurde zur Triumphfahrt. Im Super-G fuhr sie vor den Augen von Italiens Staatspräsidenten Sergio Mattarella zur Goldmedaille – ihre erste nach 18 Jahren im Weltcup, den sie zweimal gewonnen hat. „Das hätte ich nie gedacht. Vielleicht gelang es deshalb. Ich war Außenseiterin“, sagte sie nach dem Triumph.
Eine Rolle, die sie im Riesenslalom nicht mehr bekleidete. Die Frau mit dem Tiger auf dem Helm fuhr im ersten Lauf Bestzeit und brachte die Führung im zweiten Durchgang souverän ins Ziel. Sie siegte mit 0,62 Sekunden Vorsprung auf Stjernesund und Hector. Lena Dürr, die als Zweite in den zweiten Lauf gegangen war, leistete sich kurz vor dem Ziel einen Fahrfehler und landete auf dem neunten Platz.
„Unglaublich. Kurz vor dem Ziel habe ich richtig gemerkt, wie ich den Ski abgestochen habe. Da bin ich fast echt gestanden“, sagte Dürr über ihren verhängnisvollen Fehler im zweiten Lauf.
