Rubio fordert starkes Europa auf Münchner Sicherheitskonferenz


Als der amerikanische Außenminister seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstagmorgen beendet hat, stehen die Zuhörer auf, um ihm zu applaudieren. Lange. Eine große Erleichterung scheint durch den Saal im Bayerischen Hof zu gehen nach den Worten von Marco Rubio. So groß war schon der Unterschied im Ton zu der harschen Rede des Vizepräsidenten J.D. Vance im vergangenen Jahr. Dabei hat auch Rubio in vielen Passagen seiner Rede die Motive ausgeführt, die schon Vance im deutlich rabiater vorgetragen hatte. Nur freundlicher.

Die Gegensätze zu mehreren Punkten, die Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Rede am Tag zuvor gemacht hatte, sind offensichtlich. Und ein Thema, das die transatlantischen Beziehungen zumindest aus Sicht der Europäer zuletzt am heftigsten erschüttert hat, blieb ganz außen vor: die Grönland-Krise.

Mit Spannung war die Rede von Rubio erwartet worden, und in vielen Passagen spricht er so, wie viele in Europa sich das erhofft haben: Er greift immer wieder zurück auf die tiefe Verbindung zwischen Europa und Amerika, auf die lange Geschichte. „Unsere Wurzeln liegen hier“, sagt er. „Wir sind Teil einer Zivilisation, einer westlichen Zivilisation.“ Rubio spricht vom christlichen Glauben, der Kultur, Sprache und den Opfern, welche die Vorväter gemeinsam gebracht hätten, um diese Zivilisation zu schützen. Diesen Rückgriff nutzt Rubio aber vor allem, um immer wieder klarzumachen, dass Amerika so vorangehe, wie es das tut, um diese westliche Zivilisation zu schützen, zu stärken, die westliche Vorherrschaft zu sichern. Und unausgesprochen nahezulegen: die Europäer täten dafür nicht genug.

Europa liegt Rubio am Herzen

Rubio sagt an Europa gerichtet: „Deswegen scheinen wir Amerikaner vielleicht manchmal etwas direkt in unseren Ratschlägen“ und „Das tun wir, weil uns ihre und unsere Zukunft sehr am Herzen liegt.“ Er sagt auch: „Wir wissen, dass Europas Schicksal immer auch eine Auswirkung haben wird auf unser Schicksal.“ Das sind Sätze, die man in europäischen Hauptstädten in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder zitieren dürfte. Rubio sagt aber auch mit dem Blick auf Amerikas Weg in die Zukunft: „Wir sind bereit, wenn nötig, dies alleine zu tun.“ Auch wenn man den Weg lieber zusammen mit den Freunden in Europa beschreiten würde.

Gleich am Anfang seiner Rede hat Rubio aber schon Wegmarken aufgezählt, mit denen sich Europa schwertut. Wie Vance im vergangenen Jahr beschreibt auch Rubio die Migration als großes Problem, das „den Fortbestand unserer Kultur und die Zukunft unserer Völker in Gefahr gebracht hat“. Am Vortag hatte Merz gesagt, dass man am Klimaabkommen festhalte, „weil wir überzeugt sind: Globale Aufgaben werden wir nur gemeinsam lösen.“ Rubio spricht hingegen davon, dass man einem „Klimakult“ gehuldigt habe.

Merz hatte gesagt: „Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel“ – Rubio setzt dem entgegen, dass der Westen die „dogmatische Ideologie des freien und unregulierten Handels umarmt“ habe, was zum Abstieg beigetragen haben soll. Und Rubio macht deutlich, wie es aus der Sicht Washingtons um die internationale Ordnung bestellt ist: „Wir dürfen die globale Ordnung nicht länger über die nationalen Interessen unserer Länder stellen“, sagt er. Dann zählt Rubio die internationalen Krisen auf, bei denen die Vereinten Nationen „praktisch keine Rolle“ spielten. Nur die USA unter der Führung des Präsidenten hätten geliefert, von Venezuela über Gaza bis zur Ukraine, wo man zumindest an einem Tisch sitze und verhandele (auch wenn Rubio später eingesteht, dass man nicht wisse, ob die Russen es ernst meinten).

Doch Rubio verschont die Europäer mit der von Vance so heftig vorgetragenen Kritik an der angeblichen Einschränkung der Meinungsfreiheit – dagegen hatte sich auch Merz am Vortag verwahrt. Stattdessen kommt der Außenminister immer wieder auf die reiche Geschichte Europas zurück, aus der auch sein Land entsprungen war. Er spricht sogar von deutschen Bauern, die die Landwirtschaft in Amerika geprägt hätten. Und vom deutschen Bier. Viele Sätze der Verbundenheit. „Wir wollen das zusammen mit ihnen schaffen“, sagt Rubio und wünscht sich ein Europa, das stolz sei auf seine Geschichte, das in der Lage sei, sich selbst zu verteidigen, und „den Willen hat, selbst zu überleben“. Dann gibt es den stehenden Applaus.