Ukraine-Präsident in München: „Ich bin jünger als Putin“, sagt Selenskyj – der Kreml-Chef dagegen habe „nicht allzu viel Zeit“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz die US-Regierung eindringlich auf, mehr Druck auf Russland auszuüben, um den Krieg gegen die Ukraine zu beenden – und schlug vor, dass der Kongress möglicherweise Maßnahmen ergreifen müsse, um die Sicherheitsgarantien für die Nachkriegszeit zu stärken. Das sagte Selenskyj im Gespräch mit der WELT-Partnerpublikation „Politico“.

„Sicherheitsgarantien werden erst nach einer Abstimmung im Kongress funktionieren“, so Selenskyj demnach. Das bedeutet: Er fordert mehr Verbindlichkeit über reine etwaige Zusagen von US-Präsident Donald Trump hinaus.

Selenskyj kritisierte zudem die Trump-Regierung. „Meiner Meinung nach senden sie mehr Signale aus, dass die Ukraine Kompromisse eingehen muss und nicht Russland“, sagte er. „Das ist nicht die richtige Haltung.“ Selenskyj hat russischen Forderungen nach einer Preisgabe des Donbass in dem Gespräch erneut eine klare Absage erteilt. Er begründete dies mit den etwa 200.000 Ukrainern, die noch in den von Kiew kontrollierten Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk leben.

„Ich soll zu ihnen gehen, in jede Wohnung, klopfen und sagen: Schau mal, eine großartige Idee! Vergiss dein Haus, vergiss alles, deine Verwandten, verlass dein Haus, denn das ist die großartige Idee der großen Bosse“, so Selenskyj über die Idee, wesentliche Gebiete der Ukraine zugunsten eines Friedensschlusses an Russland abzutreten.

In dem Interview zeigte sich Selenskyj gleichzeitig angesichts fortgesetzter Angriffe Russlands auf die Ukraine und großflächige Infrastrukturausfälle weiterhin zuversichtlich, dass die Ukraine den Krieg des russischen Machthabers Wladimir Putin überdauern werde.

„Ich bin jünger als Putin – das ist wichtig“, sagte Selenskyj. „Er hat nicht allzu viel Zeit.“