„War beeindruckend“: Rebensburg mit Sonderlob für Olympia-Überfliegerin Aicher

AZ: Frau Rebensburg, der olympische Riesenslalom 2010 in Whistler war das erste Rennen auf Profi-Ebene, das Sie gewinnen konnten, noch vor dem ersten Weltcupsieg ein halbes Jahr später, dem noch 18 weitere folgen sollten. Wie oft spukt Ihnen dieser 24. Februar 2010 noch im Kopf herum?
VIKTORIA REBENSBURG: Nicht täglich, aber wenn es – wie jetzt – um Olympische Spiele geht, dann denkt man natürlich wieder daran. Es waren die schönsten Spiele, die ich erlebt habe. Wir haben zwar nicht im Olympischen Dorf gewohnt, sondern in Wohnungen nahe der Strecke und dadurch vielleicht nicht alles mitbekommen. Aber die Stimmung in Whistler war schon besonders: jeden Nachmittag Live-Musik, überall Skifahrer – der Sport hatte dort einen enormen Stellenwert.

Gold-Rennen musste wegen des Nebels auf zwei Tage verteilt werden

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Gold-Rennen?
Das Rennen musste ja wegen Nebels auf zwei Tage verteilt werden – so etwas habe ich in meiner Karriere nie wieder erlebt. Nach dem ersten Lauf lag ich auf Rang fünf oder sechs, mit 35 Hundertstel Rückstand auf Liz Görgl. Ich sage heute noch zu ihr: „Ich hätte mit dir nicht tauschen wollen!“
Weil der zweite Durchgang vorgezogen wurde, war der Start schon morgens um neun, gegen zehn oder elf war ich fertig, und dann saß ich da. Ich hatte zuvor noch nie ein Rennen gewonnen – und dann gleich bei Olympia. Ich bin anschließend in unsere Wohnung gegangen, habe mit der Mannschaft zu Mittag gegessen – es war alles völlig surreal. Von einem Moment auf den anderen stand ich plötzlich in der Öffentlichkeit und musste sehr schnell viel lernen.

Wie war der Empfang in der Heimat?
Mit Spielmannszug am Flughafen – gefühlt war das halbe Tegernseer Tal da. Es war wirklich wunderschön, und ich habe mich über jeden Einzelnen sehr gefreut. Aber als 20-Jährige muss man das alles erst einmal verarbeiten.

Weiß, wie man Medaillen bei den Olympischen Spielen abgreift: Viktoria Rebensburg.
Weiß, wie man Medaillen bei den Olympischen Spielen abgreift: Viktoria Rebensburg.
© IMAGO
Weiß, wie man Medaillen bei den Olympischen Spielen abgreift: Viktoria Rebensburg.

von IMAGO

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„Vor dem Start war mir dann richtig übel“

Mit Ihrem Triumph war ja auch nicht unbedingt zu rechnen…
Wobei ich beim letzten Rennen vor Olympia Zweite war, hier in Cortina, trotz eines großen Fehlers. Ich dachte zunächst, ich werde 20., war dann am Ende aber Zweite. Da wusste ich: Wenn alles passt, kann ich gewinnen. Vor dem Start war mir dann richtig übel, so dass ich mich fast übergeben musste. Doch drei Läuferinnen vor mir war die ganze Anspannung plötzlich weg, und ich war die Ruhe selbst. Das war schon verrückt. Ich glaube, da war auch ein bisschen mehr im Spiel – vielleicht habe ich gespürt, dass etwas großes passieren kann. Die besondere Geschichte war ja auch noch die mit meinen Eltern.

Erzählen Sie!
Meine Eltern waren vor Ort mit dabei. Dann wurde das Rennen verschoben, und sie hatten am nächsten Tag ihren Rückflug, den sie leider nicht mehr umbuchen konnten. Als sie im Flugzeug saßen, habe ich Gold gewonnen.

Danach ging es in Sachen Olympia eher Richtung Osten…
Sotschi 2014 war noch in Ordnung, aber Pyeongchang war für mich eine Katastrophe. Umso mehr freue ich mich jetzt für die Athletinnen und Athleten, dass die Spiele wieder in den Alpen stattfinden – dort, wo der Wintersport eine lange Historie hat. Marcel Hirscher hat in Pyeongchang seine erste Goldmedaille gewonnen – und vielleicht 50 Menschen haben zugeschaut. Dagegen sind Rennen in Kitzbühel oder Schladming natürlich kein Vergleich. Olympische Spiele haben eigentlich etwas Magisches, und das hat durch solche Erfahrungen gelitten. Ich habe damals ein Stück weit die Freude an Olympischen Spielen verloren. Umso mehr freue ich mich jetzt auf die Wettkämpfe in Cortina – und auf meine ersten Spiele als Eurosport-Kommentatorin.

Kira Weidle and Emma Aicher waren bisher erfolgreich bei den Olympischen Spielen.
Kira Weidle and Emma Aicher waren bisher erfolgreich bei den Olympischen Spielen.
© IMAGO
Kira Weidle and Emma Aicher waren bisher erfolgreich bei den Olympischen Spielen.

von IMAGO

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„Die Leistungen der beiden deutschen Athletinnen waren bislang wirklich stark“

Wie haben Sie die deutschen Athletinnen bislang erlebt?
Die Leistungen der beiden deutschen Athletinnen waren bislang wirklich stark – allen voran die von Emma Aicher die bereits zwei Silbermedaillen gewonnen hat. Was sie hier gezeigt hat, war beeindruckend: diese Unbekümmertheit, mit der sie auftritt, und die Ruhe, die sie trotz der großen Bühne mit den fünf Ringen bewahrt. Sie lässt sich davon überhaupt nicht aus dem Konzept bringen und bringt ihre Leistung genau dann, wenn es darauf ankommt. Das ist schon bemerkenswert. Auch Kira Weidle-Winkelmann hat eine gutes Abfahrtsrennen in der Team Kombi gezeigt und am Ende zusammen mit Emma absolut verdient die Silbermedaille gewonnen. 

Was ist Lena Dürr im Riesenslalom und Slalom zuzutrauen?
Ich hoffe, dass Lena Dürr die letzten Wochen genutzt hat, um wieder locker und frei im Kopf zu werden. In Cortina kann sie jetzt ohne großen Druck an den Start gehen und das ist eine super Ausgangslage für sie, nach den etwas schwierigen Wochen zuletzt im Weltcup. Ich traue ihr auf jeden Fall zu, hier zu überraschen und richtig schnelles Skifahren zu zeigen, sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom, wobei ihre Stärke klar im Slalom liegt.