Vatikan setzt Piusbrüder die Pistole auf die Brust


So schnell kann es dann plötzlich auch in vatikanischen Behörden laufen. Der Ankündigung seitens der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., kurz Piusbrüder genannt, am 1. Juli neue Bischöfe weihen zu wollen – kirchenrechtlich unerlaubt, sakramental gültig – führte in Windeseile zu einem Spitzengespräch zwischen dem Glaubenspräfekten Kardinal Víctor Manuel Fernández und dem Piusbrüder-Generaloberen Davide Pagliarani.

Was als Erpressungsversuch der Piusbrüder ausgelegt werden kann – Fakten schaffen, um mit neuen Bischöfen den Fortbestand der Traditionalisten auch ohne kanonischen Status zu sichern –, hat Fernández mit Billigung des Papstes ruckzuck umgedreht. In einer dem Spitzengespräch auf dem Fuß folgenden vatikanischen Erklärung heißt es für die Piusbrüder nun: take it or leave it, nehmt es oder lasst es! Nämlich das römische Angebot, mit der in den siebziger Jahren als Reaktion auf das Öffnungskonzil des Zweiten Vatikanums von Marcel Lefebvre gegründeten Bruderschaft nun noch einmal in einen differenzierten theologischen Dialog zu treten, dies mit der Zielsetzung, „die notwendigen Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche“ zu bestimmen.

Nicht unbedingt verbohrt und ultrarechts

Voraussetzung dafür: das Abblasen der angekündigten Bischofsweihen. Man habe Zeit, sich die Sache zu überlegen, so Fernández in seiner Erklärung, darin auch die Instrumente zeigend: ins Haus stünden anderenfalls, also bei sturer Durchführung von päpstlich nicht beauftragten Bischofsweihen, „eine entscheidende Zerrüttung der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schweren Folgen für die Gemeinschaft der Bruderschaft insgesamt“. Tatsächlich spricht hier mehr als vatikanische Drohrhetorik.

Den Piusbrüdern kann es nicht egal sein, auch unter ihren Anhängern mit Abwanderungen rechnen zu müssen, sobald durch illegal vollzogene Bischofsweihen das schwebende Schisma einen definitiven Charakter annimmt. Die weltweit agierende Gemeinschaft würde damit ihren gehörigen Zulauf auch in der Laienschaft aufs Spiel setzen, darunter junge Gläubige, die nicht unbedingt verbohrt und ultrarechts sind, sondern den Sound von theologischem Schrot und Korn zu schätzen wissen statt in Teilen des kirchlichen Mainstreams vergeblich nach substanziellen Lehrgehalten suchen zu müssen.

Dass zu solchem Schrot und Korn etwa die Auferstehung von den Toten gehört, nicht aber das Infragestellen von Religionsfreiheit, Demokratie oder vom Erwählungsgedanken des jüdischen Volkes, haben gerade eben erst wieder renommierte Theologen wie Georg Essen oder Jan-Heiner Tück in Interviews zur Causa Piusbrüder angemahnt. Spannend wird sein, ob man sich, wie von Kardinal Fernández angepeilt, zu den „Verbindlichkeitsgraden“ der Texte des Zweiten Vatikanums wird einigen können. Oder ob nun wieder Jahre folgen, in denen Piusbrüder und Vatikan ihr ewiges Hin und Her zelebrieren.