
Die US-Regierung hat mit Taiwan ein Handelsabkommen geschlossen. Die Inselrepublik habe sich bereit erklärt, 99 Prozent ihrer Zollschranken abzuschaffen oder zu senken, teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer mit. Der Großteil taiwanischer Exporte in die USA soll mit einem Zollsatz von 15 Prozent belegt werden. Dies entspricht dem Zoll, der auch für andere Handelspartner der USA im asiatisch-pazifischen Raum gilt, etwa Japan und Südkorea.
Das am Donnerstag vom Büro des US-Handelsbeauftragten veröffentlichte Dokument verpflichtet Taiwan außerdem, von 2025 bis 2029 den Kauf von US-Waren deutlich zu steigern, darunter 44 Milliarden US-Dollar für Flüssigerdgas und Rohöl, rund 15 Milliarden US-Dollar für zivile Flugzeuge und Triebwerke, sowie 25 Milliarden US-Dollar für Ausrüstungen oder Anlagen für Stromnetze und zur Schiff- und Stahlherstellung sowie für Generatoren, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Greer und US-Handelsminister Howard Lutnick wohnten der Unterzeichnung des Abkommens bei, die unter der Schirmherrschaft des Amerikanischen Instituts in Taiwan und des Taipeh Wirtschafts- und Kulturbüros in den USA erfolgte. Für Taiwan nahmen Vizeregierungschefin Cheng Li-chiun und die Ministerin Yang Jen-ni teil.
Taiwans Regierung teilte mit, der im Abkommen festgelegte Zollsatz ermögliche es ihren Unternehmen, mit Japan, Südkorea und der EU unter gleichen Wettbewerbsbedingungen zu konkurrieren. Zudem werde dadurch der Nachteil beseitigt, der bisher aus dem Fehlen eines Freihandelsabkommens zwischen Taiwan und den USA resultiert habe. Taiwan werden laut Reuters zudem Ausnahmen gewährt für mehr als 2.000 in die USA exportierte Produkte. Das Abkommen muss noch vom taiwanesischen Parlament genehmigt werden, in dem die Opposition die Mehrheit hat.
USA auf Computerchips aus Taiwan angewiesen
Den Handelsdeal deuteten Beobachter als Anzeichen für eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Taiwan. Die Vereinigten Staaten sind etwa bei der Produktion von Computerchips weiterhin stark auf Taiwan angewiesen. Der boomende Halbleiterexport trug in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres zu einem US-Handelsdefizit mit der Insel von fast 127 Milliarden Dollar (rund 107 Milliarden Euro) bei.
Taiwans Außenhandelsüberschuss mit den USA war im Jahr 2024 mit knapp 74 Milliarden Dollar (aktuell rund 65,1 Milliarden Euro) der siebthöchste der Welt. Die Insel exportiert vor allem Informations- und Technologieprodukte in die USA. Die USA sind der wichtigste internationale Unterstützer und Waffenlieferant Taiwans, das sich von der Volksrepublik China bedroht sieht. Das Abkommen jetzt kommt wenige Monate vor dem für April geplanten China-Besuch von US-Präsident Donald Trump. China sieht den Inselstaat als abtrünnige Provinz an und strebt eine Wiedereingliederung an, notfalls mit Militärgewalt.
Taiwan und die USA hatten die Einigung auf ein Handelsabkommen bereits Mitte Januar verkündet. Taiwan hatte nach Angaben des US-Handelsministeriums im Gegenzug zu Zollsenkungen zudem „neue Direktinvestitionen von insgesamt mindestens 250 Milliarden Dollar“ in den USA zugesagt. Die beiden Länder hatten im April 2025 mit Verhandlungen über ein Handelsabkommen begonnen, nachdem US-Präsident Donald Trump zum sogenannten „Liberation Day“ Zölle in Höhe von 32 Prozent auf taiwanische Importe verhängt hatte, die später auf 20 Prozent reduziert wurden.
