
Sieht so die Zukunft der europäischen Rüstungskooperation aus? Das dürfte sich vor sechs Jahren so mancher Besucher der Paris Air Show gefragt haben. Dort konnte erstmals ein maßstabgetreues Modell eines neuen, spektakulären Kampfflugzeuges bestaunt werden. Vor den Hallen stand das grau lackierte, spitz zulaufende Mock-up des Future Combat Air System, kurz FCAS. Frankreich und Deutschland wollten das System gemeinsam entwickeln, finanzieren und produzieren. Spanien schloss sich 2023 dem Projekt an. Zunächst bis 2027, dann bis 2028, sollte ein sogenannter Demonstrator bereitstehen – und zwölf Jahre
später die Auslieferung an die beteiligten Luftwaffen beginnen. Doch auch dieser Termin wurde schließlich verschoben, nun auf ab 2045. Richtig Schub bekam das Projekt FCAS nie.
Denn: Nationale Egoismen und
wirtschaftliche Interessen der tragenden Konzerne bremsen das Future
Combat Air System aus. Bald ging es nicht mehr um die Zukunft des Flugzeugbaus, um die Geschlossenheit Europas, sondern um Aussprachen, Rettungsrunden, Wiederbelebungsversuche. Ende 2025 wollten die beteiligten Regierungen sich ehrlich machen und entscheiden, ob FCAS eine Zukunft hat. Doch auch diese Entscheidung wurde vertagt.
Nun ist das wichtigste europäische Rüstungsprojekt ausschließlich Chefsache. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versuchen, zumindest einen Teil davon zu retten. Sie sprechen am Donnerstag bei einem informellen
EU-Gipfel zu Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit. Am Tag zuvor hatten sie sich bereits auf einem Industriegipfel im belgischen Antwerpen gesehen. Deutschland befinde sich „derzeit in einem intensiven Dialog mit Frankreich“, sagte der
stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer am Mittwoch in Berlin.
„Und ich gehe davon aus, dass wir hier innerhalb der nächsten Wochen
auch zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen werden.“
Airbus und Dassault gelten als zerstritten
Die Bundesregierung will also endlich Klarheit bei dem Projekt schaffen. Dabei geht es nicht nur um einen Jet der nächsten Generation, sondern
um einen Verbund aus bemanntem Flugzeug und Drohnen, die aus dem
Cockpit gesteuert werden sollen. Dazu sollte ein cloudbasiertes, sicheres
Kommunikationsnetz entstehen. Als das Programm 2017 auf den Weg gebracht wurde,
bemühten beide Länder viele Superlative. Von der „Speerspitze der
europäischen Verteidigungsbereitschaft“ und von einem „Beweis der
erfolgreichen Rüstungskooperation der Europäer“ war die Rede.
Von Anfang an galt das Projekt als technisch ambitioniert, denn die beteiligten Konzerne Airbus und Dassault Aviation überspringen eine Evolutionsstufe. Vom Eurofighter (Airbus und Partner) und der Rafale (Dassault), die als Jets der vierten Generation gelten, ist es ein großer Schritt zu FCAS, dessen Maschine zur 6. Generation gehören soll. In den USA gibt es zwei Modelle der fünften Generation (F-35 und F-22), und auch China und Russland haben solche modernen Kampfflugzeugtypen entwickelt. Europa wollte nicht nur gleichziehen, sondern überholen.
Doch nicht die herausfordernde Technologie ist das Problem von FCAS. Vielmehr gelten Airbus und Dassault als so zerstritten, dass eine Kooperation kaum noch als möglich gilt. Die Konzerne ringen um Patentfragen und Zuständigkeiten. Vieles spricht dafür, dass der gemeinsame Bau des Kampfjets nicht mehr
umgesetzt wird und lediglich Drohnen, Triebwerke oder
Kommunikationssoftware gemeinsam entwickelt werden.
Frankreich etwa will einen Technologietransfer nach Deutschland verhindern und die Federführung über das Projekt behalten. Das Projekt brauche eine klarere Führungsrolle und bessere
Organisation, sagte Dassault-Chef Éric Trappier im Sommer 2025. Entscheidungen über wichtige Teile der aktuellen
Entwurfsphase müssten mit Airbus abgestimmt werden, was die Arbeiten komplizierter
mache und zu Verzögerungen führe.
Die Replik von Airbus war sehr deutlich. Der Chef des Flugzeugbauers, Guillaume Faury, erklärte im Oktober
2025, Dassault könne „das Programm verlassen, wenn es nicht zufrieden
ist“. In Deutschland wurde immer offener darüber diskutiert, ob man Frankreich überhaupt für das Projekt brauche oder ob es andere Kooperationsmöglichkeiten gebe. Der schwedische Konzern Saab etwa, der mit dem Gripen ebenfalls einen Kampfjet der 4. Generation baut, stünde wohl als Partner bereit. Auch ein Einstieg in das konkurrierende europäische Kampfflugzeugprogramm, das Großbritannien, Italien und Japan gemeinsam betreiben, wäre eine Option.
