Die ganz große Show können sie immer noch bei Mercedes. Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass der Autohersteller im Mercedes-Benz-Museum die Vorstellung der neuen S-Klasse gefeiert hat. Popstar Sam Smith sang, Tennislegende Roger Federer schaute vorbei und Nvidia-Chef Jensen Huang meldet sich per Videobotschaft. In den Getränken schwammen Eiswürfel mit dem Stern-Logo und die Stimmung war prächtig. Doch schaut man auf die Zahlen, die der Autohersteller am Donnerstag vorlegte, dürfte wohl eher von anhaltender Katerstimmung die Rede sein.
Im Vergleich zum Vorjahr ist das Konzernergebnis 2025 um rund 49 Prozent von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro gesunken, teilte der Stuttgarter Autohersteller mit. Im Pkw-Geschäft schaffte Mercedes eine Umsatzrendite von nur noch fünf Prozent. Noch vor drei Jahren hatte der Hersteller noch zweistellige Gewinnmargen erzielt. Der Umsatz ging 2025 um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um 57 Prozent auf 5,82 Milliarden Euro. Die finanziellen Ergebnisse seien im Rahmen der Prognosen ausgefallen und getragen „von einem klaren Fokus auf Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius laut Mitteilung.
Mercedes ist nicht der einzige deutsche Autokonzern, der von Rekordgewinnen aktuell weit entfernt ist. Auch in Wolfsburg, Ingolstadt, Zuffenhausen und München waren die Zeiten schonmal deutlich besser. Ein Großteil der Probleme bei Mercedes sind dem zollwütigen US-Präsidenten und den subventionsfreudigen Chinesen zuzuschreiben. Doch es gibt auch Themen, bei denen sich der Hersteller verkalkuliert hat. Etwa bei der Elektrostrategie, bei der sich die Schwaben zu früh auf die falschen Modelle festgelegt hatten.
Mercedes-Chef Ola Källenius wollte erst „electric first“, dann gar „electric only“, womit die Autos bis zum Ende dieses Jahrzehnts vollelektrisch sein sollten – wo es die Marktbedingungen zulassen. Im Februar 2024 kassierte Källenius die Strategie und hob die „strategische Flexibilität“ beim Verbrenner hervor. Für manche Modelle, wie die nächste Generation der S-Klasse, wird nun anders als geplant doch wieder eine Verbrennerversion entwickelt. Das alles kostet zusätzliches Geld. Gleichzeitig kamen die ersten Elektromodelle, die Mercedes seinen Kunden angeboten hatte, nicht so gut an wie erhofft. Der E-Auto-Absatz bei den Schwaben liegt deutlich unter dem des Rivalen BMW. 2025 verkaufte Mercedes sogar weniger E-Autos als im Jahr zuvor.
Mit neuen Modellen will Mercedes aufholen, den Anfang machte der neue CLA im Einstiegssegment, der als erstes Fahrzeug mit dem unternehmensintern entwickelten Betriebssystem ausgestattet ist. Mit der Vorstellung des neuen GLC, ein SUV aus dem mittleren Segment, folgte vergangenen Herbst das laut Källenius meistverkaufte Modell bei Mercedes-Benz. Allein bis Mai dieses Jahres kündigt der Autohersteller sieben Weltpremieren an, darunter die elektrische C-Klasse.
Doch auch die Konkurrenz stellt gerade ein neues Elektroauto nach dem anderen vor, zudem drängen immer mehr Wettbewerber aus China nach Europa. In diesem Jahr wird sich zeigen, ob die Elektro-Offensive bei Mercedes funktioniert. Die ersten Anzeichen sind beim CLA offenbar positiv: „Die Auftragsbücher reichen bis weit in die zweite Jahreshälfte 2026 und die Produktion läuft im Dreischichtbetrieb, um die hohe Nachfrage zu bedienen“, meldet der Hersteller.
Mercedes habe in der Vergangenheit einen technologischen Vorsprung gehabt und habe deshalb seine Fahrzeuge teurer verkaufen können, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „Aber die anderen haben aufgeholt und sind auch so gut, aber günstiger. Wenn man dann nicht deutlich besser ist, kann man auch nicht deutlich mehr verlangen, und das trifft Mercedes momentan extrem“, sagt er.

:„Angst und Einschüchterung“: US-Autogewerkschaft erhebt Vorwürfe gegen Mercedes
Wer sich bei Mercedes für die Gewerkschaft engagiert, sei eingeschüchtert und teils sogar grundlos gefeuert worden, schildern Arbeitnehmervertreter in den USA. Der Konzern sieht das ganz anders.
Nach wie vor ist China das wichtigste Land für Mercedes. Fast ein Drittel aller Autos setzten die Schwaben 2025 dort ab. Insgesamt verkaufte Mercedes im vergangenen Jahr etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von neun Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. In China ging es um 19 Prozent nach unten. Ob dort zumindest eine kleine Trendwende gelingt, dürfte stark von der neuen S-Klasse abhängen. Die gibt es allerdings nur als Verbrenner oder Hybrid. Mercedes setzt darauf, dass die zahlungskräftigen Kunden weiterhin lieber Verbrenner fahren wollen – wobei es bereits die ersten vollelektrischen chinesischen Luxuslimousinen gibt, etwa den Maextro S800, der in China zuletzt mehr Kunden fand als die S-Klasse.
Überhaupt ist das mit dem Luxus so ein Thema, über das sie bei Mercedes nicht mehr so gerne sprechen. Zumindest nicht über die „Luxusstrategie“, die das Unternehmen noch vor wenigen Jahren als neue Maßgabe verfolgen wollte. Der Gewinn sollte vorwiegend von den besonders teuren Modellen kommen, am unteren Ende der Modellpalette sollte dagegen ausgedünnt werden. Doch der Plan geriet immer mehr ins Wanken, vor allem, weil der chinesische Luxusmarkt immer stärker wegbrach. Außerdem wurden selbst Einstiegsmodelle bei Mercedes für immer mehr Kunden praktisch unerschwinglich. Auch darauf reagierte der Autohersteller, es soll nun doch wieder eine neue A-Klasse geben.
Auch die Zollpolitik der USA unter Präsident Donald Trump treffe Mercedes extrem, sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Die Zölle drücken auf den Gewinn. Auch die Kosten, die etwa in der Produktion oder in der Verwaltung anfallen, belasten das Ergebnis. Mercedes habe in Deutschland ein Kostenproblem, weil hier die Personalkosten vergleichsweise hoch seien, sagt Bratzel.
Das Unternehmen hat reagiert. Ein vor einem Jahr ausgerufenes Sparprogramm soll helfen, wieder profitabler zu werden. Demnach sollen bis 2027 die Produktionskosten um zehn Prozent im Vergleich zu damals sinken. Zudem würden die Materialkosten optimiert. Auch die Fixkosten sollen bis 2027 um weitere zehn Prozent sinken. Helfen soll auch ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen, also nicht in der Produktion, das noch bis Ende März läuft. All die Sparanstrengungen haben laut Mercedes im vergangenen Jahr bereits 3,5 Milliarden Euro zum Konzernergebnis beigetragen.
Außerdem strebt der Autohersteller wieder neues Wachstum an. Mittelfristig will Mercedes wieder zwei Millionen Autos verkaufen, das wären rund 200 000 mehr als im vergangenen Jahr.
