

Noch vor wenigen Wochen schien sich Kamtschybek Taschijew seiner Freundschaft zu Kirgistans Präsident sicher zu sein. „Nur der Tod kann unsere Freundschaft beenden“, sagte der mächtige Geheimdienstchef in einer Anfang Januar veröffentlichten Dokumentation. Einen Monat später steht er an der Seitenlinie.
Am Dienstag entließ Sadyr Dschaparow seinen angeblich besten Freund als Vorsitzenden des Komitees für Staatssicherheit (GKNB) – während dieser für eine medizinische Untersuchung in Deutschland war.
Taschijew reagierte überrascht. Der Präsident habe ihm die Reise genehmigt, schrieb Taschijew auf Facebook. Seine Entlassung sei für ihn „vollkommen unerwartet“ gekommen. Er werde Dschaparows Entscheidung respektieren. Jedoch klang das Ende seines Posts fast schon wie eine Drohung an den Präsidenten: „Damit in unserem Land Frieden und Stabilität erhalten bleiben, … müssen alle unsere Handlungen im Rahmen des Gesetzes erfolgen.“
Ein Geheimdienstchef, der die Öffentlichkeit suchte
Dschaparow und Taschijew waren als Tandem bekannt geworden. Sie setzten sich einst gemeinsam für die Verstaatlichung der größten Goldmine des Landes ein. Als der Streit um die Mine 2013 eskalierte, nahmen Anhänger Dschaparows einen Gebietsgouverneur als Geisel. Dafür wurde Dschaparow zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.
Als im Herbst 2020 Unruhen in Kirgistan ausbrachen, nutzten Taschijew und einige Unterstützer die Gelegenheit und befreiten Dschaparow aus dem Gefängnis.
Der kam kurz darauf an die Spitze des Staats und ernannte Taschijew zum Vorsitzenden des Geheimdienstes. Seitdem drängten der GKNB und sein Chef immer stärker in die Öffentlichkeit. Er baute den Geheimdienst aus, der in den vergangenen Jahren alle möglichen Aufgaben übernahm, zum Beispiel den Grenzschutz. Milliarden wurden für neue GKNB-Gebäude ausgegeben.
Taschijew trat oft – und gern – öffentlich auf, auch bei Projekten, die auf den ersten Blick wenig mit einem Geheimdienst zu tun haben. Zuletzt erregte er im September Aufmerksamkeit, als er beim Besuch eines Krankenhauses bemerkte, dass ein lokaler GKNB-Beamter auf sein Handy schaute. Taschijew ließ sich das Telefon geben und warf es weg. Zugleich gerierte er sich als oberster Korruptionsbekämpfer, obwohl Journalisten schon vor Jahren illegale Geschäfte seiner Familie mit staatlichen Konzernen aufdeckten.
Immer mehr Journalisten in Haft
Mit Hilfe des Geheimdienstes gingen Dschaparow und Taschijew gegen politische Gegner und kritische Journalisten vor. Das einst freieste Land in Zentralasien hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter seinen autoritär regierten Nachbarn angenähert.
Allerdings gab es schon länger Gerüchte, dass es zwischen dem Duo Unstimmigkeiten geben soll. Taschijew hat seit Langem Ambitionen auf das Präsidentenamt, für das er schon 2011 kandidierte. Sah ihn Dschaparow also zunehmend als Konkurrenten denn als Partner?
Man habe eine Spaltung des Landes verhindern wollen, hieß es zur Begründung. „Ich habe diese Entscheidung in erster Linie im Interesse unseres Staates getroffen, um eine Spaltung der Gesellschaft, einschließlich zwischen den staatlichen Strukturen, zu verhindern und im Gegenteil die Einheit zu stärken“, zitierte Dschaprows Sprecher den Präsidenten. Später präzisierte er, dass verschiedene Personen hinter den Kulissen Unterschriften für Taschijew gesammelt hätten.
Neben Taschijew entließ Dschaparow auch einige seiner Stellvertreter und ernannte einen neuen Leiter. Gleichzeitig strukturierte der Präsident die Behörde um: Die Grenztruppen und die Einheit zum Schutz des Präsidenten wurden ausgegliedert. Letztere untersteht nun Dschaparow.
