Heilfasten nach Buchinger: Wirkung und Anleitung

Stand: 10.02.2026 22:08 Uhr
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Frühjahrsputz für Körper, Geist und Seele: Immer mehr Menschen fasten. Eine der bekanntesten Methoden ist das Heilfasten nach Buchinger. Wie läuft es ab? Wie wirkt es? Kann man allein zu Hause fasten?

Fasten soll der körperlichen und seelischen Reinigung dienen. Eine der bekanntesten Methoden ist das klassische Heilfasten nach der Buchinger-Methode, die auf den deutschen Arzt und Naturheilkundler Otto Buchinger (1878-1966) zurückgeht. Erlaubt ist dabei für fünf Tage oder länger nur der Verzehr von Gemüsebrühe und verdünnten Säften, in geringem Umfang auch Milchprodukte. So erhält der Körper eine minimale Menge an Kalorien, Vitaminen und Mineralien. Dem Heilfasten werden vielfältige positive Wirkungen zugeschrieben.

Fasten bewirkt heilsame biochemische Veränderungen

Schon seit Urzeiten ist der menschliche Stoffwechsel auf Fastenzeiten eingestellt: In Phasen des Überflusses schlemmten unsere Vorfahren, in Mangelphasen blieb der Magen dafür einige Stunden oder Tage leer. Unser Körper übersteht längere Hungerperioden, indem er in verschiedenen Organen und Geweben Energiereserven speichert (unter anderem als Fettpolster) und bei Bedarf wieder mobilisiert. Nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme beginnt er Stoffe auszuschütten, die den Fettabbau aktivieren. Es kommt zu heilsamen biochemischen Veränderungen im Körper, etwa zu einem verbesserten Zucker- und Fettstoffwechsel.

Kann man mit Fasten „entschlacken“?

Die von Buchinger beschriebene „Entschlackung“ ist zwar wissenschaftlich zweifelhaft: Schlacken sind angeblich Abfallprodukte des Stoffwechsels, die sich im Körper ablagern und Krankheiten verursachen können. Experten verweisen darauf, dass Endprodukte des Stoffwechsels fortwährend über die Nieren, Darm, Lunge und die Haut ausgeschieden werden. Allerdings kommen bei längerem Nahrungsverzicht die unterschwellig laufenden Zellreinigungsprozesse (Autophagie) in Schwung: Fasten aktiviert sozusagen die „körpereigene Müllabfuhr“.

Fastenarzt Buchinger erfuhr am eigenen Leib, dass ein Verzicht auf Nahrung die Selbstheilungskräfte des Körpers mobilisiert – er nutzte es, um sein Rheuma zu lindern. Verschiedene Studien haben seither gesundheitsförderliche Wirkungen im Körper belegt.

Heilfasten führt nicht zu dauerhaftem Gewichtsverlust

Tees, Wasser, Brühe, ein Foto Otto Buchingers und dessen Buch über das Heilfasten.

Otto Buchinger versuchte mit dem Fasten sein Rheuma zu bessern.

Der totale Verzicht auf Nahrung löst allerdings auch Stress aus: Da der Körper keine Energiezufuhr aus der Nahrung bekommt, reduziert er seinen Energieverbrauch (Grundumsatz) und baut zur Energiegewinnung Eiweiß in den Muskeln ab. Längeres Fasten kann somit unerwünschte Nebenwirkungen wie Muskelschwund haben, vor allem wenn man nicht durch körperliche Betätigung gegensteuert.

Während des Fastens purzeln die Pfunde zwar rasant, jedoch sind die Polster nach dem Fastenbrechen umso schneller wieder auf den Hüften, wenn sich keine grundlegende Ernährungsumstellung anschließt: Der auch von Diäten bekannte und gefürchtete Jo-Jo-Effekt tritt ein.

Fasten bei Vorerkrankungen nur unter ärztlicher Aufsicht

Auch wenn Heilfasten die Gesundheit fördern kann, sollten Menschen mit schweren Herz- und Nierenerkrankungen, Krebserkrankungen, Gicht oder Gallenproblemen auf keinen Fall in Eigenregie fasten. Es besteht die Möglichkeit, in speziellen Fastenkliniken unter ärztlicher Aufsicht zu kuren. Im Rahmen einer Reha-Maßnahme übernehmen dann bei bestimmten Krankheitsbildern die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Heilfasten kann Auslöser für positive Veränderungen sein

Viele Fastende berichten, dass der bewusste mehrtägige Verzicht dem Körper guttut. Sie finden wieder innere Ruhe und erleben ein verbessertes Körpergefühl. Verstärkt wird dieser Effekt durch den Einbau täglicher Ruhephasen. Eine veränderte Einstellung zu Essen und Ernährung kann auch über die Fastenzeit hinaus wirken und zu einer Änderung des Lebensstils führen – etwa zu einer Ernährungsumstellung, dem Aufgeben des Rauchens und mehr Bewegung.

Anleitung: So funktioniert Heilfasten nach Buchinger

Gemüse, Haferflocken und Glaubersalz auf einer Platte.

Am Entlastungstag steht leichte Kost wie Gemüse und Haferflocken auf dem Plan. Der erste Fastentag beginnt mit einem Glaubersalz-Trunk.

Die Fastenkur beginnt mit einer ein- bis zweitägigen Vorbereitungsphase, den sogenannten Entlastungstagen. Leichte Kost wie gedünstetes Gemüse, Gemüsesuppe oder Porridge entlasten den Darm.

Der eigentliche erste Fastentag startet dann mit einer gründlichen Darmentleerung, damit während des Fastens kein Hungergefühl auftritt. Ein lange Zeit übliches Mittel dafür ist ein abführendes Getränk mit Glaubersalz oder Bittersalz (aus der Apotheke). Neuerdings wird diskutiert, ob das Abführen mittels Salzlösung auch unterbleiben kann, weil offenbar das Glaubersalz schädlich auf die Darmflora wirkt. Eine mildere Alternative wäre ein Einlauf, aber auch diese Methode lässt die Darmflora nicht unberührt. Wer sorgfältig mit gemüsereichen Entlastungstagen beginnt, kann auch zum Fastenstart auf eine Darmentleerung verzichten.

Getränke und Nahrungsaufnahme beim Heilfasten nach Buchinger

Beim Fasten ist auf eine tägliche Flüssigkeitsaufnahme von mindestens 2 bis 3 Litern zu achten – bei sportlicher Betätigung entsprechend mehr. Ausreichendes Trinken ist wichtig, um Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen oder Blähungen zu verhindern: Gemüsebrühe mit Kräutern, Tees (morgens mit ein wenig Honig), Gemüse- und Obstsäfte – am besten frisch zubereitet.

Zum Muskelerhalt ist es auch erlaubt, den Ernährungsplan um Eiweiß zu erweitern: 200 Gramm Quark, Joghurt oder Buttermilch pro Tag.

Darmpflege und Bewegung

Regelmäßiges Trinken von Sauerkrautsaft reguliert die Darmtätigkeit.

Ausscheidungen fördern: Mindestens alle zwei Tage sollte auch während des Fastens eine Entleerung stattfinden, um die Stoffwechsel-Abfallprodukte auszuleiten. Regelmäßige Bewegung regt die Darmtätigkeit an. Leicht abführend wirken verdünnter Pflaumen- oder Sauerkrautsaft, Buttermilch oder Brottrunk. Funktioniert es nicht von allein und treten Beschwerden auf, kann ein Einlauf versucht werden. Dazu benötigt man ein Klistier oder einen Irrigator mit warmem Wasser – und etwas Zeit, um ungestört zu sein.

Wichtig ist es, Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung zu bringen, zum Beispiel mit Kneipp’schen Güssen und Sport. Regelmäßige körperliche Bewegung bei einer mittleren Belastung wirkt dem Abbau von Eiweiß aus der Muskulatur entgegen.

Eine Fastenkrise ist normal

Dennoch kann eine sogenannte Fastenkrise auftreten. Meist nach dem dritten oder vierten Tag kommt es dabei typischerweise zu Kopfschmerzen und einem allgemeinen Unwohlsein. Auch Kreislaufstörungen, Schwindel, Blähungen, Mundgeruch, Depressionen, Seh- oder Schlafstörungen können auftreten. Manche Fastende benötigen weniger Schlaf als sonst, andere fühlen sich nur noch müde. In jedem Fall gilt es, auf den Körper zu hören, sich moderat zu bewegen und Ruhepausen einzulegen.

Leberwickel erhöht Stoffwechseltätigkeit

Feuchtwarme Leberwickel helfen bei der Entspannung und fördern die Regeneration. Sie sollen sich nicht nur gut anfühlen, sondern insbesondere die Durchblutung von Leber und Galle steigern und damit dem Entgiftungsorgan die Arbeit erleichtern. Wickel sind einfach zu machen, man braucht:

  • eine Wärmflasche
  • einen Waschlappen oder ein Gästehandtuch
  • ein großes Handtuch

Die Wärmflasche mit heißem (nicht kochendem!) Wasser halbvoll befüllen und den Lappen oder das kleine Handtuch mit angenehm warmem Wasser befeuchten. Bequem auf dem Rücken liegend nun zuerst den ausgewrungenen Lappen auf dem rechten Oberbauch platzieren, die Wärmflasche darauf legen und den Oberkörper mit einem trockenen Handtuch umwickeln. Der Leberwickel sollte 20 bis 30 Minuten lang wirken, während man ruht, warm eingehüllt in einer kuschligen Decke.

Fastenbrechen: Geduld beim Kostaufbau

Damit das gewonnene gute Körpergefühl möglichst lange erhalten bleibt, ist die Nachfastenphase entscheidend. Nach dem sogenannten Fastenbrechen – der ersten kleinen Mahlzeit, traditionell einem Apfel, der von vielen Fastenden als „kleine Geschmacksexplosion“ empfunden wird – muss der Kostaufbau ganz langsam erfolgen. Empfehlenswert sind anfangs leichte, zurückhaltend gewürzte Gemüsesuppen, um den Darm schonend wieder an seine Aufgaben zu gewöhnen. Für den Kostaufbau veranschlagt man üblicherweise die Hälfte der Zeit, die die Fastenkur gedauert hat.

Optimalerweise geht der Kostaufbau einher mit der Umstellung auf eine bewusste, gesundheitsfördernde Ernährungsweise: viel Gemüse, maßvoll Eiweiß – etwa aus Fisch, Pilzen oder Hülsenfrüchten -, ergänzt um hochwertige Öle wie Oliven- und Leinöl. Zahlreiche leckere Rezepte dafür finden sich bei den Ernährungs-Docs.

Expertinnen und Experte aus dem Beitrag

Eine Tasse mit Gemüsebrühe steht auf einem Tisch mit Gemüse.

Die würzige Brühe wird mit Pak Choi, Koriander und Ingwer zubereitet und eignet sich auch gut zum Fasten.

Quark mit Haferflocken und Beeren in einem Glas.

Mit diesem Quark gelingt ein leckerer und gesunder Start in den Tag. Getoppt wird das Ganze mit Cashewkernen.

Zucchininudeln mit Karotten und Ofentomaten angerichtet auf einem Teller.

Die Zucchini-Streifen werden in der Pfanne gegart, die Karotten mit Gewürzen in Gemüsebrühe.

Ofengemüse mit Vollkornreis und Hüttenkäse angerichtet auf einem Teller.

Ein schnelles Gericht, das problemlos gelingt. Das Gemüse wird mit Orangenabrieb, Kreuzkümmel und Thymian gewürzt.

Besteck neben einem leeren Teller.

Längere Nahrungskarenz hilft beim Abnehmen oder bei der Zellreinigung, kann aber auch unerwünschte Wirkungen haben.

Kräutertee in einer Glas-Teetasse.

Den Körper entgiften und zu innerem Gleichgewicht finden: Für viele ist die Fastenzeit ein Anlass zu bewusstem Verzicht.

Eine ältere Frau hat Schmerzen.

Die Symptome sind oft unspezifisch – chronische Muskelschmerzen, Erschöpfung und Darmprobleme. Besonders Frauen leiden unter FMS.