
Deutsche Unternehmen sind nur unzureichend auf mögliche hybride Angriffe vorbereitet. Das geht aus einer Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor. Demnach könnten Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb bei einem Internetausfall im Schnitt nur 20 Stunden aufrechterhalten. Mehr als ein Fünftel müsste die Arbeit sofort einstellen. Nur acht Prozent der Betriebe seien sich sicher, auch ohne Internet länger als 48 Stunden weiterarbeiten zu können.
Hintergrund der Befragung ist die Sorge vor sogenannten hybriden Angriffen – also einer Kombination aus digitalen und „klassischen“ Angriffen, die sich laut Bitkom „in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden abspielen“. Solche Angriffe können etwa Strom- und Datenleitungen treffen oder Fabriken über Schadsoftware lahmlegen. Laut Bitkom halten es 59 Prozent der befragten Betriebe für wahrscheinlich, selbst Ziel solcher hybriden Angriffe zu werden. Allerdings sieht sich kein Unternehmen sehr gut darauf vorbereitet und lediglich zwölf Prozent eher gut. 38 Prozent gaben an, eher schlecht vorbereitet zu sein, weitere 40 Prozent sind gar nicht vorbereitet.
Über eine Notstromversorgung verfügt ein Fünftel der Unternehmen, 30 Prozent planen, eine solche einzurichten. Nur ein Zehntel hält regelmäßige Krisenübungen ab.
Angriffe nicht „unnötig leicht“ machen
„Wir müssen die Lücke zwischen Gefahrenbewusstsein und Schutzniveau schnellstmöglich schließen“, sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Nötig seien etwa alternative Kommunikationsmittel und Lieferanten, Sicherungen von Daten, Ausweicharbeitsplätze sowie zusätzliche Lager.
Neben der Energieversorgung sind Wintergerst zufolge das Finanzwesen und die Kommunikation die „neuralgischen Punkte“ der deutschen Wirtschaft. Rund 90 Prozent der befragten Firmen halten diese Bereiche für besonders gefährdet. Auch die Wasser- und Lebensmittelversorgung sowie das Gesundheitswesen und Telekommunikationseinrichtungen seien mögliche Ziele von Angriffen. Potenziellen Angreifern dürfe es „nicht unnötig leicht“ gemacht werden, sagte Wintergerst. „Wir sollten darauf verzichten, Datenleitungen (…) öffentlich zugänglich zu verzeichnen, denn das bedeutet ein zusätzliches Risiko für Sabotageakte.“
Befragte Unternehmen fordern staatliche Maßnahmen
Hybride Angriffe seien bereits Realität, sagte Wintergerst. Er verwies auf den Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres. „Anfang Januar mussten nach einem Anschlag mehr als 100.000 Menschen in Berlin bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom auskommen.“ Davon seien auch mehr als 2.000 Unternehmen betroffen gewesen.
Angesichts der Sorge vor möglichen Angriffen appellieren viele der befragten Unternehmen auch an den Staat. Dieser solle für verlässliche Informationen sorgen, Sicherheitsmaßnahmen fördern, regelmäßige Übungen organisieren und die Befugnisse der Sicherheitsbehörden ausweiten. Nur 22 Prozent der Unternehmen fühlen sich bereits jetzt ausreichend durch Sicherheitsbehörden informiert; 71 Prozent wünschen sich eine staatliche Informationskampagne.
Für die Umfrage hatte Bitkom 604 Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern befragt.
