DFB-Pokal: Und schon wieder platzt Herthas Finaltraum im Olympiastadion – Sport

Vielleicht ist das Schönste am Berliner Pokaltraum, dass die Hertha ihn jedes Jahr wieder träumen darf. Anders als Europapokal-Teilnehmer, die, wenn überhaupt, nur alle paar Jahre mal die Möglichkeit haben, ein Finale im eigenen Stadion zu bestreiten, ist die Ausgangslage am Beginn jeder DFB-Pokal-Saison dieselbe: Fünf Spiele muss Hertha BSC gewinnen, dann stünden sie im Finale, das seit über 40 Jahren immer im Berliner Olympiastadion stattfindet.

Wie viel das diesem Verein und vor allem den Menschen, denen er am Herzen liegt, bedeuten würde, wurde am Dienstagabend einmal mehr auf beeindruckende Weise deutlich. Zum Viertelfinale gegen den SC Freiburg kamen 50 000 Berliner Fans (plus 5000 Freiburger Anhänger) ins Olympiastadion. Und das, obwohl es wohl nur wenige Orte gibt, an denen sich Temperaturen rund um den Gefrierpunkt so kalt anfühlen wie in dieser ungemütlichen, brutalen und viel zu großen Betonschüssel. Nur zum Vergleich: Beim Zweitligaheimspiel gegen Darmstadt 98 zehn Tage zuvor waren ungefähr 20 000 Menschen weniger da.

Es half alles nichts, um kurz nach halb zwölf sanken die Berliner Spieler auf den Boden, nachdem ausgerechnet Pascal Klemens, 20, in Berlin geboren, seit 2015 bei der Hertha, den entscheidenden Elfmeter verschossen hatte. So etwas gehöre „zum Erwachsenwerden“ dazu, sagte sein Trainer Stefan Leitl anschließend am Mikrofon des TV-Senders Sky. Zuvor hatten bereits Kapitän Fabian Reese und Abwehrchef Toni Leistner an Selbigem betont, wie „stolz“ sie auf das seien, was die Mannschaft an diesem Abend und überhaupt in dieser Pokalsaison geleistet habe. Dass die Hertha nicht zum ersten Mal seit 2016 wieder das Halbfinale erreichte, war außer mit dem Wörtchen Pech tatsächlich nur schwerlich zu erklären.

Gegen die Gäste aus Freiburg, den Pokalfinalisten von 2022, agierte Berlin durchgehend ebenbürtig. Wäre einem verborgen geblieben, dass die Mannschaft bis zum Sieg gegen Elversberg am vergangenen Wochenende zwei Monate lang sieglos geblieben war, hätte man an diesem Abend zu dem Schluss kommen können: So spielt ein Aufsteiger. Hertha kam hervorragend in die Partie und den Akteuren auf dem Rasen gelang es, die erwartungsfrohe Stimmung auf den Rängen alsbald in echte Euphorie umzuwandeln, nach gerade einmal sieben Spielminuten. Da nämlich traf Fabian Reese per Abstauber ins Freiburger Tor.

Es dauerte in der Folge knapp zwei Minuten, bis der Videoschiedsrichter Robert Schröder den Hauptschiedsrichter Patrick Ittrich auf dem Feld endlich mitteilen ließ, dass Reeses Teamkollege Julian Eitschberger bei der Entstehung des Treffers strafbar im Abseits gestanden hatte.

Dass anschließend bis zum Abpfiff der regulären Spielzeit kein einziges Tor fiel, lag an zwei exzellenten Torhütern: Tjark Ernst für Berlin und Florian Müller für Freiburg erwischten einen sehr guten Tag. Überwunden wurden sie beide trotzdem einmal, jeweils in der Verlängerung. Erst nutzte SC-Angreifer Yuito Suzuki einen Fehler der Berliner Verteidigung zum Führungstreffer (96.), dann glich Fabian Reese per sehenswertem Vollspannstoß aus 20 Metern aus (104.). Die „Hütte“ müsse „brennen“, hatte sich Hertha-Trainer Stefan Leitl vor dem Spiel gewünscht. Jetzt schrien sich die Fans im Olympiastadion zumindest die Kälte vom Leib.

Bloß, es reichte nicht. Pascal Klemens, der sechste Berliner Schütze, scheiterte an Florian Müller, über den der Freiburger Kapitän Christian Günter später sagte: „Er hat uns den Arsch gerettet.“ Immerhin, viele Tausend Berliner trotzten den Temperaturen nach Spielende noch ein paar Minuten länger. Sie verabschiedeten die Mannschaft mit Applaus.

Gegen Kaiserslautern, Dortmund und Freiburg: Immer wieder platzt der große Pokaltraum im Olympiastadion

Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 31. Januar 2024, ist Hertha BSC zuletzt im Viertelfinale des DFB-Pokals gescheitert, ebenfalls im Olympiastadion, gegen den 1. FC Kaiserslautern. Es waren ganz andere Voraussetzungen damals, Hertha-Präsident Kay Bernstein war zwei Wochen zuvor verstorben, das Spiel emotional völlig überfrachtet. Berlin verlor mit 1:3.

Im April 2016 stand der Klub sogar schon im Halbfinale, ein einziges Spiel von der Erfüllung des großen Traums entfernt, zu Hause gegen den BVB. Nach vier Auswärtssiegen in den ersten vier Runden hätte nun ein einziger Heimsieg für das Heimfinale gereicht. Doch auch in diesem Spiel war die Hertha letztlich chancenlos. Berlin verlor mit 0:3.

Und jetzt also eine knappe, eine dramatische Niederlage in einem Spiel, in dem man keineswegs chancenlos, sondern tendenziell sogar einen Tick besser agierte als der Gegner. Die Leistung war zweifelsohne gut genug, um ins Halbfinale einzuziehen. Aber wen interessiert schon die B-Note. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Der Berliner Pokaltraum zerplatzt jedes Jahr wieder.