Bioprodukte kommen oft aus dem Ausland

Biolebensmittel werden in Deutschland immer beliebter, doch gleichzeitig kommen die Produkte immer öfter aus dem Ausland statt von deutschen Feldern. Der Umsatz mit Biolebensmitteln stieg im Jahr 2025 auf 18,2 Milliarden Euro, ein Plus von 6,7 Prozent. Damit liegt der Umsatzanteil von Bio am gesamten Lebensmittelhandel bei 6,6 Prozent, wie die Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) am Dienstag zu Beginn der Messe Biofach in Nürnberg mitteilte. Das Wachstum war zuletzt vor allem getrieben durch höhere Verkaufsmengen in Drogerien und Supermärkten. Diese können mit ihren Handelsmarken vergleichsweise günstig Bioprodukte anbieten.

Doch ausgerechnet die heimische Biolandwirtschaft wächst dagegen seit Jahren nur noch im Schneckentempo. „Das ist äußerst bedauerlich“, sagte Tina An­dres, Vorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die Öko-Anbaufläche legte 2025 lediglich um 1,1 Prozent zu. Damit sind 11,7 Prozent der Agrarflächen Bioflächen. Vom politischen Ziel, bis 2030 auf 30 Prozent zu kommen, ist die Branche weit entfernt. Zwar wirtschaftet inzwischen jeder siebte Hof ökologisch, doch das Wachstum konzentriert sich. Die Zahl der Biobetriebe nimmt ab, bestehende Biohöfe werden tendenziell immer größer.

Knapp sieben Prozent mehr Biomilch verkauft

Besonders pikant ist die Lage hierzulande in der Milchwirtschaft. Obwohl Verbraucher im vergangenen Jahr 6,7 Prozent mehr Biomilch kauften, haben Betriebe zum Teil ihre Öko-Zertifizierung aufgegeben und sind zurück in den konventionellen Sektor gewechselt. Und das, obwohl der Biomilchpreis gerade in volatilen Zeiten als der stabilere gilt. Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Bauernverbands, warnte gar vor einer „schleichenden Strukturkrise“ im Ökolandbau. Die Folgen seien schon jetzt spürbar. „Fast zehn Prozent der deutschen Öko-Milchviehbetriebe mussten 2025 ihre Zertifizierung aufgeben“, sagte sie.

Sabet kritisierte „überzogene Auflagen“ in der Tierhaltung und meinte damit die Auflagen zur Weidepflicht. Hintergrund ist, dass vor allem im Süden viele Kuhbetriebe von Bio abgerückt sind, seit die EU die Weidepflicht nun strikt durchsetzt, dafür aber einigen Betrieben die Weideflächen direkt am Hof fehlen. Bisher wurde diese Pflicht in Deutschland großzügiger ausgelegt, und es gab Ausnahmen. EU-Agrarkommissar Chris­tophe Hansen verwies darauf, dass die Weidepflicht seit 1999 existiere, es aber trotzdem Betriebe gegeben habe, die damit noch immer nicht konform gewesen seien.

Während also die Nachfrage nach Bioprodukten auf der einen Seite anzieht, greift der Handel auf der anderen Seite immer häufiger auf Ware von außerhalb zurück. Die Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft betont, dass Bioprodukte zunehmend über günstige Handelsmarken angeboten werden, was die Produkte auch anonymisierter und für die Kunden in der Herkunft weniger nachvollziehbar mache. Dennoch spielten die Verbandslabel eine größere Rolle, zum Teil auch in Kombination mit der Handelsmarke.

40 Prozent der Biomöhren werden importiert

Besonders sichtbar ist der Importanteil bei Gemüse. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 lag der Anteil importierter Biomöhren bei 40 Prozent. Auch Biobutter stammte zu 38 Prozent aus dem Import, Bio-Schweinefleisch zu 34 Prozent. Als möglichen Grund dafür nennt der Bioverband BÖLW die Tatsache, dass Importware zum Teil günstiger ist als das deutsche Pendant. Die Bioproduktion gilt in Deutschland als vergleichsweise teuer, wozu Lohn-, Energie- und Betriebsmittelkosten und regulatorische Auflagen beitragen. Zugleich, so räumt der Verband ein, fehle es an Planungssicherheit für Biobetriebe.

Der Verband kritisiert, dass man Bioware importiert, die Landwirte durchaus hier produzieren könnten, etwa Getreide, Milch, Schweinefleisch, Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln. Das zeigen auch Importdaten der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft. Nach der großen Umstellungswelle der Bauern auf Bio zwischen 2017 und 2019 gingen die Importquoten laut Verband vielfach zwar zunächst zurück, steigen aber seit 2023 wieder deutlich.

Auf Nachfrageseite bleibt Bio letztendlich eine Preisfrage, was sich besonders beim Fleisch zeigt. 2025 kauften Verbraucher 7,4 Prozent weniger Bio-Rotfleisch (Rind und Schwein) ein. Das liegt nach Angaben von Diana Schaack von der Agrar­markt-Informations-Gesellschaft daran, dass vor allem Rindfleisch zuletzt knapp und damit sehr teuer war. Für Biofleisch gilt das insbesondere. Tina Andres vom Bioverband verwies darauf, dass bioaffine Kunden ernährungssensibler seien und ihren Fleischkonsum stärker als andere Gruppen reduzierten. Da schlagen sich solche Tendenzen auch nieder.

Die Bio-Erzeugerpreise für Landwirte haben sich zwar für die meisten tierischen Produkten erhöht, das fange aber die Mehrkosten für Stall(-um)bauten, Arbeitskraft oder Futter kaum auf, heißt es von den Agrarmarktfachleuten. „Es geht sehr, sehr langsam voran bei Bio im Tierbereich“, sagte Diana Schaack.

Doch nicht alle Segmente hängen durch. Vom Aufschwung profitierte zuletzt etwa Biogeflügel. Verbraucher kauften 15 Prozent mehr davon. Das reiht sich in den Trend zu mehr Geflügel insgesamt ein. Auch Landwirte haben ihre Kapazitäten für Biogeflügel ausgebaut.