Olympia 2026: Skispringer um Raimund verpassen Medaille

Es war dasselbe Stadion wie in der Nacht zuvor und dieselbe Schanze, auf der Philipp Raimund am Montagabend sein Meisterstück abgeliefert hatte. Doch einen Tag später lief es nicht mehr so gut für den Olympiasieger von der kleinen Anlage. Überhaupt hatte das deutsche Team im Mixed-Wettbewerb am Dienstag zu viele Fehler in seine Flüge eingebaut und letztlich zu wenig Weite zustande gebracht, um die erwartete und fest eingeplante Medaille zu gewinnen.

Am Ende wurde es Platz vier für die beiden Männer und Frauen des Deutschen Skiverbandes (DSV). Der Sieg ging an die Geschwister Nika und Domen Prevc sowie ihre slowenischen Teammitglieder Nika Vodan und Anze Lanisek. Silber ging an Norwegen, Bronze wiederum an Japan. Dem DSV-Quartett fehlten am Ende 1,2 Punkte zum dritten Platz – das entspricht nach acht Flügen einer Distanz von weniger als einem Meter.

Dabei schien die Ausgangsposition nach den Einzeln der Frauen und insbesondere der Männer mit Raimund, dem souveränen Sieger vom Montag, für die Deutschen zu sprechen. Doch Agnes Reisch, Felix Hoffmann, Selina Freitag und zuletzt Raimund verpassten das gesetzte Ziel vor allem deshalb, weil sie im ersten Durchgang nicht zu ihrer gewohnten Leistung fanden. Insbesondere Freitag enttäuschte bei ihrem ersten, viel zu kurzen Sprung, der bereits nach 91,5 Metern endete – auf einer Anlage, die durchaus auch bei nicht ganz so herausragenden Sprüngen um die 100 Meter ermöglicht. Damit gab sie Reisch und ihren männlichen Kollegen eine zu große Aufhol-Aufgabe mit auf die Schanze.

„Ich hätte im ersten Sprung mehr zeigen können“

Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher betonte, dass Raimund „nach dem langen Tag am Sonntag den ersten Flug nicht optimal hinbekommen hat“ – die 98 Meter des Olympiasiegers waren eine Enttäuschung. Denn Raimunds Auftrag war, Freitags Sprung möglichst mit großer Weite zu kompensieren. Es misslang. Im zweiten Durchgang steigerte sich das DSV-Team deutlich, kam noch mal sehr dicht auf Japan auf, „was unseren vierten Platz umso bitterer macht“, wie Hoffmann erklärte.

Freitag war vor dem ZDF-Mikrofon den Tränen nahe, als sie einräumte, „im ersten Durchgang etwas an Weite liegen gelassen zu haben. Das hat uns wehgetan.“ Vor Raimunds letzten Sprung zog Horngacher seinen Joker und ließ den Anlauf für den Olympiasieger verkürzen, um Bonuspunkte zu erhalten. Dafür musste Raimund 101,5 Meter springen. Es gelang, Raimund setzte nach 103,5 Metern auf und machte es damit noch einmal spannend. Doch er wurde gleich darauf von dem Japaner Ren Nikaido doch noch abgefangen. Die Entscheidung des Bundestrainers, den Anlauf zu verkürzen, „war richtig. Ich hätte im ersten Sprung mehr zeigen können“, bilanzierte Raimund.

Skispringen ist und bleibt eine skurrile Sportart, bei der Voraussagen sehr oft ins Leere führen. Die Hoffnung auf einen vermeintlichen Vorteil der Befreiung, die ein Sieg mit sich bringen kann, verfing bei Raimund am Dienstag nicht. Wobei es müßig ist, den verlorenen Meter zu suchen – er fehlte letztlich und deshalb „müssen wir unsere Athletinnen und Athleten nun trösten“, sagte Horngacher. Auch das ist der maximale Kontrast zu den Jubelbildern, die Raimund noch am Montag produziert hatte.

Trost für Prevc-Geschwister

Agnes Reisch richtete allerdings inmitten der trüben Stimmung den Blick nach vorn: „Wir haben ja alle hier noch Wettkämpfe vor uns.“ Die Skispringer ziehen nun von der kleinen auf die gleich nebenan gelegene große Schanze um. Darauf liege jetzt nach der Enttäuschung der Fokus, sagte Horngacher. Denn: „Die kann er auch, der Philipp.“

Neben den enttäuschten Deutschen feierten diesmal die bisher unter ihren Möglichkeiten gebliebenen Slowenen. Vor allem Domen und Nika Prevc wirkten über die Maßen erleichtert, dass sie am Dienstag ihre olympischen Fehlstarts aus den Einzelwettbewerben von der Kleinschanze mit einem Triumph kompensieren konnten. Nika Prevc, die haushohe Favoritin, gewann am Samstag zwar Silber, das aber empfand sie, die Seriensiegerin, sichtbar als große Enttäuschung. Domen Prevc hingegen, auch er gewann zuletzt reihenweise Weltcup-Springen, fand am Dienstagabend ebenfalls den bestmöglichen Trost für seinen sechsten Platz vom Sonntag.