Die Organisatoren
der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina haben nach einer Pannenserie mit Medaillen eine offizielle Untersuchung angekündigt. Zuvor waren
mindestens vier Fälle bekannt geworden, bei denen Athleten die Olympia-Medaillen
gerissen oder gebrochen waren. Unter den Betroffenen ist auch der deutsche
Biathlet Justus Strelow. Seine Bronzemedaille ging zu Bruch.
„Wir sind uns der
Situation vollends bewusst“, sagte der Chefverantwortliche für den Spielablauf,
Andrea Francisi, am Montag auf einer Pressekonferenz. „Wir prüfen, was genau
das Problem ist“, fügte er hinzu. Die Organisatoren würden jetzt den Medaillen „maximale
Aufmerksamkeit schenken“, damit „alles perfekt ist“. Das Komitee wisse, dass
die Medaillen mit das Wichtigste für die Athleten seien. Francisi
versprach: „Wir arbeiten daran.“
Berichten zufolge
haben die Medaillen eine Sollbruchstelle, die bei ausgiebigem Hüpfen nachgibt
und das Band von der Plakette löst. Dieses Malheur passierte dem deutschen Biathleten
Strelow, dem seine Medaille bei einer wilden Feier nach dem Bronzesieg der
deutschen Mixedstaffel vom Band riss und zerkratzte. Sein Teamkollege Philipp
Nawrath hielt den Vorfall in einem Instagram-Video mit dem Kommentar „Hey
Olympia, was ist mit den Medaillen los?“ fest.
Skirennfahrerin
Breezy Johnson war bei der Medaillenzeremonie ein ähnliches Missgeschick
unterlaufen. Sie sei herumgehüpft und dabei sei ihre Goldmedaille abgefallen,
berichtete die US-Amerikanerin nach dem Triumph in der Abfahrt von Cortina
d’Ampezzo. „Du solltest damit nicht hüpfen“, sagte die 30-Jährige
selbstironisch, als sie bei der Pressekonferenz nach dem Rennen die Einzelteile
präsentierte: die Goldmedaille, das Medaillenband und den herausgerissenen
Stift, der beides verbinden sollte.
Der schwedischen
Langläuferin Ebba Andersson riss die Silbermedaille vom Band, als sie nach
ihrem Erfolg im Skiathlon über den Schnee zu ihrer Familie rannte. Die Medaille sei „in den Schnee gefallen und in zwei Teile zerbrochen“, zitierte sie der schwedische Sender SVT. „Ich hoffe, es gibt einen Organisator, der jetzt einen Plan B hat“, fügte sie hinzu.
US-Eiskunstläuferin Alysa Liu ist ebenfalls betroffen. Ihre Team-Goldmedaille riss vom Band, als sie nach Angaben ihrer Teamkollegin vor Freude durch das gemeinsame Zimmer hüpfte. „Meine Medaille braucht das Band nicht“,
schrieb Liu anschließend zu einem Video auf Instagram.
Sollbruchstelle soll vor Ersticken schützen
Experten zufolge soll die
Sollbruchstelle zwischen Band und Medaille zum Schutz vor einem Erstickungsunfall
eingebaut sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Biathlet Strelow habe
zwischendurch überlegt, die zerkratzte Medaille umzutauschen, erzählt sein
Teamkollege Philipp Horn. „Aber so ein Kratzer, das sind ja auch Erinnerungen.
Das kann man dann später mal erzählen, wann und warum das passiert ist, das ist
eigentlich eine schöne Story.“
Die
Olympia-Plaketten wurden vom Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato
hergestellt, der staatlichen Münzprägeanstalt Italiens. Für die Produktion
wurden recycelte Metalle aus eigenen Produktionsabfällen verwendet. Alle
Medaillen haben einen Durchmesser von 80 Millimetern und eine Dicke von rund
zehn Millimetern.
