

Leon Draisaitl steht schon bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Mailand im Mittelpunkt. Der 30 Jahre alte Eishockeyspieler ist dafür ausgewählt worden, an diesem Freitag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport) an der Spitze des Teams in Schwarz-Rot-Gold ins Mailander San-Siro-Stadion einzumarschieren und dabei die deutsche Fahne zu tragen.
Das deutsche Aufgebot umfasst 188 Athletinnen und Athleten – so viele wie nie zuvor. Die Erwartungen an sie sind groß. Für die Wettkämpfe in den kommenden 17 Tagen formulierte Thomas Weickert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, den Anspruch, „die deutschen Fans zu begeistern und für unvergessliche Momente zu sorgen“.
Wie der Vater so der Sohn
Draisaitl ist es seit langem gewohnt, im Rampenlicht zu stehen, und doch wird er mit seiner ersten Olympia-Teilnahme Neuland betreten. Geboren 1995 in Köln, wuchs er zwischen Eis und Fußball auf. Sein Vater Peter Draisaitl spielte 146 Mal für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft und war bei drei Olympischen Spielen dabei.
Für seinen Sohn war er früh ein Vorbild. Mit elf Jahren wechselte Leon Draisaitl vom Kölner EC zu den Adlern Mannheim und erzielte in der Schülermannschaft 103 Punkte in einer Saison, später 223 Punkte in nur 34 Spielen. Bereits mit 18 Jahren debütierte er in der Nationalmannschaft.
Wenige Monate später wählten ihn die Edmonton Oilers 2014 beim Draft der nordamerikanischen Profiliga NHL an dritter Stelle. Er entwickelte sich zum führenden Scorer, gewann 2020 als erster Deutscher die Hart Memorial Trophy als wertvollster Spieler der Liga und wurde Sportler des Jahres in Deutschland. 2024 und 2025 stand er mit den Oilers im Finale um den Stanley Cup – doch der Triumph blieb ihm jeweils verwehrt.
In Edmonton ist Draisaitl längst heimisch geworden. Voriges Jahr heiratete er die kanadische Schauspielerin Celeste Desjardins. Mit der Verlängerung seines Vertrags mit den Oilers bis zum Ende der Saison 2032 stieg er mit einem Grundgehalt von umgerechnet zwölf Millionen Euro zu den bestbezahlten Spielern der NHL auf.
Wayne Gretzky, das bis heute größte Eishockey-Idol, lobt besonders Draisaitls Arbeit ohne Puck: „Talent haben viele. Aber Leon kombiniert Talent mit der richtigen Einstellung. Er hat das nötige Arbeitsethos. Er ist nur so gut, weil er jeden Tag hart dafür schuftet.“
Bei den Olympischen Spielen baut Bundestrainer Harold Kreis auf den breitschultrigen Stürmer Draisaitl als Impulsgeber. Seine Erfahrung, seine Technik und seine Spielintelligenz sind die Basis für das Vorhaben, der Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Wer Draisaitls Vita kennt, weiß: Er wird nicht glänzen, um als Solist zu gefallen, sondern um den Mannschaftserfolg möglich zu machen.
