

Immer Ärger mit dem Vorfeld: Kaum hatte die AfD-Führung sich Anfang der Woche von Martin Sellner distanziert, kam ihr schon der nächste rechtsextreme Aktivist gefährlich nah. Der aktuelle Bundessprecher der Identitären Bewegung (IB), Maximilian Märkl, soll AfD-Mitglied sein, wie die Zeitung „Welt“ berichtet.
Deutlicher kann man eigentlich nicht gegen die Unvereinbarkeitsliste der Partei verstoßen. Diese schließt eine Mitgliedschaft bei den Identitären für Parteimitglieder eigentlich aus; die IB wird als extremistische Organisation geführt. Und jetzt trifft deren Chef nicht nur AfD-Mitglieder, sondern ist sogar selbst eines?
In Berliner AfD-Kreisen sorgt das für Verärgerung. Parteichefin Alice Weidel habe davon nichts gewusst, sagte ihr Sprecher am Donnerstag. Gegenüber der F.A.Z. äußerte er die Erwartung, der bayerische Landesvorstand werde ein Parteiausschlussverfahren gegen Märkl einleiten; die entsprechende Absicht habe der Landesvorsitzende Stephan Protschka bereits Medien gegenüber erklärt. Auf den Einwand, dieser habe das so eindeutig noch nicht angekündigt, äußerte der Sprecher, das werde „sicher im Laufe des Tages gelöst sein“.
Ein offenes Geheimnis?
Fragen der F.A.Z. zu Märkl blieben am Donnerstag von Protschka zunächst unbeantwortet. Der „Süddeutschen Zeitung“ hatte er zuvor mitgeteilt, er kenne den Bericht der „Welt“, finde aber nirgends, „dass dieser Herr Bundessprecher der IB sein soll“. Er habe die IB bei seiner Aufnahme in die Partei im Dezember 2022 nicht angegeben. Damit bestätigte Protschka indirekt eine AfD-Mitgliedschaft Märkls. Wenn es einen Beleg gebe, dass dieser bei der IB so aktiv sei wie im „Welt“-Bericht behauptet, „dann wird er mit einem Vorstandsbeschluss aus der Partei geworfen“, fügte Protschka nach SZ-Angaben hinzu.
Die offenbar dünnen Kenntnisse Protschkas über Märkl verwundern. Zumindest im Bayerischen Landtag war Märkl mehrfach Thema. Abgeordnete der Grünen-Landtagsfraktion hatten zu ihm und zu den Verbindungen der bayerischen AfD zur IB mehrere Anfragen gestellt. Aus den Antworten der Staatsregierung geht hervor, dass Märkl mehrfach an Veranstaltungen der AfD sowie deren früherer Jugendorganisation Junge Alternative (JA) teilnahm. Am 11. Februar 2025 war er bei einer Veranstaltung der JA Nordschwaben in Gremheim. Hauptredner war der damalige AfD-Europaabgeordnete Maximilian Krah.
Am 24. Mai 2025 nahm Märkl in Senden an einer Veranstaltung des bayerischen AfD-Landtagsabgeordneten Franz Schmid teil, auf der laut Verfassungsschutz auch vereinzelt blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Identitäre Bewegung“ getragen wurden und die vom Innenministerium als „weiterer tatsächlicher Anhaltspunkt für die fortlaufende personelle und ideologische Überschneidung der AfD Bayern mit Akteuren des rechtsextremistischen Vorfelds, insbesondere mit der IB“, bewertet wurde.
Schmid wird nicht nur vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet, er ist auch der Vorsitzende des bayerischen Landesverbands der „Generation Deutschland“, der neuen Jugendorganisation der AfD. Als der Verband im Dezember in Greding gegründet wurde, war Märkl ebenfalls dort. Fotos der Initiative „Endstation Rechts Bayern“ legen nahe, dass Märkl mitgewählt hat – was nur Mitgliedern vorbehalten ist. In einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage 2025 bezeichnete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Märkl als „einen der Bundessprecher der rechtsextremistischen Identitären Bewegung“.
Taktischer Abstand zur IB klappt nicht so richtig
Märkl selbst machte offenbar keinen Hehl aus seiner Rolle bei der IB. So trat er etwa im Mai 2025 in einem Videointerview des AfD-nahen „Deutschlandkuriers“ als Bundessprecher der IB auf. Die IB verbreitete das Video auf Telegram an ihre Anhänger weiter. Wie Märkl selbst die aktuellen Recherchen zu seinen Aktivitäten und den Kenntnisstand der Partei dazu einordnet, war zunächst nicht zu erfahren. Der „Welt“ teilte er auf die Frage nach seiner AfD-Mitgliedschaft mit, sich grundsätzlich nicht zu „privaten Angelegenheiten“ äußern zu wollen.
Die Sache lässt die AfD-Führung schlecht aussehen. Ihre Versuche, taktisch Abstand zwischen die Partei und die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte IB zu bringen, scheitern immer wieder. Viele Parteifreunde konterkarieren sie. So auch kürzlich, als die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré trotz Intervention des Bundesvorstands gemeinsam mit Sellner auftrat.
Dessen Plan einer „Remigration“ wurde vom Bundesverwaltungsgericht für verfassungswidrig befunden. Während Bundespolitiker der AfD sich bemühten, zu erklären, dass die Partei mit „Remigration“ etwas anderes meine als Sellner, lobte Kotré diesen und regte an, die Partei könne doch Ideen aus dem Vorfeld übernehmen.
Für die AfD ist die Nähe zu den Identitären gefährlich, weil dadurch wahrscheinlicher wird, dass die Hochstufung der Partei zur gesichert rechtsextremistischen Bestrebung seitens des Verfassungsschutzes vor Gericht Bestand hat.
