Woidke dankt Bergleuten: Ende einer Ära – Braunkohle-Koloss F60 in Jänschwalde gesprengt

Woidke dankt BergleutenEnde einer Ära – Braunkohle-Koloss F60 in Jänschwalde gesprengt

05.02.2026, 16:00 Uhr

Die Förderbrücke F60 gehört zu den größten Industriemaschinen der Welt. Zugleich ist sie ein Wahrzeichen im Lausitzer Kohlerevier. Nach mehr als 45 Jahren Dienst wird sie gesprengt. Auch für den Ministerpräsidenten ein bewegender Moment.

Im ehemaligen Braunkohletagebau Jänschwalde in der Lausitz ist eine gigantische Förderbrücke gesprengt worden. Damit ging ein wichtiges Kapitel der Bergbaugeschichte zu Ende. Die Sprengladungen wurden nach dem Kommando „Drei, zwei, eins“ am Vormittag gezündet. Der Koloss F60 krachte unter lautem Krach ein. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach von einem emotionalen Moment. „Danke F60, du wirst lange in unserer Erinnerung bleiben“, sagte der SPD-Regierungschef.

Mit der Sprengung endet ein wichtiges Kapitel Lausitzer Bergbaugeschichte. Mehr als 45 Jahre lang war die Abraumförderbrücke F60 das Herzstück der Arbeit mehrerer Bergmannsgenerationen. Sie ist eine der größten mobilen Technikanlagen weltweit. Der Koloss F60 war nach Angaben des Energieerzeugers Leag 500 Meter lang, 80 Meter hoch und bestand aus 31.000 Tonnen Stahl.

Die Abraumförderbrücke war nach Leag-Angaben Anfang 2024 außer Betrieb genommen und in den zurückliegenden Monaten für die Sprengung und anschließende Verschrottung vorbereitet worden. Seit den 1970er Jahren hatte der Koloss etwa 3,5 Milliarden Kubikmeter Erdmasse bewegt und damit rund 14 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr freigelegt, wie es weiter hieß. In ihrer Dienstzeit machte dies rechnerisch mehr als 630 Millionen Tonnen Kohle.

Die Sprengung erfolgte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Mit dem Kohleausstieg bis 2038 wandelt sich der Energieerzeuger Leag und das Lausitzer Bergbaurevier grundlegend. Künftig entstehen auf ehemaligen Tagebaugebieten große Wind- und Solarparks sowie Seen.

Die Förderbrücke F60 habe ihn seit seiner Kindheit und Jugend begleitet, sagte Woidke weiter. Sie habe sein Leben und das seines direkten Umfelds ein Stück weit mit geprägt. Er nannte die Umsiedlungen von Menschen, deren Dörfer dem Braunkohletagebau weichen mussten. Zudem ist Woidke auf einem Bauernhof in der Nähe des Tagebaus aufgewachsen.

„Die größte Dankbarkeit habe ich gegenüber den Menschen, die seit mehr als 50 Jahren dafür gesorgt haben, dass diese Anlage läuft, dass ein Rad in das andere greift, dass alles miteinander funktioniert und am Ende auch unsere lieben Nachbarn in Berlin jeden einzelnen Tag wissen, dass sie Strom haben – außer wenn in Berlin mal was schiefgeht“, sagte er. Nach einem Brandanschlag im Januar war im Südwesten der Hauptstadt tagelang der Strom ausgefallen.

Die Leag will bis Herbst die Demontage und Verschrottung abschließen. Dann geht es mit der Gestaltung der drei Bergbaufolgeseen Heinersbrücker See, Jänschwalder See und Taubendorfer See weiter. Parallel entsteht in der Jänschwalder Bergbaufolgelandschaft die Gigawatt Factory – ein gewaltiger Batteriespeicher. Zudem werden in der Region Wind- und Solarparks gebaut.

Quelle: jwu/dpa