

Dieser Donnerstag ist, wie jeder erste im Februar, der „Tag des Optimismus“; fast hätten wir gesagt, wir feiern wir den Tag des Optimismus, wenn es etwas zum Feiern gäbe. Dass das augenscheinlich nicht der Fall ist, mag mit ein Grund für seine Existenz sein. Es ist dabei keineswegs so, dass akkurat an diesem Donnerstag alles besser oder gar gut würde; vielmehr hofft man das bloß. Es handelt sich also um eine dieser inneren Einstellungen, die, ob nun bei der insgesamten Gutwerdung oder bei anderen Vorhaben, manchmal schon die halbe Miete sind.
Was das Gesundbeten betrifft, als das man den Optimismus mit ein wenig Bereitschaft zur Zuspitzung bezeichnen und durchgehen lassen kann, so ist das Jahr und sind die Menschen wenn auch vielleicht nicht ausreichend, so doch ganz anständig versorgt, indem es nämlich noch einen Tag des positiven Denkens gibt, der am 13. September, wiederum hätten wir fast gesagt: gefeiert wird. Doppelt hält oft besser.
Tage des Karottenkuchens und des Königspudels
Bevor wir auf Sinn und Zweck, auf die Daseinsberechtigung eines Tages des Optimismus eingehen, weisen wir sicherheitshalber darauf hin, dass die Lage bei all diesen „Tagen des“ sowieso unübersichtlich ist: Vorgestern, am 3. Februar, war zum Beispiel der Tag des Golden Retrievers, aber, zumindest in Amerika, auch der Tag des Karottenkuchens (National Carrot Cake Day), beides ohne Zweifel erfreuliche Vorkommnisse, von denen man nur hoffen kann, dass sie sich nicht neutralisieren, indem der Golden Retriever den Karottenkuchen einfach frisst.
Anzuzeigen ist ferner der Tag des Königspudels (6. Januar), jedoch keiner des Schäferhundes, komischerweise aber einer des Bullterriers, am, kein Scherz, 1. April, und zwar zum Abbau von Vorurteilen gegenüber diesen angeblich liebevollen Familienhunden. Dem Hund als solchem sind gleich mehrere gewidmet: weltweit der 4. Oktober, in Deutschland zusätzlich der 4., nach anderen Angaben der 10. oder der 11. Juni. Dies nur als Kostprobe der grundsätzlichen Fährnisse, mit denen das Begehen beziehungsweise das Feiern irgendeines oder jeden Tages verbunden ist.
Der oder ein Tag ist, so betrachtet, immer schon ein Abbild des Lebens an sich, das, glauben wir den Psychologen oder auch den Gesundbetern, mit Optimismus nun einmal besser oder überhaupt zu gestalten, der Pessimist würde wahrscheinlich sagen: rumzukriegen, abzusitzen ist. Zur Angemessenheit dieses Tages des Optimismus ist, in Übereinstimmung mit einem herausragenden Denker, nur so viel zu sagen, dass er einem „Hohn auf die namenlosen Leiden der Menschheit“ gleichkommt, ja, letztlich sogar „ruchlos“ ist (Schopenhauer). Und, wenn wir noch etwas anmerken dürfen: Verlangt es nicht die Gerechtigkeit, dass, wenn es doch schon einen Tag des Bullterriers gibt, auch mal ein Tag des Pessimismus, und hier sagen wir nun vollends: gefeiert wird?
