Norwegen: Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby sagt unter Tränen vor Gericht aus – Panorama

Der lateinische Ausdruck annus horribilis ist in der Geschichte der europäischen Königshäuser eigentlich eher mit der britischen Monarchie und mit dem Jahr 1992 verbunden. Jenes Jahr hatte Königin Elisabeth II. in einer berühmt gewordenen Rede so bezeichnet. Damals kam alles Schlechte zusammen: Ein Brand im Schloss Windsor, der wertvolle Kunstwerke zerstörte. Die Trennung vom damaligen Prinzen Charles und Prinzessin Diana, die von der Veröffentlichung allerlei pikanter Details aus dem Eheleben in der Boulevardpresse begleitet war. Zwei weitere Trennungen im Hause Windsor – jene von Prinzessin Anne und jene von Prinz Andrew, der heute tief in den Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verstrickt ist. Das war 1992 freilich noch nicht absehbar.

Schon möglich, dass der norwegische König Harald, 88, der gesundheitlich schwer angeschlagen ist, das Jahr 2026 als annus horribilis ansieht. Genug schlechte Nachrichten gibt es, mehr als genug. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Verbindung von Kronprinzessin Mette-Marit zu Epstein, der 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde, doch enger war als zuvor bekannt. Hunderte Male taucht ihr Name in den Akten zu Jeffrey Epstein auf, die jetzt in den USA veröffentlicht wurden. Über Jahre hinweg sollen sie und Epstein sich private E-Mails geschrieben haben.

Und in Oslo findet seit dieser Woche ein Gerichtsverfahren statt, das für Mette-Marit, ihren Mann, Prinz Haakon, 52, und das gesamte norwegische Königshaus sehr unangenehm werden dürfte. Das Medieninteresse ist gewaltig, 200 Journalisten verfolgten den ersten Prozesstag im Gericht mit. Dort muss sich Marius Borg Høiby, 29, verantworten, der Sohn der Kronprinzessin.

38 Punkte umfasst die Anklage, darunter vier Fälle von Vergewaltigung. Die mutmaßlichen Opfer sollen bei den Taten in einer Situation gewesen sein, in der sie sich „durch Schlaf und/oder Rausch“ nicht zur Wehr setzen konnten, wie es in der Anklageschrift heißt. Außerdem soll Høiby die Frauen teils gefilmt haben.

Nachdem am Dienstag die Anklage verlesen worden war und eines der mutmaßlichen Opfer ausgesagt hatte, äußerte sich an diesem Mittwoch Høiby vor Gericht. „Es fällt mir schwer, vor so vielen Menschen zu sprechen“, sagte der 29-Jährige unter Tränen. Er werde „von der Presse verfolgt, seit ich drei Jahre alt bin“, und er habe „ein Leben gelebt, in das sich wohl die wenigsten hineinversetzen können. Mit vielen Partys, Alkohol, Drogen.“ Sex und Rausch seien Teil dieses Lebens gewesen.

In einigen Anklagepunkten – Fälle von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung, Drogenmissbrauch und Verkehrsdelikte – hatte er sich am ersten Tag schuldig bekannt. Die Vergewaltigungen, die ihm vorgeworfen werden, bestreitet Høiby allerdings. Konkret äußerte er sich am zweiten Prozesstag zu einem mutmaßlichen Vorfall im Dezember 2018, bei dem er eine Frau sexuell berührt und heimlich gefilmt haben soll, während sie schlief. Er könne sich nur an einvernehmlichen Sex erinnern, sagte der Angeklagte.

Staatsanwalt Sturla Henriksbø befragte Høiby zum Ablauf des Abends und zu dessen Drogenkonsum. Auch an jenem Abend auf Schluss Skaugum sei vermutlich Kokain geschnupft worden, genau wisse er das nicht mehr. Er habe in jener Zeit ein „extremes Bedürfnis nach Bestätigung“ gehabt.

Als wäre der Prozess für sich alleine noch nicht gravierend genug, hat die Polizei Høiby am vergangenen Wochenende erneut aufgegriffen. Er soll eine andere Person mit einem Messer bedroht haben. Die Folge: vier Wochen Untersuchungshaft. „Das ist für den Fall natürlich in keiner Weise glücklich“, sagte Verteidigerin Ellen Holager Andenæs. Ein Urteil soll bis März gefällt werden.