Stand: 03.02.2026 15:34 Uhr
Der Nachtzug ist eine klimafreundliche Alternative zum Flugzeug. Viele Ziele in Europa lassen sich damit bequem erreichen. Welche Verbindungen gibt es von Norddeutschland aus und welche Züge nehmen Autos mit?
Abends in Hamburg, Hannover oder Göttingen einschlafen und morgens in Stockholm, Wien oder Paris aufwachen – wer so in Urlaub fährt, reist nicht nur bequem, sondern auch klimafreundlich. Seit einigen Jahren verkehren auf beliebten Routen wieder viele Nachtzüge, das Angebot hat sich seit 2020 von 90 auf 200 Strecken mehr als verdoppelt und wird kontinuierlich ausgebaut. Neue, moderne Züge machen das Reisen komfortabler. Auch preislich können die Züge mittlerweile häufig mit dem Flugzeug mithalten. Vorteil: Für Gepäck werden im Gegensatz zu vielen Airlines keine Extra-Gebühren erhoben.
Sitzplatz, Liegewagen oder Schlafwagen?
Je nach Strecke und Komfortklasse sind die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Angeboten groß, daher sollten Urlauber sich genau informieren. Bequemer als im Sitzplatzwagen reist es sich über Nacht in einem Schlaf- oder Liegewagenabteil. Größter Anbieter ist die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) mit dem Nightjet. Liegewagenplätze sind zum Beispiel ab etwa 80 Euro für die einfache Fahrt erhältlich, die Preise variieren je nach Buchungs- und Reisedatum. Abhängig vom persönlichen Budget und dem gewünschten Komfort teilt man sich das Abteil mit anderen Reisenden oder hat es für sich oder seine Familie allein.
Einige Verbindungen werden nur an bestimmten Tagen oder saisonal angeboten, etwa von Sommer bis in den frühen Herbst oder während der Skisaison. Für Ferienzeiten empfiehlt es sich, vor allem Liege- und Schlafwagenplätze frühzeitig zu reservieren, weil einige beliebte Verbindungen und Spartarife oft schnell ausgebucht sind.
Welche Nachtzüge fahren von Norddeutschland?
Eine Auswahl wichtiger Verbindungen, die norddeutsche Städte mit Städten in Süddeutschland und Europa verbinden:
- ÖBB Nightjet: diverse Verbindungen von Hamburg und Hannover nach München, Innsbruck, Salzburg, Wien sowie nach Basel und Zürich
- SJ Euronight (Schwedische Staatsbahn): über Hamburg nach Kopenhagen (Dänemark), Malmö und Stockholm (Schweden)
- Snälltåget: über Hamburg nach Kopenhagen (Dänemark), Malmö und Stockholm (Schweden), während der Skisaison aus Schweden via Hamburg in die österreichischen Alpen
- Urlaubs-Express: diverse Verbindungen ab Hamburg und Hannover nach München, Innsbruck, Villach und Lörrach (z.T. auch ab Lüneburg und Göttingen), Auto-Mitnahme möglich
- BTE Auto-Reisezug: von Hamburg nach Lörrach
- Deutsche Bahn: nur Sitzplätze, diverse IC- und ICE-Verbindungen von Hamburg nach München, Kopenhagen, Basel und Zürich
- European Sleeper: von Berlin über Hamburg-Harburg nach Paris (ab Mitte Juli 2026)
Viele Reiseziele im Süden sind von Norddeutschland aus nicht direkt zu erreichen, sondern nur mit Umstieg. Wer beispielsweise von Hamburg nach Rom reisen möchte, kann tagsüber nach München fahren und von dort im Anschluss einen Nachtzug nach Italien nehmen. Auf diese Weise lassen sich etliche weitere Länder erreichen. So gibt es etwa Verbindungen in die Niederlande, nach Belgien, Kroatien, Polen oder Ungarn.
Nachtfahrten dauern länger
Wichtig zu wissen: Wer über Nacht fährt, spart zwar eine Übernachtung am Urlaubsort, insgesamt ist die Fahrtzeit aber meist länger als tagsüber. So benötigt der Nachtzug von Hamburg nach München mehr als zehn Stunden, tagsüber dauert die Fahrt im ICE nur etwa halb so lange. Gründe für die längeren Fahrtzeiten sind Güterzüge, die nachts auf vielen Strecken Vorrang haben und längere Aufenthalte, weil Kurswagen rangiert werden. Zudem sind längere Fahrtzeiten teilweise gewollt, damit die Fahrgäste nicht mitten in der Nacht am Zielbahnhof ankommen. Weitere Nachteile: Lärmempfindliche Menschen könnten sich durch Geräusche gestört fühlen, außerdem sind die Betten im Liegewagen meist schmal.
Autos und Fahrräder dürfen auf einigen Strecken mit
An bestimmten Wochentagen und auf ausgewählten Strecken, etwa von Hamburg nach Innsbruck, befördern die Anbieter Nightjet, BTE Auto-Reisezug und Urlaubs-Express auch Autos und Motorräder. Das ist allerdings, je nachdem, wie kurzfristig gebucht wird, nicht ganz billig. Auch Fahrräder dürfen bei vielen Verbindungen mit. Die Plätze müssen ebenfalls reserviert werden und sind kostenpflichtig.
Nachtzug: Tipps für die Fahrt
Generell gilt: Wer Wert auf Privatsphäre legt, sollte ein Einzelabteil buchen – gut geeignet für Alleinreisende sind die modernen, abschließbaren Mini-Cabins der ÖBB mit separaten Einzelliegen. Paare und Familien können Liegewagen-Abteile teilweise ganz für sich buchen. Beim Liegewagen sollte man sich bereits beim Reservieren überlegen, welcher Platz geeignet ist. Wer nicht mehr so mobil ist, sollte einen Platz unten reservieren. In den ÖBB-Mini-Cabins hat man unten zudem einen Extra-Stauraum für Gepäck unter der Liegefläche. Wer gerne etwas länger schläft, ist auf den obersten Liegen am ehesten ungestört. Für Frauen gibt es meist die Option, in einem reinen Damenabteil zu reisen. Weitere Tipps:
- Ohrstöpsel und eventuell eine Schlafmaske sorgen für mehr Ruhe.
- Koffer so packen, dass alle notwendigen Dinge für die Nacht (Zahnbürste, Waschsachen, bequeme Jogginghose) oben liegen und schnell auffindbar sind, alternativ eine kleine Extra-Tasche packen.
- Bereitgestellte Kissen können relativ klein und flach sein und Bettdecken wegrutschen. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich ein Kissen und einen Hüttenschlafsack mitzunehmen.
- Eventuell Proviant mitnehmen, Getränke gibt es beim Zugbetreuer. In vielen Zügen kann ein Frühstück bestellt werden, bei einigen Angeboten, etwa beim ÖBB Nightjet, ist es für Reisende im Liege- und Schlafwagen inklusive.





