China: Zwei investigative Journalisten verhaftet

Mit Liu Hu ist einer der letzten investigativ arbeitenden Journalisten in China verhaftet worden. Liu sowie sein Mitarbeiter Wu Yingjiao wurden von der Polizei wegen des „Verdachts der Verbreitung falscher Anschuldigungen und illegaler Geschäftspraktiken“ in Gewahrsam genommen, hieß es in einer Mitteilung der Polizei vom Montag, über die das Wirtschaftsblatt „Caixin“ jetzt berichtete.

Zuvor hatte Liu einen Artikel veröffentlicht, in dem er örtliche Beamte der Provinz Sichuan kritisiert hatte. In dem vergangenen Donnerstag online auf dem Portal WeChat veröffentlichten, mittlerweile gelöschten Artikel, zitierte Liu eine Quelle, die behauptete, dass ein Sekretär der Kommunistischen Partei des Bezirks Pujiang seine Macht missbraucht habe, um privaten Unternehmen das Geschäft zu erschweren. Nach Angaben der „South China Morning Post“ hieß es in dem Artikel weiter, dass der Parteisekretär an der Zwangsräumung von zwei Immobilien beteiligt war, die einem Literaturprofessor gehörten, der sich 2021 darüber das Leben nahm. Anderen Lokalmedien zufolge hatte Liu Hu in seinem Artikel auch Situationen erwähnt, in denen Beamte Bestechungsgelder verlangt hätten.

Nach Veröffentlichung und kurz vor seiner Verhaftung hatte Liu Hu noch Screenshots von Kurzmitteilungen veröffentlicht, die er von einem Mitarbeiter der Disziplinar-Kontrollkommission aus Chengdu erhalten hatte. Darin forderte der Beamte Liu zweimal auf, sich mit seiner Kommission in Verbindung zu setzen: Beschwerden sollten über offizielle Kanäle eingereicht werden, anstatt sie in den Medien zu veröffentlichen. Korruption in China wird auch von höchster Stelle immer wieder kritisiert, so zuletzt als Begründung der Festnahmen ranghoher Armeegenerale. Entscheiden tut darüber aber die Parteiführung.

Nur noch wenige Dutzend Investigativ-Journalisten

Der 50 Jahre alte Journalist Liu hatte bis vor einigen Jahren für größere chinesische Medien gearbeitet und veröffentlicht seine Recherchen mittlerweile freiberuflich in sozialen Medien. Schon 2013 war Liu unter dem Vorwurf der Verleumdung für seine Artikel zeitweise verhaftet worden.

Lius Kollege Wu Yingjiao wiederum hatte nach Angaben der chinesisch-internationalen Aktivistengruppe „Chinese Human Rights Defenders“ am vergangenen  Sonntag mit dem Zug von seiner Heimatstadt Chongqing nach Peking fahren wollen. Wu wurde demnach am selben Tag von der Polizei in der Provinz Hebei festgenommen.

Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen sind in China derzeit 123 Journalisten in Haft. Das im Ausland kuratierte Portal „China Media Project“ zitierte einen Medienmacher aus Peking, demzufolge die Zahl investigativer Journalisten in China „von über tausend auf nur noch wenige Dutzend gesunken“ sei, die sich überdies nurmehr auf Metropolen wie Peking, Shanghai, Guangzhou oder Shenzhen konzentrierten. „Die meisten investigativen Journalisten in kleineren Städten haben entweder den Beruf gewechselt, arbeiten nun in der Werbung oder veröffentlichen in sozialen Medien.“  Letzteres dann kaum mit Bezahlung.