

In Deutschland sind mehr Menschen von Armut bedroht. Rund 13,3 Millionen Menschen hatten zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dies entsprach einem Anteil von 16,1 Prozent der Bevölkerung. Ein Jahr zuvor hatte sie bei 15,5 Prozent gelegen.
Armutsgefährdet ist nach EU-Definition, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Diese Schwelle lag für eine alleinlebende Person zuletzt bei 1446 Euro netto im Monat, für eine vierköpfige Familie bei 3036 Euro. Die Ergebnisse der Erhebung von 2025 beziehen sich auf 2024, da das Jahreseinkommen erfragt wird.
Das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) zeigte sich von der Entwicklung nicht überrascht. Die eigene
Forschung belege eine nachlassende Verteilungswirkung des Sozialstaates sowie eine steigende Einkommensungleichheit. Verwunderlich sei jedoch, dass dieses Problem in der politischen Debatte kaum eine Rolle spiele. „Dabei ist es ein offenkundiges Versagen sozialstaatlicher Institutionen, wenn die Armut in einem eigentlich reichen Land steigt“, erklärten die beiden WSI-Experten Bettina Kohlrausch und Sebastian Dullien. Sie warnten, Armut destabilisiere die Gesellschaft und erschüttere das Vertrauen in die Demokratie.
Den Statistikern zufolge sind Alleinlebende und Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten besonders häufig betroffen. Ihre Armutsgefährdungsquoten lagen bei 30,9 beziehungsweise 28,7 Prozent. Die höchsten Werte weisen mit 64,9 Prozent Arbeitslose auf. Überdurchschnittlich gefährdet sind zudem andere Nichterwerbstätige (33,8 Prozent) sowie Rentner und Pensionäre (19,1 Prozent).
Rund 21,2 Prozent der Bevölkerung waren darüber hinaus von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wie die Statistiker mitteilten. Dieser Wert blieb nahezu unverändert. Er schließt neben der reinen Einkommensarmut auch Kriterien wie erhebliche materielle Entbehrungen oder eine sehr geringe Erwerbsbeteiligung im Haushalt mit ein.
