

Palantir ist derzeit nicht zu bremsen. Das Softwareunternehmen, dessen wichtigster Kunde die US-Regierung ist, hat im vergangenen Quartal sein Wachstum weiter beschleunigt. Vorstandschef Alex Karp sagte in einem Montag nach Börsenschluss veröffentlichten Brief an die Aktionäre, die Finanzergebnisse hätten „sogar unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“.
Der Aktienkurs von Palantir stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um rund sieben Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Palantir-Aktie mehr als 75 Prozent an Wert gewonnen, wobei es seit Anfang dieses Jahres etwas nach unten gegangen ist. Der Börsenwert liegt im Moment bei mehr als 350 Milliarden Dollar.
Palantir ist auf die Analyse großer Datenmengen spezialisiert. Dabei kommt zunehmend auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Der Gesamtumsatz stieg im vierten Quartal um 70 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 1,33 Milliarden Dollar gerechnet. Palantir hat nun zehn Quartale in Folge sein Umsatzwachstum beschleunigt. Der Nettogewinn betrug 609 Millionen Dollar, der Gewinn je Aktie von 25 Cent war um zwei Cent besser als erwartet.
Karp beschwört „ethische Verpflichtungen“
Palantir macht mehr als drei Viertel seines Umsatzes auf dem amerikanischen Heimatmarkt, Karp nannte die USA den „Kern“ des Unternehmens. Am wichtigsten ist dabei das Geschäft mit der US-Regierung, hier stieg der Umsatz im vergangenen Quartal um 66 Prozent auf 570 Millionen Dollar. Dies sind auch die Aktivitäten, die Palantir zum Gegenstand von Kontroversen gemacht haben. Das Unternehmen arbeitet zum Beispiel mit der Einwanderungsbehörde ICE zusammen, die zuletzt wegen brutaler Einsätze in Minneapolis in die Kritik geraten ist. Palantir ist vorgeworfen worden, sich zum Werkzeug für staatliche Überwachung oder die Abschiebung von Einwanderern zu machen.
Die Kooperation mit ICE ist offenbar auch intern nicht unumstritten. Die Publikation „Wired“ berichtete vor wenigen Tagen von „zunehmender Frustration“ im Unternehmen. Auf der Kommunikationsplattform Slack hätten Mitarbeiter infrage gestellt, ob die Kooperation mit ICE ethisch und auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten weiter zu rechtfertigen sei.
Weiter schrieb Karp, „interne Meinungsverschiedenheiten“ seien bei Palantir erlaubt und sogar gewünscht. In einer Telefonkonferenz sagte er: „Wir haben intern viele Debatten darüber, was wir tun sollten und wie wir es tun sollten.“
Neben ICE arbeitet Palantir auch mit einigen anderen amerikanischen Regierungsstellen. Im Dezember wurde bekannt, dass das Unternehmen einen Auftrag der Navy im Wert von 448 Millionen Dollar bekommen hat.
Die zweite große Säule von Palantir ist das Geschäft mit kommerziellen Kunden in den USA. Dessen Umsatz hat sich im vergangenen Quartal auf 507 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Außerhalb seiner amerikanischen Heimat steht Palantir um einiges schwächer da. Hier stieg der Umsatz um 23 Prozent auf 331 Millionen Dollar. Karp sagte: „Wir haben leider gesehen, dass es in westlichen Ländern außerhalb Amerikas echte Zurückhaltung gibt, diese Art von Produkten zu verwenden.“
Auch mit Blick auf dieses Jahr zeigt sich das Unternehmen optimistisch. Für das erste Quartal sagt es ein Umsatzwachstum von mindestens 73 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Dollar voraus. Im Gesamtjahr wird ein Plus von rund 60 Prozent auf knapp 7,2 Milliarden Dollar erwartet.
