New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani: Ein Fußballfan mit Herz für Arsenal und faire Preise – Sport

An einem Sonntag im Januar hatte Zohran Mamdani die interessierte Öffentlichkeit ins Surrogate’s Courthouse eingeladen, in ein Gebäude, das vielleicht zu den schönsten in Downtown Manhattan gehört. Es war der einzige öffentliche Termin des New Yorker Bürgermeisters an diesem Tag, er hatte sich zu diesem Anlass ein wenig in Schale geschmissen: Mamdani trug unter seinem Sakko ein Trikot des FC Arsenal.

Dabei spielte sein Lieblingsteam gar nicht, auf der Großleinwand im Surrogate’s Courthouse lief stattdessen das Finale des Afrika-Cups zwischen Marokko und Senegal, deren Fans im Publikum etwa zu gleichen Teilen vertreten waren. „Heute ist die Gelegenheit, dieses Spiel zu genießen, die Stadt, die wir unser zu Hause nennen, aber auch die Länder, aus denen wir stammen“, rief der in Uganda geborene Mamdani der feierwütigen Menge kurz vor dem Anpfiff zu. Weil sich diese Szene in den Vereinigten Staaten von Amerika ereignete, sollte man vielleicht noch anmerken: Es ging um Fußball.

Wenn der zweifellos gut beschäftigte neue Rathauschef der größten Stadt Amerikas seinen Sonntag für eine Afrika-Cup-„Watch Party“ freiräumt, dann meint er es offenbar erst. New York City wird gut 400 Jahre nach seiner Gründung nicht nur erstmals von einem Muslim regiert, sondern auch zum ersten Mal von einem Soccer-Fan. Und Zohran Mamdani, 34, scheint wild entschlossen zu sein, daraus im Jahr der Donald-Trump-Fifa-WM 2026 auch ein politisches Thema zu machen. Als er vor den Gästen seiner kostenlosen Watch Party proklamierte: „Wir feiern heute, wie es aussehen könnte, wenn dieser Weltsport in fünf Monaten nach New York City kommt“, da meinte er natürlich eine derzeit utopische Fußball-Welt, in der sich niemand vor Trumps ICE-Razzien oder Gianni Infantinos Eintrittspreisen fürchten muss.

Die Zuneigung des New Yorker Bürgermeisters zum FC Arsenal ist mit seiner Kindheit in Uganda zu erklären

Dass der hyperkommerzialisierte Fußballbetrieb seine Stammkundschaft verraten hat, ist keine ganz neue Erkenntnis mehr. Aber sie passt besonders gut zur Agenda des demokratischen Sozialisten Mamdani, dessen politische Blitzkarriere letztlich um einen einzigen Begriff kreist: Affordability, Bezahlbarkeit.

Die Zuneigung des New Yorker Bürgermeisters zum FC Arsenal ist mit seiner Kindheit in Uganda zu erklären. Damals, um die Jahrtausendwende, in den goldenen Jahren der Arsène-Wenger-Ära bei Arsenal, standen besonders viele und besonders hochbegabte afrikanische Spieler bei dem Londoner Klub unter Vertrag: Der Nigerianer Nwankwo Kanu, der Ivorer Kolo Touré, Alex Song und Lauren aus Kamerun, um nur einige zu nennen. Mit diesen Helden von seinem Kontinent konnte sich auch der junge Zohran Mamdani in Kampala identifizieren. Beim Public Viewing in Manhattan erzählte er vom schönsten Fußballmoment seiner Kindheit – auch weil er für diesen Moment die Schule schwänzen durfte: Als nämlich der Senegalese Papa Bouba Diop im WM-Eröffnungsspiel 2002 gegen Weltmeister Frankreich das Siegtor schoss, im Sitzen wohlgemerkt.

Es ist schwer, all die Politiker zu zählen, die sich schon mit dem Versuch blamiert haben, echte Fußball-Leidenschaft vorzutäuschen. Im Fall von Mamdani geht die Gefahr gegen null, schon alleine deshalb, weil er ein amerikanischer Politiker ist. Das Interesse für diese Sportart mag zuletzt auch in den USA ein wenig gewachsen sein, aber es ist sicherlich noch nicht so weit, dass sich in diesem Land mit einem authentischen Soccer-Sachverstand Wahlen gewinnen lassen.

Als Bürgermeister von New York interessiert sich Mamdani standesgemäß auch ein bisschen für den Lokalsport. In Sachen Baseball hat er sich als „ziviler“ Mets-Fan geoutet, hin und wieder wird er auch bei den Basketball-Spielen der New York Knicks gesichtet. Aber all das steht in keinem Verhältnis zu seinem Arsenal-Fanatismus. Der Komiker Adam Friedland hat Mamdani neulich in seiner Show beinahe zum Weinen gebracht, als er ihm eine persönliche Grußbotschaft von Ian Wright auf dem Handy vorspielte („Hallo Zohran, gratuliere dir…“). Wright schoss 128 Tore für Arsenal, die meisten davon, bevor Mamdani in Kampala eingeschult wurde.

Seine Meinung zu Fifa-Chef Infantino? „Wenn ich jetzt etwas sage, bekomme ich große Probleme…“

Offenbar hat es auch mit seiner Verbindung zu Arsenal zu tun, dass er sich für die Rettung von Real Oviedo einsetzte. Der spanische Erstligist aus Asturien war 2012 in schwere Finanznöte geraten und Mamdani – damals Student am Bowdoin College in New England – gehörte zu jenen, die sich mit 10,75 Euro an einer Rettungsaktion beteiligten. „Ich habe gerade eine Aktie gekauft und bin möglicherweise Oviedos erster Aktionär mit Wohnsitz in Maine?“, schrieb er in jener Zeit auf Twitter. Kurz zuvor war der spanische Nationalspieler Santi Cazorla, einer der Initiatoren der Spenden-Kampagne, zu Arsenal gewechselt. Oviedo wurde dann tatsächlich gerettet und spielt nach einer längeren Abstinenz inzwischen wieder in der Primera División, unter anderem mit Cazorla – und ein kleines bisschen auch wegen Mamdani.

Der Bürgermeister selbst gilt als mittelprächtig begabter Verteidiger, wobei er es in seiner Karriere immerhin zum Kapitän der Schulmannschaft an der Bronx High School of Science brachte. Bis vor gut einem Jahr, bis ihn der Bürgermeisterwahlkampf vollends in Beschlag nahm, kickte Mamdani noch in der New Yorker Freizeitliga – bei einer Mannschaft mit dem glänzenden Namen „Talking Headers“ aus Brooklyn. Ein früherer Mannschaftskamerad sagte der New York Times, Mamdani sei nicht der Beste, aber auch niemals der Schlechteste gewesen. Er selbst verglich sein fußballerisches Talent einmal mit dem des früheren Arsenal-Stürmers Nicklas Bendtner: großes Selbstbewusstsein, überschaubarer Ertrag.

Auf dem Feld der Sportpolitik hat dieses Selbstbewusstsein unter anderem dazu geführt, dass im Frühherbst die Macher des populären Guardian-Podcasts „Football Weekly“ einen Anruf aus New York erhielten. Mamdani steckte damals in der heißen Wahlkampfphase und einer der beiden Moderatoren aus London fragte: „Warum, um Himmels willen, wollen Sie mit uns sprechen?“

„Um sehr klar zu machen, dass die Bezahlbarkeitskrise auch eine Krise ist, die Fußballfans in der ganzen Welt betrifft“, sagte Mamdani.

In diesem Sommer dürfte diese Krise insbesondere die Fans am WM-Spielort New York/New Jersey betreffen, wo acht Partien stattfinden, darunter das Finale. Wegen des sogenannten „dynamic pricings“ des Weltverbands Fifa steigen die Eintrittspreise mit Nachfrage in teils absurde fünfstellige Sphären. Deshalb gebe es für die meisten echten Fußballfans kaum eine Chance, an Tickets zu kommen, sagte Mamdani. Er rief die Fifa deshalb dazu auf, „das Spiel über die Gier zu stellen“.

Eine seiner konkreten Forderungen lautet, mindestens 15 Prozent der Tickets für die lokale Bevölkerung zu halbwegs erschwinglichen Preisen zu reservieren. Ob es nun mit Mamdanis Einsatz zusammenhängt oder nicht – tatsächlich hat die Fifa inzwischen angekündigt, einige Eintrittskarten zu einem Festpreis von 60 Dollar anzubieten. Allerdings geht es da lediglich um 1,6 Prozent der Tickets, und damit wohl eher um eine symbolische Kurskorrektur.

Als neuer Bürgermeister von New York muss sich Zohran Mamdani zumindest um seine eigenen Karten keine Sorgen mehr machen, er dürfte jetzt problemlos auf die Ehrentribüne im Met-Life-Stadium gelangen. Und falls er da zufällig auch einmal dem Fifa-Boss begegnen sollte, dann kann er ihm vielleicht noch einmal etwas genauer erläutern, was es heißt, für einen Fußball zu kämpfen, der für jene da ist, „die dieses Spiel lieben“.

Aber vermutlich wäre diese Unterhaltung dann auch schnell wieder beendet. Als die Moderatoren von „Football Weekly“ nach seiner Meinung zu Gianni Infantino fragten, sagte Zohran Mamdani: „Wenn ich jetzt etwas sage, bekomme ich große Probleme.“