Handball-EM: Favorit Dänemark steht vor EM-Finale verletzungsbedingt unter Druck

Die deutschen Handballer sind nur noch ein Spiel von einer möglichen Goldmedaille bei der Handballeuropameisterschaft entfernt. Im Finale an diesem Sonntag ab 18 Uhr trifft die Auswahl von Bundestrainer Alfreð Gíslason auf den Topfavoriten Dänemark. Für das Team des Deutschen Handballbundes (DHB) wäre es der dritte EM-Titel nach 2004 und 2016. Die Dänen wollen dagegen nach vier WM-Titeln in Folge und dem Olympiasieg 2024 erstmals seit 2012 wieder Europameister werden.

Das deutsche Team hat vor dem Endspiel sichtlich Respekt vor dem Gegner. Torhüter Andreas Wolff sprach von einer „Über-Mannschaft“, Rune Dahmke vom „besten Team der Welt“ und Nils Lichtlein von den „eigentlich Unbesiegbaren“.

Die Dänen haben jedoch keine guten Erinnerungen an Herning als Finalstandort einer EM. Im Endspiel der Handballeuropameisterschaft 2014 hatten sie dort ebenfalls ein Heimspiel. Dieses verloren sie deutlich mit 32:41 gegen Frankreich.

„Wenn sie uns einmal schlagen wollen, dann am Sonntag“

Dänemarks Handball-Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen sieht sein Team trotz der klaren Favoritenrolle unter Druck – auch wegen verletzungsbedingten Ausfällen: „Wenn wir bei den Deutschen fünf Kreisläufer wegnehmen würden, hätten sie auch einige Herausforderungen“, sagte der frühere Bundesliga-Trainer. Über das deutsche Team fügte er hinzu: „Wenn sie uns einmal schlagen wollen, dann sollten sie versuchen, das am Sonntag zu tun.“

Während des Turniers fielen bei den Dänen bereits Lukas Jörgensen und Emil Bergholt aus, Andreas Magaard und Frederik Ladefoged aus dem erweiterten Kader sind ebenfalls nicht einsatzbereit. Im EM-Halbfinale gegen Island (31:28) fiel dann auch noch Simon Hald mit einem Gesichtstreffer aus. Am Samstag befand sich der ehemalige Flensburger noch im Krankenhaus, sein Einsatz ist fraglich. „Ich wäre natürlich mit einem anderen Bauchgefühl reingegangen, wenn wir nicht so viele Verletzungen hätten“, sagte Jacobsen.

Trotz aller Anspannung will Dänemarks Coach seinen Spielern Leichtigkeit mitgeben, gegen Deutschland hat sein Team seit zehn Jahren kein Pflichtspiel mehr verloren. „Der Druck ist nur positiv“, sagte er. „Diese Jungs müssen nichts beweisen, sie haben ja fast alles gewonnen und sollen eigentlich nur Spaß haben. Das ist das Wichtige. Darum hat man doch angefangen, Handball zu spielen.“

„Der Körper ist müde – aber ein Spiel geht noch“

Der dänische Welthandballer Mathias Gidsel ist aktuell mit 61 Toren aus acht Spielen der überragende Torjäger des Turniers. Er könnte im Endspiel den EM-Torrekord des Norwegers Sander Sagosen aus dem Jahr 2020 mit 65 Toren überbieten. Vor dem Finale sagte der Däne: „Klar, der Körper ist müde, aber ein Spiel geht noch. Wenn du in die Halle gehst und die Energie von 15.000 Leuten spürst, drückt dich das nach vorne.“

Sein Team wisse, dass es eine schwierige Aufgabe sei, sagte Gidsel weiter. „Das würde viel bedeuten, endlich diese Europameisterschaft zu holen. Hier zu Hause in dieser Kulisse ist das natürlich eine Riesenmöglichkeit für uns.“

Der dänische Hauptrundensieg über Deutschland am vergangenen Montag (31:26) spielt im Endspiel laut Gidsel ebensowenig eine Rolle wie der Kantersieg bei den Olympischen Spielen 2024 (39:26). „Es ist ein ganz anderes Spiel“, sagte der Welthandballer. Deutschland habe in den vergangenen anderthalb Jahren zwei Schritte nach vorn gemacht. „Wir haben einen riesigen Respekt vor der Aufgabe.“

Bundeskanzler hat sich für das Finale angekündigt

Unterstützung erhält das DHB-Team auch von vielen Prominenten: Der Fußballtorwart des FC Bayern München, Manuel Neuer, sagte nach dem Bundesligaspiel beim Hamburger SV am Samstagabend: „Ich habe viel Handball geschaut, ich drücke den Deutschen auf jeden Fall die Daumen, dass wir gegen Dänemark endlich gewinnen.“

„Alle hier in Handball-Deutschland drücken die Daumen. Wir vor dem Bildschirm geben alles, und die deutschen Fans in der Halle in Dänemark auch“, sagte der 39-Jährige. „Wir haben es auf jeden Fall verdient, und ich glaube, die Mannschaft ist auch sehr, sehr stark.“

Nach dem Finaleinzug der deutschen Mannschaft gab es darüber hinaus unter anderem Glückwünsche von Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der Kanzler kündigte dazu an, zum Endspiel anzureisen: „Ich freue mich auf das Finale am Sonntag in der Halle“, teilte er am Freitag in sozialen Netzwerken mit.

Warnstreiks verhindern Empfang der Handballer am Montag

Da mindestens die EM-Silbermedaille für das deutsche Team sicher ist, hatte der DHB nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa einen Empfang für die Handballer in Hannover oder Köln in Erwägung gezogen. Die erwarteten Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr durch einen bundesweiten Warnstreik verhindern das jedoch: „Planungen für einen großen Empfang in der Heimat musste der Deutsche Handballbund am Freitag stoppen“, teilte der DHB mit.

Stattdessen soll die Auswahl von Bundestrainer Alfreð Gíslason beim Länderspiel im Frühjahr geehrt werden. „Wir planen bereits jetzt rund um das nächste Heimländerspiel unserer Nationalmannschaft am 19. März in der Dortmunder Westfalenhalle ein Dankeschön für unsere Fans“, teilte der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober mit. Dann trifft die deutsche Mannschaft auf Ägypten.