TSV 1860 München: Schrankenlose Freiheit der Dauerparker in Giesing

Das Leben eines Sportjournalisten stellen Sie sich, liebe Leserin, lieber Leser, zu Recht als sehr aufregend vor. Lassen Sie sich gesagt sein: Sie machen sich gar keine Vorstellung. Ständig kann immer alles passieren, sogar mittwochmorgens.

Kaum ist der Rechner hochgefahren, schlägt es ein. Früher hatte es an dieser Stelle geheißen: schlägt die Nachricht ein wie eine Bombe, aber das ist aus vielerlei Sicht nicht passend. Heutzutage schlagen Nachrichten zum Beispiel ein, wie E-Mails einzuschlagen pflegen: in einem Pop-up-Fenster.

So frei kann man nur in Bayern sein

Was mag geschehen sein? Der Blick schärft sich, wir sind jetzt mittendrin in der weiten Welt der Pressemitteilungen. Hat Eintracht Frankfurt zugeschlagen auf dem Trainermarkt? Muss Leon Goretzka den FC Bayern verlassen? Weder noch. Was hier mittwochmorgens um neun einschlägt, verkündet Größeres, Wichtigeres, Nachhaltigeres: „Weniger Stau beim TSV – 1860 München parkt jetzt ohne Schranken“, heißt es in der Überschrift.

Hat sich bei 1860 München festgeparkt: Hasan Ismaik
Hat sich bei 1860 München festgeparkt: Hasan Ismaikdpa

Darf das denn wahr sein? Ja, es stimmt, lesen wir weiter. Schrankenloses Parken für die „Löwen“. Das muss sie sein, die Liberalitas Bavariae. Sie kennt keine Grenzen. Pardon, keine Schranken.

Den Dauerinvestor bekommen sie nicht vom Hof

Augenblick mal. Machen es sich diese schrankenlos auf den Giesinger Höhen parkenden „Löwen“ nicht arg bequem? „Beim TSV 1860 München wurden unbefugte Dauerparker zum Pro­blem“, schreibt die PR-Agentur, deren Bitte um Veröffentlichung wir angesichts der Brisanz des Themas gerne nachkommen.

Ja, sicher ist das Dauerparken das Problem der Sechziger. Hasan Ismaik zum Beispiel, den Dauerinvestor, bekommen sie nicht vom Hof, dabei wären sie ihn so gerne los. Im Grunde ist die Parkthematik doch eine Allegorie auf den Verein. Der TSV 1860 München ist der Dauerparker unter Deutschlands Fußballklubs. Jahr ein, Jahr aus geparkt in Liga drei – nun noch schrankenlos?

Soll hier grenzenlose Ambitionslosigkeit mit Raubtiermähne verkauft werden? Ist aus dem urbayerischsten aller Vereine der unbayerischste geworden? Lesen wir weiter: „Schilder dienen auf dem ganzen Gelände zur Orientierung.“ Ist das noch eine Pressemitteilung oder schon eine Fabel? Hätten Schilder dem Verein nicht längst zur Orientierung dienen müssen, spätestens mit dem Ausklingen der Feierlichkeiten zur Meisterschaft 1966?

Es wird mal wieder Zeit für ein Münchner Derby. Wir hören die Fans schon singen: Keine Schranken, viele Schilder, TSV.