SAP-Aktien stürzen ab: DAX im Minus durch KI-Sorgen

Wie sehr das Thema Künstliche Intelligenz die Aktienkurse treiben kann, hat sich nicht zuletzt abermals in dieser Woche gezeigt. Und dabei handelte es sich ausnahmsweise nicht um die bekannten Techunternehmen wie Nvidia oder einen der anderen sogenannten glorreichen Sieben aus den USA, sondern um den deutschen IT-Konzern SAP.

Am Donnerstag stürzte der SAP-Aktienkurs um sagenhafte 16,1 Prozent ab. Der Grund: Europas größtes Softwarehaus hatte zuvor für das laufende Jahr eine abermalige Verlangsamung für den Anstieg der Auftragseingänge des wichtigen Cloud-Geschäfts prognostiziert. Schon im abgelaufenen Jahr blieb das Volumen der neuen Verträge mit 21 Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurück. Mit diesen schlechten Nachrichten hatten Marktbeobachter offenbar nicht gerechnet und flüchteten aus dem Papier. Es zeigt auch, wie sehr das Thema KI derzeit bewegt – im Guten wie im Schlechten.

Dax durch SAP im Minus

SAP zog damit am Donnerstag sogar den Leitindex Dax mit 2,1 Prozent auf rund 24.310 Punkte ins Minus. „Wenn das größte Technologieunternehmen an der Frankfurter Börse mit KI-Phantasie in diesem Stadium bereits Zeichen einer Wachstumsabschwächung zeigt, kann der Dax nicht anders, als fast 500 Punkte zu verlieren“, kommentierte Christine Romar von CMC Markets. „Nicht nur, dass allein die Gewichtung von SAP numerisch für einen Großteil der Verluste verantwortlich ist, zusammen mit der Enttäuschung von Microsoft am Vorabend waren die Zahlen ein weiterer Stimmungskiller.“ Microsoft hatte nach Zahlenvorlage immerhin zehn Prozent eingebüßt.

Apropos Stimmungskiller: Just einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz bekam die Deutsche Bank in ihren Räumen in Frankfurt und Berlin am Mittwoch wegen des Verdachts der Geldwäsche Besuch vom Bundeskriminalamt. Besonders brisant: Laut „Süddeutscher Zeitung“ ging es bei der Razzia um mögliche Verfehlungen in der Geldwäschebekämpfung im Zusammenhang mit dem seit März 2022 in der EU sanktionierten russischen Milliardär Roman Abramowitsch. Da nützte es auch wenig, dass Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender Christian Sewing am Donnerstagmorgen eigentlich nur positive Nachrichten zu vermelden hatte: Auf ein Jahr der Rekorde folgt nach Einschätzung des Vorstands in diesem Jahr weiterer Gewinnzuwachs und mehr Dividende für die Aktionäre.

Auf der anderen Seite des Atlantiks sorgte die Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed derweil für Stimmung – ob für gute oder schlechte, liegt wohl im Auge des Betrachters. Bei ihrer ersten Entscheidung im laufenden Jahr votierte die Mehrheit des zwölfköpfigen Zentralbankrates der Fed dafür, den Leitzins in der Spanne zwischen 3,5 und 3,75 Prozent beizubehalten. Die Mehrheit der Volkswirte war von einem solchen Schritt ausgegangen. Die Abstimmung rückte allerdings ohnehin in den Hintergrund, als sich die Nachrichten verdichteten, der Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell, dessen Amtszeit regulär im Mai endet, werde benannt. Seit Monaten fordert der amerikanische Präsident die Senkung des Leitzinses – was zu einer Eskalation des Konfliktes zwischen den Notenbankern und im Speziellen Powell geführt hatte.

Edelmetalle mit Lieferschwierigkeiten

An den Märkten zeigte sich die Woche über daher viel Nervosität. Der amerikanische Dollar wertete zum Euro erstmals seit Juni 2021 wieder unter die symbolische Marke von 1,20 Dollar ab.

Gold und Silber – sichere Häfen in unsicheren Zeiten – erzielten hingegen Rekordpreise. Der Goldpreis übersprang locker die Marke von 5000 Dollar je Feinunze. Was zu Corona-Zeiten das Klopapier war, so berichteten Edelmetallhändler in dieser Woche hierzulande von wahren Anstürmen, sodass Barren und Münzen teilweise nur noch mit Verzögerung lieferbar waren.

Wohlwollende Stimmung zum Wochenausklang

Am Freitag folgte dann tatsächlich die Nachricht, dass US-Präsident Trump den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für den derzeitigen Notenbank-Chef Powell vorgeschlagen hat. Der US-Kongress muss Trumps Kandidaten noch bestätigen. Warsh arbeitete bei der Investmentbank Morgan Stanley, bevor er vom damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush als wirtschaftlicher Berater ins Weiße Haus geholt wurde. 2006 wurde er Mitglied im Zentralbankrat, dort galt er als Befürworter einer restriktiven Geldpolitik, also eher höherer Zinsraten, um die Inflation niedrig zu halten. Zuletzt übernahm er jedoch viele politische Positionen von Trump und zeigte sich unter anderem offen für Zinssenkungen.

An den Börsen zeigte sich zum Wochenende dann wieder etwas wohlwollendere Stimmung. Der Dax stieg am Nachmittag um 0,9 Prozent auf 24.521 Punkte. Positiver Ausreißer war hierzulande der Sportartikelkonzern Adidas, der mit seinen Geschäftszahlen überzeugen konnte. Der Adidas-Kurs legte zwischenzeitlich um gut fünf Prozent zu.