

Kiel. Ostseekai. MS Vasco da Gama ist bereit zum Auslaufen. Eine Woche Südnorwegen mit Stippvisite in Kopenhagen lautet das Programm. Kapitän Adrian Firsov manövriert das „schwimmende Hotel“ durch die Kieler Förde hinaus auf die Ostsee. Das nach dem portugiesischen Seefahrer benannte und mehr als 30 Jahre alte Kreuzfahrtschiff gehört nicht zu den großen Pötten. Es hat lediglich Platz für 1000 Passagiere. Die geräumigen Kabinen verteilen sich über fünf Decks. Das kulinarische und kulturelle Leben spielt sich überwiegend auf Deck sieben und acht ab. Hier befinden sich vier der fünf Restaurants, mehrere Bars und die Hollywood’s Show Lounge mit täglich wechselnden Vorstellungen. Sportlich geht es auf Deck elf mit Fitness-Center und Allwetterpool zu.
Wer à la carte frühstücken möchte, wählt das gediegene Waterfront-Restaurant. Büfett gibt es im Club Bistro. Es dominiert helles, legeres Design. Während des zweiten Milchkaffees kommt Kopenhagen in Sicht. Vom Liegeplatz am Langeliniekai sind es wenige Minuten Fußweg bis zum Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt „Den Lille Havfrue“. Einsam kauert die 125 Zentimeter große Bronzeskulptur auf einem Stein im Wasser. Aber allein scheint „Die Kleine Meerjungfrau“ nie zu sein. Den perfekten Überblick gibt es vom „Runden Turm“ in der Købmagergade. 1642 ließ König Christian IV. von Dänemark und Norwegen ihn als Observatorium errichten. Weiter geht‘s zum „Nyhavn“, wo früher die Handelssegler ihre Güter löschten. Für die aufkommenden Dampfschiffe wurde der Hafen zu eng und verkam zum Rotlichtmilieu mit schmuddeligen Spelunken. In den inzwischen aufgehübschten, farbenfrohen Häusern reihen sich Cafés, Speiselokale und Bars aneinander.
Durch den Öresund nimmt Kapitän Firsov Kurs Richtung Kattegat und Skagerrak. Ab Letzterem wird es unruhiger unterm Kiel. Kristiansand ganz im Süden Norwegens ist das Ziel. Nach 150 weiteren Seemeilen Einfahrt in den Gandsfjord. Rund um die Øvre Strandgate in Stavangers Altstadt leuchten schmucke, weiß getünchte Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mittendrin steht das „Iddis“, das Norwegische Grafik- und Konservenmuseum. Statt „Etikett“ benutzte man im Raum Stavanger umgangssprachlich das Wort „Iddikett“, das später zu „Iddis“ verkürzt wurde. In einem ehemaligen Fabrikgebäude wird gezeigt, wie Sprotten oder „Norwegische Sardinen“ in die Büchse kamen. Für eine bessere Vermarktung benötigte man ansprechendes Briefpapier, Kataloge und für die Dosen und Verpackungen farbige „Iddes“. Das war der Grundstein für ein umfangreiches Druckgewerbe.
1969 wurde das erste Ölfeld „Ekofisk“ in der Nordsee entdeckt. Erdöl und -gas machten Norwegen zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Die Architektur des „Norwegischen Erdölmuseums“ erinnert an eine Bohrplattform in der Nordsee. Anhand von Schautafeln, Filmen oder interaktiven Spielen erfahren Besucher, welche geologischen Entwicklungen zum „schwarzen Gold“ führten.
Abstecher in den mit 180 Kilometern zweitlängsten Fjord des Landes, den Hardangerfjord: In einem Seitenarm duckt sich das Örtchen Ulvik unter den bis zu 1400 Meter hohen Bergen. Die Vasco da Gama liegt auf Reede. Tenderboote bringen die Passagiere an Land. Bäume mit gelbgrünen und rotbackigen Äpfeln säumen die Obst- und Cider-Route. Drei Obstbauern gibt es im Dorf. Einer von ihnen ist Nils Lekve. „Früher bauten wir auch Birnen und Pflaumen auf unseren sechs Hektar an, inzwischen nur noch Äpfel“, berichtet er. „Unsere Hauptsorten sind Gravensteiner, Summerred und Aroma. Sie sind ideal, um daraus Apfelsaft, Cider, Dessertwein, Likör und Schnaps herzustellen.“
Die letzte Station heißt Bergen. „Europas regenreichste Stadt“, sagt Gästeführerin Jeana Grzendek: „2020 fertigte man zur 950-Jahr-Feier sogar einige Kanaldeckel mit gusseisernen Regentropfen an.“ Doch beim Blick vom Hausberg Floyen glitzert die Sonne im Wasser des Byfjords. Hauptattraktion sind die buntgestrichenen Holzhäuser des einstiegen Handelszentrums „Bryggen“. „Es war ein Außenposten deutscher Hansekaufleute“, erklärt Jeana Grzendek: „1349 kam die Pest nach Bergen. Aufgrund des daraus resultierenden Männermangels erhielten deutsche Kaufleute das Privileg, in Bergen ein Kontor zu gründen.“ Sie blieben 400 Jahre und exportierten Stockfisch (getrockneten Kabeljau), Lebertran und Roggen von den Lofoten nach ganz Europa und brachten Getreide, Salz, Gewürze, Bier, Wein, Textilien ins Land. 1702 legte ein Feuer die Höfe in Schutt und Asche. Bryggen wurde im alten Stil wiedererrichtet. Leider folgten weitere Brände und Abrisse. Heute gehören noch rund 60 Gebäude zum Unesco-Weltkulturerbe, in denen sich kleine Läden, Kunstateliers, Handwerksbetriebe, Büros befinden. Im Hanseatischen Museum und in den Schøtstuben wird die Geschichte dieses historischen Stadtteils präsentiert.
Der Weg über die Nordsee bis Hamburg ist weit. 460 Seemeilen bedeuten 38 Stunden Seefahrt. Die Nordsee ist kabbelig. Windstärke 6. Die Vasco da Gama knarzt, ächzt und schaukelt. Im Traum erscheint ein altes Segelschiff. Am Ruder scheint der portugiesische Seefahrer zu stehen, der vor rund 530 Jahren das Kap der Guten Hoffnung umsegelte und den Seeweg nach Indien entdeckte.
Die Reise wurde von Nicko Cruises unterstützt.
