Kevin Warsh: Der gezähmte Falke

Man muss es Donald Trump lassen: Als ehemaliger Reality-TV-Star weiß er, wie man die Spannung von Episode zu Episode steigert, um schließlich die Show mit einem Knalleffekt zu beenden. Und so lief es auch bei seiner Suche nach einem neuen Chef für die US-Notenbank Fed. Über Monate ließ er die Handvoll Kandidaten für den Posten des obersten Geldpolitikers im Weißen Haus vorsprechen und lobte mal diesen, mal jenen. 

Noch vor kurzem ließ er durchblicken, dass Kevin Hassett, sein Chef-Wirtschaftsberater und ein loyaler Gefolgsmann des Präsidenten, zur Fed wechseln würde. Die Loyalität wurde Hassett wohl zum Verhängnis. Die Finanzmärkte reagierten beunruhigt angesichts der Vorstellung, unter Hassett könnte die Fed letztlich zur Hausbank des Präsidenten werden. Zwar versuchte Hassett den unmöglichen Spagat, indem er einerseits durchblicken ließ, dass er Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen zustimmte, andererseits aber versicherte, unter seiner Führung bleibe die Notenbank trotzdem unabhängig.