Gesundheitsdatenbanken in den USA: Viele nicht mehr aktuell – Gesundheit

In den USA werden Dutzende Datenbanken zu wichtigen Gesundheitsthemen bereits seit Monaten nicht mehr aktualisiert. Beim Großteil der betroffenen Register handelt es sich um Datensammlungen, in denen es um Impfungen geht. Das berichtet ein Team von US-Wissenschaftlern im Fachmagazin Annals of Internal Medicine. Die Autoren um die Juristin Janet Freilich von der Boston University und den Immunologen Jeremy W. Jacobs von der Vanderbilt University haben sich 82 öffentlich zugängliche Datenbanken der US-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) angesehen, die zuvor mindestens monatlich aktualisiert worden waren.

Zum Zeitpunkt der Analyse, Ende Oktober 2025, war demnach nur gut die Hälfte dieser Register auf dem neuesten Stand. 38 der 82 Datenbanken, also fast jede zweite, wurden hingegen nicht mehr befüllt; von ihnen lag der allergrößte Teil, nämlich 34, bereits seit mehr als sechs Monaten brach. Bis Anfang Dezember 2025 erhielt nur eine der 38 Datenbanken dann doch noch einen neuen Eintrag.

„Die nicht begründeten Pausierungen begannen vornehmlich im März und April 2025, kurz nachdem Herr Trump die Präsidentschaft übernommen und Herr Kennedy als Gesundheitsminister bestätigt wurde“, schreiben die Autoren. Ob die Unterbrechung in der Datenpflege durch den als Impfskeptiker bekannten Robert F. Kennedy Jr. angeordnet wurde oder eine Folge der Massenentlassungen ist, die kurz nach dem Machtwechsel in den Gesundheitsbehörden um sich griffen, können die Autoren nicht klären. Erst kürzlich hat Kennedy die Zahl der empfohlenen Impfungen für Kinder zusammengestrichen.

Auffällig ist jedoch, dass vor allem Datenbanken betroffen sind, in denen es ums Impfen geht – nämlich bei 33 der 38 nicht mehr aktualisierten Datenbanken. Sie erfassen zum Beispiel die Impfquoten gegen Krankheiten wie Covid-19, RSV und Influenza. Die fünf übrigen pausierenden Register handeln von Atemwegserkrankungen. In einem Fall werden etwa die Fälle von Atemwegserkrankungen in Notaufnahmen erfasst, sodass schwere Grippe– oder RSV-Wellen frühzeitig erkannt und Maßnahmen ergriffen werden können. Eine weitere sammelte die Zahl der Todesfälle infolge von Drogenüberdosierung. Von den 44 weiterhin aktualisierten Datenbanken handelt hingegen keine einzige vom Impfen.

„Eine selektive Unterdrückung wichtiger Daten“

Das Geschehen sei insgesamt besorgniserregend, schreiben die Autoren. Die Echtzeit-Überwachung von Krankheiten und der Gesundheitsversorgung sei eine wichtige Information für Ärzte und Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Hier finde gerade eine „Erosion“ statt. Solche langen Pausen könnten die Evidenz für Entscheidungen durch Ärzte, Verwaltungen, Berufsorganisationen und politische Entscheidungsträger kompromittieren. „Öffentliche Datenbanken sollten minimale Transparenzstandards erfüllen, darunter auch den Aktualitätsstatus und eine Begründung für eine etwaige Pause liefern“, schreiben sie. Ohne solche Standards werde bei der Erfassung von Risiken die evidenzbasierte Medizin ausgehöhlt und das öffentliche Vertrauen noch dazu.

Dies sei eine selektive Unterdrückung wichtiger Daten, bemängelt auch Jeanne Marrazzo von der Amerikanischen Gesellschaft zur Erforschung von Infektionskrankheiten die Ergebnisse in einem begleitenden Kommentar. Die CDC sei über Jahrzehnte international eine höchst anerkannte Behörde gewesen und habe eine Vorreiterrolle für die öffentliche Gesundheit gespielt, so die frühere Direktorin des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, die im September 2025 von Kennedy abgesetzt worden ist. Nun sei den CDC nicht mehr zu vertrauen. „Die Folgen werden verheerend sein“, prophezeite sie. Denn wenn Daten fehlen, könnten sich verändernde und stärker werdende Gesundheitsrisiken nicht rechtzeitig erkannt werden.