Gesundheit: Nicht, dass es am Ende einen staatlichen Zwang zum Hobby gibt

Ist ein Hobby nur ein schöner Freizeitspaß? Ein internationales Forscherteam wollte wissen, ob es auch auf andere Lebensbereiche wirkt – und kam zu einem überraschenden Ergebnis, das auch die Politik kennen sollte.

Keine Frage, ein Hobby kann einen Menschen in seiner Freizeit sehr glücklich machen. Forscher der Universitäten in Norwich (England) und in Rotterdam (Niederlande) wollten nun jedoch wissen: Ist das alles? Oder gibt es darüber hinaus weitere positive Effekte auf andere Lebensbereiche?

Sie baten daher 200 berufstätige Erwachsene sich ein kurzes Video anzuschauen, in dem sie angeleitet wurden, ihr Hobby noch sinnvoller zu gestalten – etwa dadurch, dass sie sich eigene Ziele setzten: neue Fähigkeiten erlernen, das Hobby gemeinsam mit anderen ausüben, Feedback einholen. Das Durchschnittsalter der Frauen und Männer lag bei 46 Jahren.

Fünf Wochen lang wurden die Teilnehmer regelmäßig befragt, wie ihr Plan der Hobby-Optimierung verlief, was gut funktionierte, was sie verbessern wollten. Zudem sollten sie angeben, wie sie sich in ihrem Privatleben und am Arbeitsplatz fühlten. Die Antworten wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen.

Und tatsächlich, so berichten die Forscher im Fachmagazin „Human Relations“, fühlten sich die Teilnehmer der Studie insgesamt wohler und erfüllter. Sie verfolgten nicht nur ihr Hobby mit mehr Engagement. Sie berichteten auch davon, bei ihrer Arbeit kreativer zu sein. Und sie hatten das Gefühl, dass ihre Arbeit ihnen mehr Sinn und ihrer Tätigkeit mehr Wert verlieh.

Die Studienergebnisse legen nahe, dass Hobbys weit über Entspannung oder Vergnügen hinausgehen: Sie unterstützen Menschen bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung. Besonders überraschte die Forscher, dass sich kreatives Gestalten in der Freizeit sogar stärker auf die Arbeit als auf das Privatleben auswirkte. Studienleiterin Paraskevas Petrou erklärte: „Was wir in unserer Freizeit lernen, kann uns zu besseren und zufriedeneren Mitarbeitern machen.“

Von einer erfüllenden Freizeit können offensichtlich Mitarbeiter und Arbeitgeber gleichermaßen profitieren. Das klingt nach einer verlockenden Win-win-Situation. Damit individuelle Hobbys jedoch ihre positive Wirkung auf Kreativität und Zufriedenheit erzielen können, muss es dafür genügend Raum und Zeit geben.

Das sollte auch bedacht werden, wenn jetzt das Recht auf Teilzeit zur Disposition gestellt und in der Politik auch darüber diskutiert wird, den starren Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Die Aufwertung der Freizeit darf aber nicht dazu führen, dass es dem Arbeitsplatz zuliebe am Ende noch einen staatlichen Zwang zum Hobby gibt.