Lauren Sánchez Bezos in Paris: Kann man sich den Status als Fashionista kaufen?

Bei Modenschauen der großen Marken mangelt es meist nicht an Prominenten. Doch für das Star-Aufgebot der Haute-Couture-Woche in Paris, die gerade zu Ende gegangen ist, wäre so mancher internationale Filmpreis dankbar.

Nun ist es nicht einfach, modisch zwischen Tilda Swinton, Dua Lipa, Dakota Johnson, Rihanna, Jennifer Lawrence und Nicole Kidman hervorzustechen. Doch besonders über die Outfits einer Frau streitet sich gerade das Internet fast so sehr wie darüber, ob Jonathan Anderson bei Dior oder Matthieu Blazy bei Chanel das stärkere Couture-Debüt lieferte. Die Rede ist von Lauren Sánchez Bezos, preisgekrönte Journalistin, nach eigenen Angaben Hubschrauberpilotin und nun hauptberuflich Ehefrau von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der, je nachdem, wie es gerade bei Tesla und Facebook läuft, mal der reichste Mann der Welt ist, mal mit seinem Vermögen von grob 250 Milliarden auf Platz drei landet.

Kann sie die Modewelt beeinflussen?

Damit kann man sich eine Menge Haute Couture leisten, wo ein Kleid in etwa so viel kostet wie ein Klein- oder gar ein Mittelklassewagen. In den handgefertigten Einzelstücken stecken Tausende Arbeitsstunden und in Jahrzehnten angesammeltes Savoir-faire, bis die Plisseefalten perfekt gebrannt, die Federn genau richtig ausgefranst, feine Stickereien und zarte Blüten aus Seide gefertigt sind.

Sie kommt natürlich in Dior: Lauren Sánchez bei der Couture-Schau der Luxusmarke am Montag
Sie kommt natürlich in Dior: Lauren Sánchez bei der Couture-Schau der Luxusmarke am MontagAFP

Ob Sánchez Bezos aus den aktuellen Kollektionen geordert hat, bleibt ihr Geheimnis – wie bei den meisten Kundinnen der Couturiers. Allerdings trägt sie gern Schiaparelli und soll das Atelier besucht haben. Gesehen hat man sie auch mit dem Stylisten Law Roach, der das Buch „How to Build a Fashion Icon“ geschrieben hat. Das scheinen auch Sánchez Bezos’ Ambitionen zu sein. Wenn über ihre Outfits bei den Defilees der Woche diskutiert wird, ist viel Häme im Spiel. Doch es geht auch darum, wie sie die Modewelt und deren Selbstverständnis als Kunstform beeinflussen könnte.

„Stil kann man sich nicht kaufen“

Sánchez Bezos’ Stil könnte man freundlich als Wiederbelebung des Mob-Wife-Trends der letzten Jahre verstehen. Böse Zungen im Internet bemerken, sie sei der lebende Beweis, dass man sich Stil nicht kaufen kann – und auch Haute Couture nach Amazon aussehen kann.

Sánchez Bezos hat eine Schwäche für Kostüme mit tiefem Dekolleté und hautengem Rock, wie sie in den vielen verschiedenen Outfits in den wenigen Tagen in Paris demonstrierte. Am elegantesten wirkt das bei einem rot-weiß karierten Versace-Kostüm aus ausgefranstem Tweed. Schwierig ist hingegen ein voluminöses Bolero-Jäckchen aus Pelz im Dalmatiner-Muster, das sie zu einem Restaurant-Besuch ausführte.

Bei der Show von Schiaparelli am Montag präsentierte sie ein rotes Kostüm, der Rock reicht bis zur Wade. Spannend sind die prominent aufgesetzten, etwas ausgebeulten Taschen und vor allem die beigefarbene Lederhandtasche, die sie dazu in der Hand trägt: kastenförmig wie ein kleiner Koffer mit goldener Nase, Augen und Mund. Echt surrealistisch à la Schiaparelli.

Mit Pelzkragen und Spitzen-BH

Bevor es gegen Mittag ins Musée Rodin geht, zum Couture-Debüt von Jonathan Anderson bei Dior, wechselt sie in ein taubengraues Vintage-Kostüm, natürlich von Dior. Unter dem üppigen Pelzkragen mit dem schmalen Taillengürtel blitzt der Spitzen-BH hervor. Danach geht es zum Händeschütteln und Fotomachen mit Jonathan Anderson persönlich und Delphine Arnault, der CEO von Dior. Und bei den Defilees selbst sitzt Sánchez Bezos meist in der Nähe von Anna Wintour.

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Im Internet ist man empört über diesen angeblichen Ausverkauf der Mode. Kann man sich den Status als Fashionista einfach kaufen? Sánchez Bezos und ihr Ehemann hatten angekündigt, in diesem Jahr die Met-Gala zu sponsern, deren Gästeliste streng von Anna Wintour überwacht wird. Besonders stieß es der Netzgemeinde auf, dass Wintour zu einer Schau gemeinsam mit Lauren Sánchez in der Limousine vorfuhr. Wintour-Biographin Amy Odell spricht sogar auf Instagram vom „Ende einer Ära“. Früher habe man sich nicht in die Met-Gala einkaufen können.

Anna Wintour beschreibt Sánchez Bezos laut CNN diplomatisch als „große Liebhaberin von Mode“. Damit hat sie nicht unrecht, immerhin steckt Sánchez Bezos viel Geld in die Designer – und das ist dort willkommen. Zu ihrer Hochzeit trug sie etwa eine Maßanfertigung von Dolce & Gabbana, die Anna Wintour zumindest auf digitale „Vogue“-Cover hob.

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Gerade die Haute Couture ist angewiesen auf die Millionäre und Milliardäre, ob sie aus den USA, aus China oder dem Nahen Osten kommen. Wer sonst kann 50.000 Euro für ein Kleid ausgeben? Trotz all dem Glamour ist die hohe Schneiderkunst kein lukratives Geschäft. Manche Häuser haben ganz damit aufgehört, etwa Yves Saint Laurent. Dieses Jahr sagte Giambattista Valli seine Show kurzfristig ab, womöglich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten. Wenn diese Handwerkskunst am Leben gehalten werden soll, muss jemand die Rechnung zahlen.

Man mag ihren Stil so geschmacklos finden wie die Geschäftsmethoden ihres Ehemanns. Das Verhältnis von Moral und Mode war jedoch immer kompliziert. Das sieht man auch in dieser Haute-Couture-Woche: Die Models sind abgemagert wie eh und je. Der letzte Rest der viel beschworenen Body Positivity ist das eine Ex-Topmodel über 40, das als Alibi hier und da über den Laufsteg geschickt wird.

Warum also regen sich die Menschen in den sozialen Medien so auf? Mode ist eine angewandte Kunstform, die auch den Kundinnen gefallen muss, auf die sie angewendet wird. Philanthropische Events wie die Met-Gala zu sponsern, scheint nicht der schlechteste Weg für Sánchez Bezos, ihr Geld zu investieren. Klar ist, dass niemandem die Mode allein gehört, weder den Reichen noch den Fans der Designer – noch jenen, die ihr ganzes Leben auf die eine Traumtasche sparen oder davon nur träumen.