All: „Paradebeispiel“ – Daten aus stillgelegtem Nasa-Teleskop liefern zweite, wohl bewohnbare Erde

Noch immer werten Forscher Daten des ehemaligen Weltraumteleskops Kepler aus. Nun gelang eine seltene Entdeckung: ein potenziell bewohnbarer Planet namens HD 137010 b. Das Team hatte zunächst nicht geglaubt, dass die Entdeckung „wahr sein könnte“.

Unsere Erde ist einzigartig. Doch Wissenschaftler suchen weiterhin nach anderen Planeten, die potenziell bewohnbar sind. Bereits im April 2014 entdeckten Forscher den Planeten Kepler-186f – den ersten lebensfreundlichen Erdzwilling.

Doch kürzlich machte ein Forschungsteam eine weitere, sensationelle Entdeckung: Ein erdähnlicher Planet mit dem Namen HD 137010 b, der sich deutlich näher an der Erde befindet und 20 Mal lichtstärker ist als der Kepler-186f. Der neue Fund ist somit der erste bekannte mögliche Planet, der etwa so groß ist wie die Erde und seinen Stern in einem ähnlichen Abstand wie die Erde die Sonne umkreist.

Ein internationales Forscherteam veröffentlichte kürzlich ihre Forschungsergebnisse in dem Fachmagazin „Astrophysical Journal Letters“. Der Planet gilt vorerst als „Kandidat“, weil es bislang nur Hinweise auf seine Existenz, aber noch keine bestätigenden Beweise gibt. Seine Umlaufzeit dürfte ein Jahr betragen, ähnlich wie die der Erde, schreibt die Nasa in einer Mitteilung.

Das Team habe zunächst nicht geglaubt, dass die Entdeckung „wahr sein könnte“, wird Studienleiter Alexander Venner im britischen „Guardian“ zitiert. Die Daten des Weltraumteleskops Kepler zeigten einen Stern, der sich für eine Dauer von zehn Stunden im Schatten befand – ein deutliches Zeichen dafür, dass ein Planet vor ihm vorbeizieht und den Stern umrundet. Zum Vergleich: die Erde benötigt etwa 13 Stunden, um vor der Sonne vorbeizuziehen. Beim HD 137010 b beobachtete das Team nur ein einziges Vorbeiziehen in den vorliegenden Daten.

„Aber wir haben alles doppelt und dreifach überprüft, und es ist ein Paradebeispiel für einen Planetentransit“, so Venner. Ganz sicher ist man aber erst, wenn man das Vorbeiziehen mehrmals beobachtet, heißt es in der Mitteilung. „Das wirklich Spannende an diesem erdgroßen Planeten ist, dass sein Stern nur etwa 150 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt ist“, sagte Chelsea Huang, Mitautorin der Studie gegenüber dem „Guardian“.

Die Forscher schließen nicht aus, dass HD 137010 b trotz möglicher Kältebedingungen ein mäßig temperierter oder sogar wasserreicher Planet sein könnte. Modellrechnungen zeigen, dass die Chance bei 40 Prozent liegt, dass sich der Planet in der enger definierten bewohnbaren Zone befindet. Allerdings bekommt der HD 137010 b deutlich weniger Licht von seinem Stern als die Erde von der Sonne, weshalb auf dem erdähnlichen Planeten eisige Temperaturen herrschen könnten.

Ob es trotzdem flüssiges Wasser geben kann, hängt stark von der Atmosphäre ab. Hat der Planet eine dicke Atmosphäre mit viel Kohlendioxid, könnte diese wie eine Wärmedecke wirken und den Planeten aufheizen; mit einer dünneren, erdähnlichen Atmosphäre wäre er dagegen wahrscheinlich ein gefrorener „Schneeball-Planet“, heißt es in der Studie.

Das Nasa-Weltraumteleskop Kepler wird seit 2018 nicht mehr aktiv betrieben und sammelt seitdem keine wissenschaftlichen Daten mehr – seine Mission ist offiziell beendet. Doch das Forschungsteam wertet noch immer Daten aus, die das Teleskop auf seiner Weltraumreise zwischen 2009 und 2018 gesammelt hat. So entdeckten sie den Kandidatenplaneten: den möglichen Gesteinsplaneten, der etwas größer als die Erde ist.