Nach den schweren Vorwürfen im Turnen am Stuttgarter Bundesstützpunkt sind neben Trainern jetzt auch Funktionäre in den Fokus der Justiz geraten. Wie der Deutsche Turner-Bund (DTB) mitteilte, sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen der von etlichen Turnerinnen angeprangerten Missstände ausgeweitet worden und richten sich auch gegen den Verbandspräsidenten Alfons Hölzl und Sportvorstand Thomas Gutekunst. „Der Präsident und der Vorstand des DTB haben das Präsidium hierüber unterrichtet“, teilte der DTB mit: „Der DTB ist nebenbeteiligt. Gegenstand des Ermittlungsverfahrens sind Sachverhalte am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart.“
Hölzl zeigte sich in einer Stellungnahme überrascht und sieht keinen Anlass, von seinem Amt zurücktreten oder es ruhen zu lassen. „Die mir bislang bekannten Details kann ich weder im Sachverhalt noch hinsichtlich einer möglichen Pflichtverletzung nachvollziehen“, erklärte Hölzl. „Mein Fokus liegt weiterhin auf einer verantwortungsvollen und störungsfreien Amtsausübung im Interesse des Verbandes.“ Er sagte zu, mit den Ermittlungsbehörden in vollem Umfang zu kooperieren. Hölzl betonte in der Mitteilung, die sein Anwalt verbreitete, dass für ihn wie alle Beteiligten die Unschuldsvermutung gelte.
Der DTB erklärte, er habe seine Anwälte beauftragt, die derzeit vorliegenden Informationen der Staatsanwaltschaft Stuttgart zu prüfen. „Erst auf dieser Grundlage kann der DTB über das weitere Vorgehen entscheiden“, hieß es. Der Verband wies darauf hin, dass für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung gelte. „Die aktuellen Entwicklungen nehmen wir sehr ernst. Der DTB wird die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart selbstverständlich weiterhin unterstützen“, hieß es in der Mitteilung.
Zuvor hatte bereits der Schwäbische Turnerbund (STB) mitgeteilt, dass die Ermittlungen sich auch gegen Funktionsträger des Landesverbandes richteten. „Den Funktionsträgern wird vorgeworfen, ihrer organisatorischen Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein“, hieß es in der STB-Mitteilung. Der Verband wies dies zurück und betonte ebenfalls, dass bis zum Abschluss der Ermittlungen die Unschuldsvermutung gelte. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart äußerte sich am Dienstag auf Anfrage vorerst nicht zu den Ermittlungen.
Hintergrund ist, dass kurz vor Weihnachten 2024 etliche ehemalige und aktive Turnerinnen Vorwürfe über das Training zunächst am Stützpunkt Stuttgart, dann am Stützpunkt Mannheim erhoben. Kritisiert wurden unter anderem „systematischer körperlicher und mentaler Missbrauch“. Schon Anfang Februar 2025 waren die Ermittlungen aufgenommen worden. Bisher richteten sich diese allerdings nur gegen Trainer. Als personelle Konsequenzen hatte der STB Trainer von ihren Aufgaben entbunden.
