Onewater: Fotowettbewerb zum Thema Wasser und Umwelt

Wasserknappheit war gestern, heute spricht man, so wie es die UN unlängst taten, vom „Wasserbankrott“. Weder an das Wort noch an den Zustand, den es beschreibt, wird man sich gewöhnen wollen. Andererseits gibt es die Warnung, dass künftig Kriege um Wasser geführt würden, schon seit fünf Jahrzehnten. Eine neue Generation von Wissenschaftlern geht nun mit neuen Mitteln an Werk, aktive Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Man findet sie etwa auch bei der gemeinnützigen Unternehmensgesellschaft Onewater.blue, die vor sechs Jahren von zwei Kommilitonen an der Universität Oxford gegründet wurde, der Italienerin Silvia Cardascia und dem Deutschen Christian Fischer. Der Lockdown habe dazu geführt, dass man mehr Zeit hatte, sich über die Zeit nach dem Studium Gedanken zu machen, erzählt Fischer. Zunächst sei ein Blog rund um das Thema Wasser entstanden, bald seien immer mehr Interessierte dazugestoßen, die sich engagieren wollten.

Heute ist Onewater auf drei Kontinenten vertreten, in Europa, Afrika und Nordamerika, ein weltumspannendes Netzwerk mit 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern und einer Handvoll Hauptamtlicher, die sich um die Redaktion der eingereichten Textbeiträge und Fotoserien kümmern, Artikel in bis zu fünfzehn Sprachen übersetzen. Hier schreiben und diskutieren Wissenschaftler und Laien in maximaler thematischer Bandbreite über Wasser, es geht um lokale Projekte, Geschichte, Fauna und ums große Ganze.

Wasser in all seinen Formen und Aggregatszuständen wird untersucht

„Wir sind eine soziale Unternehmung“, sagt Fischer, der den Begriff NGO nicht sonderlich mag, weil er so wenig sagt. Der Zuwachs an Expertise trägt Früchte, der Bekanntheitsgrad wächst. So hat man vor zwei Jahren ein Symposium über die Zukunft der Alpenflüsse mit Fachleuten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich ausgerichtet, und vergangenes Jahr war Onewater an einer Studie im Auftrag des Bundeslands Brandenburg beteiligt, die den „Wasserverbrauch im Kontext der Wasserstoffproduktion“ untersuchte.

Die Früchte des Meeres: Joan de la Mallas Aufnahme zeigt einen Fischmarkt in Kambodscha
Die Früchte des Meeres: Joan de la Mallas Aufnahme zeigt einen Fischmarkt in KambodschaJoan de la Malla

Christian Fischer, Jahrgang 1991, hat nach seinem Master in Water Science, Policy and Management eine Stelle als Berater bei der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) angetreten. Das 1966 gegründete, multilaterale Finanzinstitut mit Hauptsitz Manila, dem mit Ausnahme Russlands und Nordkoreas so gut wie alle asiatischen Staaten angehören, fördert Entwicklungsprojekte unterschiedlichster Art und Größenordnung. Zuletzt war Fischer viel in China und auf den Philippinen unterwegs. Als Beispiel nennt er ein Projekt in der Mongolei, in dem es um den Bau von Wasserleitungen und -sammelbecken ging, die Hirten und ihren Kamelherden den Aufstieg in die Berge ersparen. Die strategische Ausrichtung der Bank ziele, sagt Fischer, auf „nature positive investments“ zum Erhalt von Bodenschätzen und Artenvielfalt. In Sri Lanka sei man aktuell damit beschäftigt, die Wiederaufforstung als vordringliches Regierungsziel zu unterstützen – der Zyklon „Ditwah“ hat Ende November die Insel verwüstet. Um künftig Hangrutsche zu verhindern, brauche es dringend Maßnahmen.

Malerischer, aber harter Alltag: Die langen Wege für Wasser, Holz und Lebensmittel in Tansania dokumentierte Sameer Satchu
Malerischer, aber harter Alltag: Die langen Wege für Wasser, Holz und Lebensmittel in Tansania dokumentierte Sameer SatchuSameer Satchu

2021 hat Onewater einen Fotowettbewerb ins Leben gerufen, um seinem Anliegen zu größerer Sichtbarkeit zu verhelfen. Mittlerweile mit beachtlichen Teilnehmerzahlen. Unterstützt wird der Wettbewerb vom UNESCO World Water Assessment Programme und der ADB sowie privatwirtschaftlichen und institutionellen Zustiftern wie der Wasserstiftung mit Sitz in München. Der jüngste Jahrgang stand unter dem Motto „Walk of Water“, die Preisträger des Jahres 2025 wurden am heutigen Montag bekannt gegeben. Teilgenommen haben 800 Fotografen aus 115 Ländern, die meisten aus dem Bereich Dokumentarfotografie: Es geht um – neudeutsch – Storytelling, weniger um l’art pour l’art. Eine fünfzehnköpfige Jury prämierte in der Kategorie „Global“ die in Schleswig-Holstein arbeitende Fotografin Kristina Steiner mit dem ersten Preis – für ihre Serie „Paardenvissers“, berittene Shrimpsfischer, fotografiert bei ihrer traditionsreichen, hoch konzentrierten Arbeit im belgischen Küstenort Ostdünkirchen. Der erste Preis in der Kategorie „Sea“ geht an den in Südostasien arbeitenden Italiener Giacomo d’Orlando, der dokumentiert, wie Einheimische erfolgreich um das Überleben des vom Aussterben bedrohten Philippinen-Krokodils ringen.

Jäger der Shrimps: Kristina Steiners preisgekrönter Garnelenfischer aus der Serie „Paardenvissers“
Jäger der Shrimps: Kristina Steiners preisgekrönter Garnelenfischer aus der Serie „Paardenvissers“Kristina Steiner

Onewater hat für den Wettbewerb das Qualitätssiegel „Human made“ eingeführt, um zu gewährleisten, dass nicht von einer KI generierte Bilder zum Zug kommen – unter den Einreichungen waren tatsächlich nicht gekennzeichnete Bilder. Dotiert war die Auszeichnung in diesem Jahr mit insgesamt 10.000, für den Hauptpreis gab es 3000 Euro – eine Halbierung der Preisgelder im Vergleich zum Vorjahr. Die Schließung der amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID durch die Regierung Trump wirke weltweit wie ein Flächenbrand, rund um den Globus würden Zuschüsse gestrichen. Bankrotte, so weit das Auge reicht.