Deutschland soll eigene Internet-Satelliten bekommen – Wirtschaft

Dass die Bundeswehr ein eigenes Satellitensystem für ein sicheres Breitbandinternet aus dem All aufbauen möchte, wird konkreter. Generalmajor Michael Traut, der das Weltraumkommando der Bundeswehr führt, hatte erst kürzlich im SZ-Interview von einer eigenen militärischen Kommunikation gesprochen – neben den geplanten Internetsatelliten der Europäischen Kommission namens Iris². „Je mehr, desto besser. All das steigert unsere Abwehrbereitschaft“, sagte er. „Ich denke da an eine dreistellige Zahl von Satelliten.“ Das Projekt soll „ein signifikanter Anteil“ auf der 35-Milliarden-Euro-Liste von Verteidigungsminister Boris Pistorius sein, so Traut. Dem Vernehmen nach sollen die Satelliten auf verschiedenen Höhen unterwegs sein und voraussichtlich jeweils rund 450 Kilogramm wiegen. Letztlich will man damit auch eine Alternative zu Elon Musks Internetsystem Starlink schaffen.

Ein möglicher Satellitenbauer könnte das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB sei. Es hat am Montag bestätigt, dass es „laufende Gespräche mit dem Rheinmetall-Konzern zu einer Kooperation für die Beteiligung an möglichen Vergabeverfahren der öffentlichen Hand“ gebe. Financial Times und Handelsblatt hatten zuvor unter Bezug auf Insider berichtet, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall und OHB über Pläne ‍für den gemeinsamen Bau des Satellitensystems „SatcomBW-4“ für die Bundeswehr spreche. Man wolle sich gemeinsam um diesen Auftrag bewerben, hieß es. Der Auftragswert könnte bei bis zu zehn Milliarden Euro
liegen. Die OHB-Aktie gewann deutlich und notierte zeitweise bei 240 Euro, am Freitag waren es rund 170 Euro.

Dem Handelsblatt zufolge könnte die Ausschreibung ‍für das Bundeswehrprojekt schon im ‌Februar erfolgen. Dabei gehe es darum, mithilfe von Satelliten bis 2029 Panzer, Schiffe und Soldaten miteinander zu vernetzen. „Wir wollen mit OHB ein ähnliches Joint-Venture wie mit dem finnischen Satelliten-Start-up Iceye schließen“, sagte ein Rheinmetall-Manager der Zeitung. Eine offizielle Stellungnahme von Rheinmetall gibt es nicht. Rheinmetall und Iceye hatten im Dezember einen Auftrag der Bundeswehr für Radarsatelliten bekommen – Wert: 1,2 Milliarden Euro. Das Verteidigungsministerium erklärte nun, dass erst das Parlament über Beschaffungsvorhaben informiert werde.

Auch Airbus kündigt Bewerbung an

Rheinmetall sieht das Satellitengeschäft als Zukunftsmarkt. Acht bis zehn Milliarden Euro Umsatz sollen künftig ‍aus dem Geschäft mit der Digitalisierung kommen, das auch ‌Satelliten umfasst, hatte der Konzern im Rahmen seiner Mittelfristplanung angekündigt. Es gibt aber auch Konkurrenzvorhaben. So arbeitet Airbus mit Thales und Leonardo zusammen. Die Konzerne hatten sich ⁠Ende 2025 darauf verständigt, ihre Satellitensparten und Tochtergesellschaften bis 2027 zusammenzulegen. Leonardo wiederum kooperiert mit Rheinmetall bei Panzern.

Airbus will sich aber auch für das Bundeswehrprojekt bewerben. „Die Entscheidung, mit SatcomBW-4 die nächste Generation der militärischen Satellitenkommunikation auf den Weg zu bringen, stärkt unmittelbar die nationale Souveränität und Verteidigungsfähigkeit“, heißt es in einer Stellungnahme. Der Konzern betont, dafür eine neue Satellitenfertigung in Deutschland aufbauen zu wollen. Auch heimische Start-ups sollen an dem Auftrag beteiligt werden. Airbus hat bereits rund 650 Satelliten für den Starlink-Konkurrenten Oneweb gebaut.