Die Klatschpresse in Österreich fürchtete schon, sie kämen überhaupt nicht. Dann aber tauchten Mark Mateschitz, 33, und seine Lebensgefährtin Victoria Swarovski, 32, doch am Rande der Hahnenkammrennen in Kitzbühel auf: Am späten Freitagabend auf einer Party in Schloss Lebenberg, zu der Red Bull 70 handverlesene Gäste eingeladen hatte. Das Paar hatte viel zu erzählen, schließlich kamen Mateschitz und Swarovski mehr oder weniger direkt aus der Wüste Saudi-Arabiens, wo sie bei der Rallye Dakar mitgefahren waren. In zwei getrennten Gelände-Rennwagen und mit den Decknamen Mark Mustermann und Vic Flip – eine wenig wirksame Tarnung.
Daheim in Österreich, genauer in Fuschl am See, veröffentlichte fast gleichzeitig jener Getränkekonzern die Eckdaten seines vergangenen Geschäftsjahres, der Mark Mateschitz knapp zur Hälfte gehört und sein Vermögen Jahr für Jahr um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag mehrt: Red Bull. Als sein Vater Dietrich Mateschitz am 22. Oktober 2022 mit 77 Jahren starb, prophezeiten nicht wenige Branchenexperten und Beobachter, dass es nach dem Tod des charismatischen Firmengründers und Marketinggenies abwärtsgehen könnte mit Red Bull. Der Verlust des Patriarchen und die Aufsplitterung der Verantwortlichkeiten könnten zu strategischen Differenzen und dem Verlust der einheitlichen Markenidentität führen, hieß es. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Geschäfte laufen so gut wie noch nie.
Knapp 14 Milliarden Dosen des gleichnamigen Energydrinks und anderer Limonaden verkaufte Red Bull im vergangenen Jahr, 10,2 Prozent mehr als 2024. Damit, sowie mit vielfältigen Aktivitäten im Sport-, Veranstaltungs- und Mediengeschäft erwirtschaftete der Konzern 8,6 Prozent mehr Umsatz, knapp 12,2 Milliarden Euro. 21 924 Menschen arbeiteten Ende 2025 für das Unternehmen, knapp 2000 mehr als zwölf Monate zuvor.
Das war es dann auch schon mit den Informationen, die der Konzern ohne Vorankündigung auf einer seiner zahlreichen Internetseiten veröffentlichte. Welche Geschäfte wo besonders gut (oder schlecht) laufen, wo noch Wachstumspotenziale sind, wie die Strategie für das laufende und die kommenden Jahre aussieht, wo investiert wird und wo nicht – über solche Fragen schweigt sich Red Bull konsequent aus. So war das schon zu Lebzeiten von Dietrich Mateschitz, der die Firma 1984 gegründet hatte, nachdem er auf einer Asienreise in Berührung mit einem bis dahin nur in Thailand und umliegenden Ländern vertriebenen Wachmachergetränk kam. Er entwarf die Idee, damit auch den Rest der Welt zu beglücken, indem er den Energydrink als westliches Lifestyleprodukt inszenierte, als das Manna der Haudegen und Draufgänger. Heute wird Red Bull in 178 Ländern verkauft.
Geheimniskrämerei gehört bei Red Bull zum Geschäft
Nach Dietrich Mateschitz’ Tod erbte sein einziges Kind Mark seine Anteile. Anders als sein Vater verzichtete der Sohn auf eine operative Führungsaufgabe in der Red Bull-Zentrale am Fuschlsee und beschränkt sich auf seine Rolle als Gesellschafter. 49 Prozent der Anteile gehören ihm, ebenso viele der thailändischen Unternehmerfamilie Yoovidhya, Miteigentümer vom ersten Tag an. Clan-Oberhaupt Chalerm Yoovidhya hält die restlichen zwei Prozent und könnte mit deren Hilfe bei Red Bull durchregieren, wenn er es wollte. Tut er aber nicht, zumindest bislang nicht. Im Mai 2025 übertrug er seinen auf mindestens eine Milliarde Euro taxierten Zwei-Prozent-Anteil auf die in Genf registrierte Gesellschaft Fides Trustees S.A. Eine öffentliche Begründung dafür gab es nicht. Geheimniskrämerei ist oberstes Prinzip bei Red Bull und sie zahlt auch auf die Marke ein, deren Manager es gerne sehen, wenn ihre Limo etwas Geheimnisvolles umweht.
Die im Red-Bull-Kosmos gut verankerten Salzburger Nachrichten berichteten, auch der Betriebsgewinn sei 2025 gewachsen, exakte Zahlen lägen jedoch noch nicht vor. Im vergangenen Jahr schüttete Red Bull 1,32 Milliarden Euro an Dividenden an die Gesellschafter aus, Mark Mateschitz kassierte davon 648 Millionen.
Auch wenn der Erbe vornehmlich durch seine Beziehung zur und seine gemeinsamen Aktivitäten mit TV-Moderatorin Victoria Swarovski aus der gleichnamigen Tiroler Kristall-Dynastie für Schlagzeilen sorgt, ist er unternehmerisch vielfältig aktiv und keineswegs nur der reiche Sohn. Mateschitz lenkt die D&M-Firmengruppe, in der hauptsächlich die geerbten Red-Bull-Anteile liegen. Ihm gehören unzählige Immobilien, darunter Schlösser, Hotels und Gasthöfe in ganz Österreich. 2024 stieg er gemeinsam mit dem Unternehmer Stefan Pierer und einer Raiffeisenbank als Investor beim schwer angeschlagenen Feuerwehrautobauer Rosenbauer ein und stabilisierte das österreichische Traditionsunternehmen. Ein „Statement für Österreich“ sei das, sagte er.
Wie groß sein Einfluss bei Red Bull ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Für die operativen Geschäfte dort ist ein Triumvirat verantwortlich: Franz Watzlawick kümmert sich um das Kerngeschäft Getränke. Er ist ebenso ein Red-Bull-Eigengewächs wie Finanzchef Alexander Kirchmayr. Der Deutsche Oliver Mintzlaff kam nach Dietrich Mateschitz’ Tod von außen hinzu; der ehemalige Manager des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig verantwortet die Sportinvestitionen und strategische Großprojekte von Red Bull.
So glänzend die wirtschaftlichen Kennzahlen von Red Bull auch sind – in Deutschland bekommt das Unternehmen zunehmend Ärger. Nämlich in Baruth, einer kleinen Stadt in Brandenburg südlich von Berlin. Gemeinsam mit der Vorarlberger Firma Rauch, die das eigentliche Getränk Red Bull mixt und abfüllt, betreibt der Konzern aus Fuschl dort einen großen Standort. Gemeinsam kauften beide Firmen dort 2023 einen Mineralwasserhersteller und füllen dort den Energydrink sowie andere Limonaden und Säfte ab. Auf Betreiben von Red Bull/Rauch soll der Standort gewaltig wachsen. 17 Hektar Kiefernwald werden demnächst für eine Fabrik gerodet, in der künftig 3,3 Milliarden Dosen pro Jahr entstehen sollen. Bis zu 6,5 Millionen Liter Grundwasser täglich dürfen die Firmen in Baruth entnehmen, was im chronisch trockenen Brandenburg zunehmend auf Unverständnis und Kritik stößt.
