Lässig schlenderte Marek Wiechers zum Rednerpult. Münchens neuer Kulturreferent hatte bei der Pressekonferenz schließlich keine Sparbeschlüsse zu erklären. Im Lenbachhaus kann die städtische Obrigkeit ohnehin entspannt auftreten, das relativ kleine Team sorgt regelmäßig für famose Ausstellungen, und also ist das Museum gut besucht: 290.000 Kunstinteressierte kamen im letzten Jahr.
Jede Menge Kinder und Jugendliche im Lenbachhaus
Auch die Bindung zum Lenbachhaus ist intensiv, dafür stehen 16.000 Jahreskarten. Und blickt man auf die Zukunft, dann sind die fast 800 Schulklassen sowie die 29.000 Kinder und Jugendlichen, die auf Tuchfühlung mit echten Bildern gingen, sicher ein gutes Zeichen.
Dass im Kunstbau seit April 2025 keine klassischen Ausstellungen mehr gezeigt werden können, mag Großtaten wie Turner aus der Londoner Tate oder die erfolgreiche Surrealismus-Schau „Aber hier leben? Nein danke!“ erst einmal verhindern. Doch die Erneuerung der Klimaanlage sollte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

© Lenbachhaus und Kunstbau München, Ankauf des Förderverein Lenbachhaus e. V. 2022, Copyright Rechtsnachfolge der Künstlerin
von Lenbachhaus und Kunstbau München, Ankauf des Förderverein Lenbachhaus e. V. 2022, Copyright Rechtsnachfolge der Künstlerin
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Fürs Klima: 300 Tonnen weniger CO2
Das ist absehbar und wird die Klimabilanz des Lenbachhauses noch einmal verbessern. Seit 2023 können 30 Prozent Energie eingespart werden. Wobei man sich nichts vormachen darf, im Kulturbereich bleiben Museen mit ihren empfindlichen Sammlungen die Spitzenreiter beim Energieverbrauch. Entsprechend wirken sich aber auch Reduktionen aus. Im Lenbachhaus sind es aktuell 300 Tonnen CO2.
Und was bringt das neue Jahr an Kunst? Auf den ersten Blick Farbstarkes. Denn der Bereich der dem „Blaue Reiter“ vorbehalten ist, wird komplett neu eingerichtet (ab 10. März). Freilich unter Beibehaltung der Ikonen wie Franz Marcs „Blauem Pferd“. Unter dem Titel „Über die Welt hinaus“ kommen die weniger bekannten, doch nicht weniger interessanten Mitglieder der Gruppe zum Zug.
Die reizvollen neuen Seiten des „Blauen Reiter“

© Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Ankauf des Förderverein Lenbachhaus e. V. 2024
von Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Ankauf des Förderverein Lenbachhaus e. V. 2024
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Wilhelm Morgner gehört mit seinen „Ornamentalen Kompositionen“ dazu, ebenso der US-Amerikaner Albert Bloch oder Jean Bloé Nestlé, der sich wie sein Freund Franz Marc intensiv mit Tieren beschäftigt hat. Seine Katze mag gewöhnungsbedürftig sein, doch sie demonstriert, dass es unter den Reiter-Leuten durchaus „realistisch“ malende Kollegen gab und man keine Grenzen zog, wie es heute den Anschein haben könnte.
Die Münter bekommt einen eigenen Saal

© Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957, VG Bild-Kunst, Bonn 2018
von Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957, VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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Gabriele Münter ist gerade noch auf Welttournee, nach der letzten Station im Guggenheim Museum in New York wird ihr im Lenbachhaus ein eigener Raum mit der chronologischen Folge ihres Schaffens gewidmet sein. Man darf nicht vergessen: Ohne die Münter und ihr Vermächtnis hätte München keine „Blauer Reiter“-, bzw. Expressionismus-Sammlung von Weltrang.
Gemeinsame Schau von Stadtmuseum und Lenbachhaus

© Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
von Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
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Im Gegensatz zum Kunstbau wird am Stadtmuseum noch länger geschraubt werden. Eine gemeinsame Ausstellung mit dem Lenbachhaus bietet sich an, gerade im Bereich der 1920er Jahre und der Neuen Sachlichkeit. Da sind beide Museen bestens bestückt. Der Titel „Ferngespräch“ (ab 12. Mai) sagt einiges, die Verbindungen gingen weiß Gott wohin, neue Medien spielten eine wichtige Rolle und genauso die Angst, den Informationsfluss (politisch) nicht mehr kontrollieren zu können. Hinzu kommen Themen wie die Emanzipation – man sieht’s an Bubikopf und Zigarette -, die internationaler werdende Wissenschaft oder die großen Wohnbauprojekte in den Städten.
Entdeckung aus Polen: Maria Jarema

© Muzeum Narodowe w Warszawie Copyright Rechtsnachfolge der Künstlerin / Estate of the artist
von Muzeum Narodowe w Warszawie Copyright Rechtsnachfolge der Künstlerin / Estate of the artist
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Eine Entdeckung ist die in Polen populäre „revolutionäre Kommissarin der Abstraktion“ Maria Jarema (ab 27. Oktober), und weil die Vernetzung mit verschiedenen Münchner Institutionen viel neues Publikum beschert hat, geht es heuer unter dem Motto „Buntes Garten Ciao“ in die nächste Runde. Urban Gardening ist ja ein alter Hut, aber wenn der Sommer heiß wird, pilgern wir alle zum Lenbachhaus, vor dem sich eine Oase öffnen soll.
