Vorwürfe gegen Stefan Kuntz: Hamburger SV verbreitet nach Kuntz-Statement „Richtigstellung“

Der Aufsichtsrat des Hamburger SV hat neue Details zu den Vorwürfen gegen den ehemaligen Sportvorstand Stefan Kuntz veröffentlicht. In einer schriftlichen Mitteilung auf der Webseite des Vereins hieß es, zuletzt von Kuntz verbreitete Aussagen machten eine „Richtigstellung“ erforderlich.

Genannt werden in dem Schreiben des HSV-Aufsichtsrats drei Punkte. So lägen dem Verein „glaubhafte Hinweise für schwerwiegende Pflichtverletzungen“ durch Kuntz vor. Grundlage seien die unabhängig voneinander erfolgten Schilderungen mehrerer Personen. Sowohl die in solchen Fällen geltenden Fristen als auch „die Verantwortung für die bei uns tätigen Mitarbeitenden“ hätten ein konsequentes und schnelles Handeln des Aufsichtsrates erforderlich gemacht.

Anhörung laut HSV durch Kuntz‘ Anwälte abgesagt

Außerdem hat der Verein Kuntz‘ eigenen Angaben nach am 18. Dezember über die laufende Untersuchung informiert und dessen Anwälten tags darauf anonymisiert mitgeteilt, welche Vorwürfe zu diesem Zeitpunkt im Raum standen. Behauptungen, wonach Kuntz keine Möglichkeit erhalten habe, die Vorwürfe zu entkräften, seien „nachweislich unwahr“, schrieb der Aufsichtsrat. Der HSV habe Kuntz‘ Anwälten mehrere mögliche Termine für eine Anhörung genannt. Teilweise sei auf die Vorschläge nicht eingegangen worden, teilweise sei die Anhörung „verschoben oder abgesagt“ worden.

Eine schließlich für den 29. Dezember vereinbarte Anhörung sei am Vorabend ebenfalls abgesagt worden, schrieb der Aufsichtsrat weiter. Kuntz habe mitgeteilt, „doch nicht mehr für eine Anhörung zur Verfügung zu stehen und den Termin stattdessen für die Verhandlung des Aufhebungsvertrages nutzen zu wollen“. Er selbst sei bei dem Termin abwesend gewesen. Seinen neuen Anwälten sei angeboten worden, „die bis dato ermittelten Vorwürfe erneut detailliert mitzuteilen“, was diese jedoch abgelehnt hätten.

Weiter schrieb der HSV, Kuntz habe sich „aus freien Stücken“ dafür entschieden, eine Vereinbarung zur Aufhebung seines Vertrags zu unterzeichnen. Man habe ihm zuvor nicht gesagt, dass eine Anhörung „zu einem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe“ führen könne.

Vertrag überraschend zum Jahresende aufgelöst

Die Auflösung von Kuntz‘ Vertrag beim Hamburger SV war überraschend am 2. Januar verkündet worden. Zur Begründung war in einer Mitteilung des HSV zunächst von „familiären Gründen“ die Rede gewesen. Im Anschluss berichtete die Bild am Sonntag jedoch, Kuntz werde von mehreren Frauen im Verein sexuelle Belästigung vorgeworfen. Daraufhin teilte auch der Aufsichtsrat des HSV mit, die Trennung von Kuntz stehe im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen eines angeblichen Fehlverhaltens des Ex-Profis.

Kuntz wehrte sich zunächst mit einem Statement auf seinem Instagram-Profil gegen die Behauptungen und die Medienberichte. „Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück“, schrieb er am 11. Januar. Vergangene Woche äußerte er sich zudem in der Süddeutschen Zeitung. Auch hier wies er die Vorwürfe von fünf Frauen, die laut SZ-Informationen verbale Belästigungen, unangemessene Berührungen und Anzüglichkeiten betreffen, zurück. Zudem sagte Kuntz laut SZ, auf seinen Wunsch, ihn anzuhören, sei entgegnet worden, dass die Vorwürfe in diesem Fall weiter untersucht würden und das Risiko bestehe, dass die Öffentlichkeit davon mitbekomme.

In der nun veröffentlichten Mitteilung schreibt der HSV, es sei „bedauerlich, dass diese öffentlichen Richtigstellungen erforderlich geworden sind“. Allerdings werde man weder Kuntz‘ durch den Verein festgestellte Pflichtverletzungen öffentlich mitteilen, noch Medienberichte zu dem Fall kommentieren.