Der Kopenhagener Streetwear- und Vintage-Verkäufer Jesper Rabe Tønnesen, 58, hat eine Baseball-Kappe designt, die nicht nur in Dänemark und Grönland zu einem Protestsymbol gegen den US-Präsidenten geworden ist. Wegen der gewaltigen Nachfrage musste Tønnesen soeben 6500 Mützen nachbestellen.
SZ: Herr Tønnesen, die von Ihnen designte Kappe ist zu einem Ausdruck des Widerstands gegen Donald Trump geworden. Wie kam es dazu?
Jesper Rabe Tønnesen: Als Trump 2024 mit Grönland anfing, da hatte ich die Idee zu dem Wortspiel „Nu det Nuuk“, welches zugleich Bezug auf das dänische „Nu det nok“ nimmt – also „Es reicht!“ – und auf die grönländische Hauptstadt Nuuk. Ich bestellte 100 rote Kappen für meinen Laden und schickte weitere 100 nach Grönland. Meine Kappen waren ziemliche Ladenhüter.
Das änderte sich dann?
Genau. Als Trump wieder hetzte und in Kopenhagen vor einigen Tagen demonstriert wurde, da hätte ich innerhalb weniger Stunden Hunderte oder Tausende davon verkaufen können, wenn ich sie nicht teilweise schon verschenkt hätte.
Und jetzt? Kriegen Sie die denn alle los, da sich Trump wieder leicht beruhigt zu haben scheint? Was haben Sie denn gedacht, als Sie ihn in Davos sahen?
Dass er völlig verrückt ist.
In seiner Rede verwechselte er manchmal „Greenland“ und „Iceland“.
Für mich ist das vor allem tragisch. Denn ich kenne Menschen, die sich diese Dinge wirklich zu Herzen nehmen. Die richtig depressiv werden und nachts nicht mehr schlafen können. Die sich echt große Sorgen machen um die Welt. Eine Grönländerin, mit der ich Kontakt habe, sagte mir, vor allem die Kinder hätten furchtbare Angst.
Kann Humor da eine Lösung sein?
Klar. Weil Lachen den Menschen immer Hoffnung gibt. Und das ist in gerade so einer Situation sehr wichtig.
Auf Ihren Mützen steht auch „Make America go away“. Das nimmt ironisch Bezug auf den Maga-Slogan.
Ja, aber solche Protestmützen gab es auch vorher schon. Ich fand den Slogan aber toll, weil er etwas, das schon existierte – „Make America great again“ – ironisch aufgriff. Wichtig war mir, dass die Aussage auf den Mützen eindeutig ist, denn man weiß ja nicht, was Fox News oder sonst wer daraus macht. Die tun dann so, als wären das alles Mützen von Trump-Anhängern.

Längst haben auch andere Firmen Ihre Kappen imitiert.
Ja, aber die wollen damit Geld machen. Ich nicht. Ich spende den Gewinn an wohltätige Projekte für benachteiligte Kinder in Grönland. Ich hätte das Geld wirklich gut auch selbst gebrauchen können, das können Sie mir glauben. Aber das wäre nicht richtig gewesen. Mittlerweile hat unsere Anti-Trump-Kappe viele Menschen erreicht. Man dürfte die Message verstanden haben: Es ist Zeit, dass er zurücktritt, damit er nicht mehr ständig Bullshit verbreitet und von anderen Dingen, mit denen er kein Geld verdienen kann, ablenkt.
Und wenn andere Geschäftsleute Ihre Kappe nun kopieren?
Dagegen kann ich nichts tun. Für mich jedenfalls ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man sich um Arme und Schwache kümmert. Dass man denen eine Stimme gibt, die selbst keine haben. Meine Familie und ich zum Beispiel gehen manchmal einfach raus, um Obdachlose zu beschenken oder um sich um sozial Benachteiligte zu kümmern. Das ist doch klar, dass man etwas tun muss. Geld verdirbt den Charakter. Und wenn man jetzt wieder in der Schweiz gesehen hat, wie sie da aufgestanden sind und dem US-Präsidenten gehuldigt haben, dann glaubt der vielleicht wirklich noch, dass er toll ist. Es wäre, so denke ich, echt wieder an der Zeit, dass in den Schulen etwas mehr George Orwell gelesen wird. „1984“ oder „Animal Farm“. Da steht eigentlich alles schon drin.
Na, das sagen vielleicht Sie als Vintage-Händler …
Die vergangenen Tage waren nicht einfach für mich. Ich lag mit Fieber im Bett, und alle möglichen Journalisten riefen an: „Was sagen Sie zu Donald Trump?“ Da habe ich einfach geantwortet: Dass man nett zueinander sein muss. Und ich habe mir gedacht: So weit sind wir also schon, dass man diese einfachen Dinge den Menschen erklären muss. Das bringt man doch schon jedem Kind bei.
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