Boykott-Forderungen: Haltet Donald Trump aus der WM raus!

Sollen Länder wie Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren? St. Paulis Klubchef, der auch DFB-Vizepräsident ist, fordert jetzt energisch eine Diskussion darüber. Doch dem liegen gleich drei Denkfehler zugrunde.

Werden wir uns noch lange an den 24. Januar 2026 erinnern? Nein, nicht weil der FC Bayern nach Ewigkeiten in der Bundesliga verliert. Gefällt vom Augsburger Trainer Baum. Auch nicht, weil die trainerlosen Frankfurter immer tiefer ins Chaos stürzen. Sondern, weil an dem Tag der deutsche Fußball-Boykott gegen Donald Trump und die WM begann. Zumindest, wenn es nach St. Pauli-Boss und DFB-Vizepräsident Oke Göttlich geht.

In der „Hamburger Morgenpost“ sagte Göttlich wörtlich: „Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen.“

Okay, Oke, reden wir über eine Verweigerung der WM in den USA – übrigens dann auch in Mexiko und Kanada.

Bei Putins WM 2018 gab es keinen Boykott – trotz Krim-Überfalls

Die Politik, die Protzereien und Pöbeleien von Trump müssen einem nicht gefallen. Die Frisur auch nicht. Aber: Nicht zur Weltmeisterschaft zu fahren, wie Göttlich anregt, wäre höllisch dumm.

Denkfehler 1: Der Pauli-Boss hält die aktuelle Situation für kritischer als beim Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau. Falsch! Damals war die Sowjetunion mit ihrer Armee in Afghanistan einmarschiert. Das lässt sich nicht mit Trumps Blitz-Aktion in Venezuela vergleichen.

Denkfehler 2: Bei Putins WM 2018 gab es keinen Boykott, obwohl er vorher die ukrainische Krim überfallen und erobert hatte. Ist der demokratisch gewählte Präsident unseres Nato-Partners für Göttlich schlimmer als der Diktator in Moskau?

Denkfehler 3: Wenn man so anfängt, wo hört es auf? Sollen wir die WM 2030 gleich mit boykottieren, weil bei Gastgeber Marokko massenweise Hunde und Katzen umgebracht werden? Mir als Tierbesitzer wäre die Idee sogar sympathisch.

Oder weiter gesponnen mit der Boykottitis: Fährt künftig kein Klub mehr zum 1. FC Magdeburg in die 2. Liga, wenn in Sachsen-Anhalt die AfD regieren sollte? Oder Boykott gegen Dortmund wegen des umstrittenen Sponsors Rheinmetall? Oder gegen den FC Bayern, weil … Egal, irgendeinen Grund findet man immer.

Nein, lasst uns zur WM fahren und Trump aus der Bundesliga heraushalten.

Reden wir stattdessen über den Tag der historischen Bayern-Niederlage. Ausgerechnet gegen Augsburg!

Beim Hinspiel (2:3) hatte der inzwischen gefeuerte Trainer Sandro Wagner sich zum Gespött gemacht, weil er Augsburg qualitativ auf Augenhöhe mit Bayern wähnte. Und sein bescheidener Nachfolger Baum zeigt, dass es für 90 Minuten tatsächlich so sein kann. Ist der Sieg eine nachträgliche Watschn für Wagner oder Bestätigung?

Reden wir über Zwietracht Frankfurt: Blamage in der Champions League, Desaster gegen Hoffenheim, Wut im Stadion, Zerfallserscheinungen. Wenn der zu Recht so hochgelobte Markus Krösche nicht bald eine starke Trainerlösung präsentiert, erleben wir die Entzauberung des Jahres.

War viel los am 24. Januar 2026.