Waller, Warsh oder Rieder – ernennt Trump den neuen Fed-Chef nächste Woche?


Mit Spannung blicken die Investoren an den Finanzmärkten zum Monatsende auf die amerikanische Notenbank Federal Reserve. Stärker als die Zinssitzung am kommenden Mittwoch, während der die Währungshüter in Washington wohl alles beim Alten belassen werden, steht derzeit die Spitzenpersonalie bei der Zentralbank im Fokus: Präsident Donald Trump könnte zeitnah zur Sitzung das gut gehütete Geheimnis lüften, wer dem noch bis Mai amtierenden Fed-Chef Jerome Powell nachfolgen soll.

Trump liefert sich eine Art Privatfehde mit Powell. Der ist zuletzt sogar ins Visier der US-Justiz geraten und sieht darin einen Vorwand, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen. Investoren rätseln, ob die unabhängige Notenbank unter neuer Führung stärker in den Bann des US-Präsidenten geraten wird, der kräftige Zinssenkungen sehen will.

Ein Blackrock-Manager?

„Der mittelfristige Zinsausblick dürfte auch maßgeblich von der Neubesetzung des Fed-Vorsitzenden abhängen“, meinen die Fachleute der Deutschen Bank um Deutschland-Chefvolkswirt Robin Winkler. Sie sehen den früheren Fed-Direktor Kevin Warsh und den Wirtschaftsberater Trumps, Kevin Hassett, in der engeren Wahl. Beide seien Vertreter einer expansiven Geldpolitik. „Die laufende Untersuchung des US-Justizministeriums gegen Powell hat jedoch dazu geführt, dass einflussreiche republikanische Senatoren die Nominierung eines neuen Vorsitzenden blockieren wollen, was ⁠die Neubesetzung deutlich erschweren und verzögern dürfte“, so die Einschätzung der Fachleute.

Trump wieder hatte gerade zur Überraschung vieler Beobachter verlautbart, dass er Hassett lieber auf seinem Posten im Weißen Haus belassen wolle. Seine Chancen scheinen zumindest geschrumpft.

Neben Hassett und Warsh hatten auch der Notenbank-Direktor Christopher Waller und etwas später der für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock abreitende Manager Rick Rieder als Kandidaten für die Führungsposition in der Notenbank vorgesprochen. Investoren könnten geneigt sein, Rieder zumindest anfangs in das Lager der „Tauben“ einzuordnen, auch weil seine Haltung zur Politik der Fed weniger bekannt ist, meint Ray Attrill, Ökonom der National Australia Bank. Die spontane Reaktion könnte ein schwächerer Dollar und eine steilere US-Zinskurve sein,

Rieder gilt als Außenseiterkandidat, der unter anderem deshalb spät an Dynamik gewann, weil der Senat eher bereit sein könnte, ihn zu bestätigen. Er sagte diesen Monat, dass zwei Zinssenkungen in diesem Jahr auf etwa 3 Prozent angesichts des derzeitigen Umfelds mit „solidem” Wachstum, aber einem schwachen Arbeitsmarkt „angemessen” seien. Vielleicht schon in der letzten ⁠Januar-Woche könne Trump seine Entscheidung bekanntgeben, sagte sein Finanzminister Scott Bessent jüngst in einem CNBC-Interview.

Oder doch ein erfahrener Notenbanker?

„Es würde uns nicht überraschen, wenn diese Ankündigung zeitnah mit der kommenden Notenbanksitzung erfolgt — und möglicherweise einige Überraschungen bereithält“, erklärte Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA des Vermögensverwalters DWS.

Der US-Präsident hat erklärt, dass Powells Nachfolger seinen Vorstellungen folgen müsse. Er wolle, dass der Neue die Zinsen senke, wenn es dem Markt gut gehe. Die Inflation werde sich selbst regeln. Die Fed hatte den Leitzins im Dezember auf die Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt. Sie begründete dies mit Schwächesignalen vom Arbeitsmarkt und deutete ⁠zudem eine Pause ihres Lockerungskurses an.

Nun dürfte sie also stillhalten und ihre Leitzinsen vorerst nicht weiter senken, prognostiziert Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner: „Die nächsten Monate dürften weniger von geldpolitischen Erwägungen im engeren Sinne geprägt sein, sondern vom Kampf der Fed um die Bewahrung ihrer Unabhängigkeit vom Präsidenten.“

Allerdings könne die Fed aktuell keine rein an ökonomischen Sachverhalten ausgerichtete Geldpolitik betreiben. Schließlich habe sich der Druck der Regierung zu weiteren deutlichen Zinssenkungen immer weiter erhöht. Die Einleitung rechtlicher Maßnahmen gegen den Fed-Chef sieht Weidensteiner als einen kaum „verbrämten Versuch“, diesen unter Druck zu setzen.

Allerdings habe sich Powell ungewohnt deutlich und öffentlich dagegen gewehrt: „Der ⁠Fed kommt die schon länger absehbare Pause bei den Zinssenkungen daher wohl gelegen, da sie mit ihr ihre Unabhängigkeit demonstrieren kann.“