Ukraine-Liveticker: Bundesregierung dämpft Erwartungen an Gespräche in Abu Dhabi

Erstmals verhandeln Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA direkt über den US-Plan für ein Ende des Krieges in der Ukraine: Delegationen der drei Staaten trafen am Freitag in Abu Dhabi zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche dürften Territorialfragen stehen. Kurz vor Verhandlungsbeginn bekräftigte Moskau seine Maximalforderung, wonach die ukrainische Armee sich aus der gesamten Region Donbass einschließlich bisher nicht von Russland kontrollierter Gebiete zurückziehen soll.

Die Zukunft des Donbass im Osten des Landes werde im Mittelpunkt der Gespräche stehen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Reportern. ​Die Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen einem Berater Selenskyjs zufolge am Samstagmorgen fortgesetzt werden. In der Ukraine wird die Lage der Bevölkerung in Ballungsräumen immer ​schwieriger, da russische Angriffe die Strom- und Wärmeversorgung in Großstädten wie Kiew bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt lahmgelegt haben.

Hauptstreitpunkt ist die Forderung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass die Ukraine die unter ihrer Kontrolle verbliebenen 20 ⁠Prozent der Region Donezk im Donbass abtritt. ​Dies entspricht einer Fläche von rund 5000 Quadratkilometern. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete dies am Freitag als sehr wichtige ⁠Bedingung. Kiew steht unter wachsendem Druck der USA, einem Friedensabkommen zuzustimmen. Selenskyj lehnt die Abtretung von Gebieten ‍jedoch ab, ‍die Russland nicht erobern konnte. Umfragen zufolge gibt es auch in der ukrainischen Bevölkerung kaum Bereitschaft zu territorialen Zugeständnissen.

Hinter den Kulissen wird über verschiedene Lösungsmodelle diskutiert. Einem Insider zufolge betrachtet Moskau die sogenannte „Anchorage-Formel“, die ⁠Putin und US-Präsident Donald Trump im August vereinbart haben sollen, als Basis. Diese sehe vor, dass ​Russland den gesamten ​Donbass kontrollieren und die Frontlinien im Süden ‌und Osten der Ukraine eingefroren werden sollen. Selenskyj erklärte ‍seinerseits, ein Abkommen über US-Sicherheitsgarantien sei fertig ausgehandelt. Er warte lediglich auf einen Termin von Trump ‍zur Unterzeichnung.