Pascal Mercier war ein großer Bestseller-Autor. Jetzt erscheinen Erzählungen aus dem Nachlass. Es geht auch um Tee und Kekse.
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Es sei gleich zu Beginn gesagt, dass Pascal Mercier mit seinen aus dem Nachlass stammenden Erzählungen Der Fluss der Zeit gehörig Schiffbruch erlitten hat. Konnte der Autor seine Romane wie Nachtzug nach Lissabon oder Das Gewicht der Worte noch mit dem philosophischen Blasebalg zu gefälliger Literatur aufblasen, in der Kurzgeschichte klappt es nicht mehr. Alle in diesem Band versammelten Erzählungen kommen bieder, antiquiert und geradezu ermüdend daher. Ihre Charaktere sind fest im Bildungsbürgertum verschraubt und drehen sich wie Derwische immer nur um die eigene Achse, sodass es schon einem Affront gleicht, wenn ein alter Mann seine Pfeife ins Gebüsch schmeißt, nachdem er sein uraltes Haus verkauft hat. Bereits in der ersten Erzählung Die Übergabe stolpert man über schiefe Sentenzen wie: „Ich hatte das Gefühl, als müsste ich die Zeit mit meinem Körper anschieben, damit sie weiterflösse.“ Mercier wiederum schiebt angestrengt Wörter an, damit die Handlung weiterfließt oder vielmehr weiterplätschert. Dialoge ergeben sich nicht. Mercier, so scheint es, schnitzt sie aus den Holzbänken eines philosophischen Oberseminars. Es geht darin viel um Selbsterkenntnis, Dankbarkeit, Vergangenheit, Angst vor dem Tod, Tee und Kekse.
