Grönland und seine anderen Schätze – Stil

Draußen kochen

Wer auch bei Schnee und Eis draußen längere Zeit unterwegs sein möchte, braucht einen Kocher, der wirklich Grönland-erprobt ist. Die meisten Outdoor-Extremisten landen in dieser Frage irgendwann beim Primus-Ulti-Kochsystem, das vergangenen Winter nach zahlreichen Optimierungen vorgestellt wurde. Dank der katalytischen Verbrennung und Infrarotstrahlung kocht der „Ulti Stove“ ohne Flamme und spricht damit nicht nur Alpinisten, sondern auch technikbegeisterte Camper oder Langstreckenwanderer an.

Besonderes Merkmal des innovativen Gaskochers – er ist mit seiner katalytischen Verbrennung windresistent und liefert sehr effiziente und sichere Hitze auch bei absolut unwirtlichen Bedingungen. Er wurde zudem mit einem durchdachten Topfsystem konstruiert, das ihn praktisch verstaubar macht, und ist für die Bedienung mit Handschuhen optimiert. In der Testphase wurden Bergführer und Expeditionsteilnehmer mit dem Ulti-Kocher ausgestattet, um alle Details auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen. Und auch wer nicht unterwegs ins ewige Eis ist, hat an dem durchdachten System vielleicht seine Freude – gibt doch nichts Aufregenderes, als im Winter mal an ungemütlichen Orten mit einem Süppchen oder Punsch für ein bisschen Lebensart zu sorgen.

(Foto: Edition Lunerion)

Heute gibt es Rentiergeschnetzeltes

Robbeneintopf, Walhaut-Speck, fermentierter Hai oder Rentiergeschnetzeltes – es ist keine Schande, wenn den meisten zum Thema grönländische Spezialitäten maximal Stereotypen einfallen. Zum einen wäre das nicht mal falsch, Robbe, Karibu, Wal und Hai sind beliebte Zutaten. Außerdem war Grönland bislang ja eher als Kreuzfahrtkulisse, Ort für Tierdokumentationen oder als Barometer für den Klimawandel denn als Schlemmerparadies ein Thema. Doch seit die größte Insel der Welt in den Fokus der Geopolitik geraten ist, schadet es nicht, sich auch mehr mit der Kulinarik zu befassen. Und zwar nicht unbedingt nur, um mitreden zu können, sondern um zu zeigen: Grönland ist keine Verfügungsmasse, die man nach Belieben kaufen, besetzen, mit Raketenrampen pflastern oder mit Island verwechseln darf, sondern ein Land mit Einwohnern, Geschichte und einer eigenständigen Kultur.

Bücher zur Inselküche sind rar, lange bezogen sich auch die Grönländer hauptsächlich auf ein Standardwerk aus dem Jahr 1963 (Kochbuch für Grönland), das bis heute nur auf Dänisch und Grönländisch erschienen ist. Doch auch durch die Neue Nordische Küche kam Bewegung in die Kulinarik. Und manche dürften überrascht sein, wie saisonal, pflanzenbasiert und naturnah im nicht mehr ganz so ewigen Eis gekocht wird. Die grönländisch-norwegische Autorin Fenja Egede hat zuletzt das „Grönland Kochbuch“ (Edition Lunerion) vorgelegt. Sie bringt ihren Lesern Gerichte mit Kartoffeln, Karotten, Gerste, Algen (Salate!) oder Grönlands vielfältigen Beerensorten nahe, etwa Preiselbeersmoothie, Qajuusaq-Beerenporridge oder Beerendips zu Fleisch, Kabeljau und Meeresfrüchten. Manche Zutat dürfte in Mitteleuropa fehlen, um alles umzusetzen. Aber wer einen Anfang machen will, beginnt dann eben doch mit Rentiergeschnetzeltem, dessen Fleisch sich laut Egede prima durch Lamm ersetzen lässt.

(Foto: Sandnes Garn)

Stricken wie die Inuit

Kuschelig-warme Norweger-Pullis haben viele – aber einen echten Grönländer-Pulli? Der Garn-Hersteller Sandnes (aus Norwegen) zeigt auf seiner Homepage zwei „Greenland-Designs“ aus Seidenmohair – und für die Kinderversion gibt es das Strickmuster dazu sogar gratis zum Runterladen. Die Muster sind klassisch folkloristisch mit Zacken und Rauten in der oberen Partie, das typisch Grönländische ist wohl eher die Farbkombination. Lindgrün mit Hellblau oder Gelb mit Grün und Violett. Der Schwierigkeitsgrad wird mit „mittel“ angegeben. Einen Haken gibt es allerdings: Die Anleitung ist auf Norwegisch. Ob die KI das fehlerfrei übersetzt kriegt, zeigt sich dann im Ergebnis.

(Foto: Greenland)

Natur pur

Das Einzige, was uns mitteleuropäischen Weicheiern zu Körperpflege in Grönland einfällt, ist ja ehrlich gesagt Fettcreme all over. Die Kälte! Der Wind! Und natürlich hat das Bodycare-Label Greenland auch Bodybutter im Sortiment. Aber allzu wörtlich haben die Hersteller ihren Namen dann doch nicht genommen, nicht zuletzt residiert man ja im sonnenverwöhnten Italien. Eine Schnittmenge gibt es trotzdem, nämlich Natur. Die dient für die hauseigenen Shampoos, Cremes und Gels nicht nur als Inspiration, sie liefert auch die Inhaltsstoffe. Alle Produkte werden zu mindestens 95 Prozent auf natürlicher Basis hergestellt; laut Herstellerangaben wurde auf besonders lang anhaltende Wirkung geachtet, um den Verbrauch zu drosseln. Man addiere die minimalistische Verpackung und die höchst ästhetisch gestalteten Tuben und Tiegel – und es kommt ein Preisregen dabei heraus. Unter anderem hat Greenland zuletzt zweimal hintereinander den Asian Beauty Award gewonnen. Für uns Verbraucher ist natürlich auch nicht ganz unwesentlich, dass sich die Preise noch halbwegs im Rahmen halten: Das „Shower Gel strawberry & anise“ (siehe oben) kostet im Sale derzeit 15,75 Euro. Erhältlich im Online-Shop.

(Foto: Fjällräven)

Wärmewunder

Die schwedische Firma Fjällräven hat diesen Winter eine Sonderedition ihrer legendären „Expedition“-Daunenjacke aufgelegt – als ganz schwarze Version. Sie sollte eine Hommage an die dunklen Winternächte Skandinaviens sein und wurde in limitierter Auflage von 900 Stück gefertigt – die leider schnell ausverkauft war. Kein Wunder, denn im Futter dieser Jacke ist ein großes Versprechen eingenäht: Never feel cold again. Auch die Ursprünge des Klassikers liegen übrigens in der dunklen Nacht: Fjällrävens Gründer Åke Nordin Schutz kämpfte 1974 bei einem Biwak in einer Schneegrube auf dem Hochplateau von Abisko im hohen Norden Schwedens nachts mit bitterer Kälte und überlegte sich dabei eine ungewöhnliche Schutzkleidung für solche Temperaturen – gefertigt aus zwei zusammengenähten Daunenjacken, um Wärmeverluste zu minimieren. Die daraus entstandene „Expedition Down Jacket“ ist den ursprünglichen Designprinzipien und dem Wärme-Versprechen bis heute treu geblieben. Und auch wenn das All-Black-Sondermodell nicht mehr zu kriegen ist, in den normalen Farben ist die Jacke weiterhin im Sortiment – genauso dick gefüttert wie früher, aber mit einer leicht modernisierten Passform. Kein Schnäppchen, aber für alle Dauer-Verfrorenen vielleicht der Gamechanger, der den Winter wieder erträglich oder eine Reise zu den Polarlichtern endlich greifbar macht.