Tennis und Mode: Naomi Osaka bei den Australian Open – Stil

Für sie: Schleierhaft

Eine Schlagzeile der Woche hatte ausnahmsweise nichts mit Wahnsinn zu tun, sondern mit Mode: das Einlauf-Outfit der Tennisspielerin Naomi Osaka bei den Australian Open. Das Ensemble – ein mit tentakelartigen Volants verziertes Kleid über weiter Plissée-Hose, außerdem Schleier, Sonnenschirm und Hut mit Schmetterling – wurde vom Designer Robert Wun entworfen, der auch gerne für Lady Gaga arbeitet, es löste überall Begeisterung aus. Warum auch sollte eine Frau nicht Spaß mit Mode haben, wenn sie ihrem Beruf nachgeht? Und wer sagt, dass ein Schleier nichts auf dem Tennisplatz zu suchen hat? Heute weiß man ja nicht mehr, ob man morgen den Operntermin wahrnehmen kann oder doch seine sieben Sachen über den Körper schichten muss, um vor der Apokalypse abzuhauen.

(Foto: AP Photo)

In so einer Welt ist die Zweckentfremdung bisher anlassgebundener Kleidungsstücke ziemlich modern, schon allein, weil es das Thema der neuen Sommerkollektion von Prada ist (lange Satinhandschuhe zum Blaumann). Aber wenn man sich Osakas Look genauer anschaut, dann erinnert der über dem Nike-Tennis-Dress tentakelig wehende Schleier eher an eine Heldin in einem Disney-Film. Osaka hat dieses Outfit allerdings nur für die Fotos getragen, die ungefähr zeitgleich mit ihrem Auftritt auch auf der Website von Vogue online gingen. Weil sie nicht darin spielt, ist das kein echter Fashion Moment. Wir erinnern uns: Als Venus Williams anfing, in Tutus und Catsuits auf den Platz zu kommen, spielte sie auch darin. Alles andere ist nur Fasching.

Für ihn: Unterkomplex

Die Australian Open gelten ja so ein bisschen als Partymeile unter den Grand-Slam-Turnieren. Da unten in Melbourne ist eben alles nicht so streng, etwa die Kleiderordnung für Spieler und Zuschauer, und es gibt auch keine prätentiösen Rituale wie das Erdbeernaschen aus Silberschalen in Wimbledon. Gleichzeitig kommen bei diesem ersten großen Turnier im neuen Jahr traditionell frische Sponsorings und gewechselte Ausrüsterverträge der Spieler ans Licht, darunter immer auch Marken, die ihre ersten Schritte im Tennissport machen.

(Foto: Getty Images)

Der US-Spieler Frances Tiafoe etwa spielt jetzt in Lululemon. Das ist die Marke, die vor mehr als zwanzig Jahren den Yogacore erfunden und anschließend fleißig zu Gold gesponnen hat. Längst macht der Legginskonzern Milliardenumsätze, wird in der Szene aber nicht mehr so ganz uneingeschränkt geliebt und sucht vielleicht auch deswegen nach neuen Sportarten. Ob Tennis gut passt? Die Outfits von Tiafoe kratzen jedenfalls auch für Melbourne am unteren Ende dessen, was man im Profitennis auf dem Platz als casual durchgehen lassen möchte. Shorts in Badehosenmanier mit trashigem Farbverlauf und dazu ein schlichtes T-Shirt, das hat doch irgendwie deutlich Trainingscharakter. Und was ist das für ein Anspruch als Marke, wenn man bei der Premiere die Latte gleich mal extra niedrig legt? Klar, kann man heute alles machen, selbst die Stars kommen vergleichsweise nachlässig gekleidet ins Finale. Aber Tennis hat seit einigen Jahren auch deshalb so eine Aufmerksamkeit, weil sich die Mode- und Glamour-Szene nach ein bisschen Eleganz und Stil im Sport sehnt. Also bitte: Kragenpflicht wieder einführen.